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Zebra plus Esel ergibt Zebresel: Dieses Fohlen kam in Ost-Tierpark zur Welt

Zebresel im Tierpark Müritz: Das Jungtier wog bei der Geburt 20 Kilogramm und ist laut Zoo das erste Tier dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern.

5 Min
Im Tiererlebnispark Müritz wurde ein Zebresel geboren - eine Mischung aus Zebra und Esel.

Im Tiererlebnispark Müritz wurde ein Zebresel geboren - eine Mischung aus Zebra und Esel.

© Handout / Berlin/Tiererlebnispark Müritz/dpa

Auf einer Koppel in Grabowhöfe bei Waren an der Müritz steht seit vergangener Woche ein Fohlen mit langen Ohren und gestreiften Beinen. Sein Vater ist ein Zebra, seine Mutter eine Eselstute.

Der Start ins Leben war mühsam. Das Jungtier lag ungünstig, die Pfleger mussten eingreifen. „Nur dank unserer Geburtshilfe konnte er das Licht der Welt erblicken“, zitiert der Tiererlebnispark Müritz seinen Tierpflegemeister David Fuhlbrügge in einer Mitteilung, über die zuerst die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

20 Kilogramm brachte der kleine Hengst auf die Waage. Einen Namen hat er noch nicht.

Wie der Zebresel überhaupt entstand

Dahinter steckt keine Zuchtidee, sondern ein Haltungsdetail. Das Zebra des Parks sollte nicht allein stehen und lebte deshalb mit Pferden und Eseln auf einer Fläche.

Zebras zählen zu den Equiden, ihre Zucht ist europaweit geregelt, Zebroide dürfen in Deutschland grundsätzlich gezüchtet werden. In der Praxis entstehen sie fast immer so wie an der Müritz: nebenbei.

Offen ist, wie der Park damit umgeht. Ob der Zebrahengst künftig getrennt von den Eselstuten steht, teilte der Tierpark bislang nicht mit.

Zesel, Zonkey, Zebrule: die Namen der Zebroide

Fachleute nennen alle Zebra-Mischlinge Zebroide. Bei der Benennung steht der Vater vorn: Zebrahengst plus Eselstute ergibt den Zebresel, auch Zesel, Zedonk, Zonkey oder Zebrule genannt.

Zu erkennen ist die Mischung an Beinen und Hals, wo sich die dunklen Streifen durchsetzen. Kopf und Ohren bleiben Esel.

Der umgekehrte Fall, Eselvater und Zebramutter, ist noch seltener. Zebrastuten lassen sich schlicht weniger gefallen.

Im Tiererlebnispark Müritz wurde ein Zebresel (l) geboren - eine Mischung aus Zebra und Esel.

Im Tiererlebnispark Müritz wurde ein Zebresel (l) geboren - eine Mischung aus Zebra und Esel.

© Berlin/Tiererlebnispark Müritz/dpa

Warum dieses Fohlen selbst nie Vater wird

Esel haben 62 Chromosomen, Zebras je nach Art zwischen 32 und 46. Das Fohlen erbt zwei Sätze, die nicht zueinander passen – bei der Reifeteilung der Keimzellen finden die Chromosomen keine Partner.

Das Ergebnis: Zebroide sind praktisch immer unfruchtbar. Jedes dieser Tiere ist eine biologische Endstation auf vier Beinen.

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Nur 15 in Deutschland? Die Zahl im Faktencheck

Laut Mitteilung des Parks gibt es bundesweit nur 15 solcher Hybride, in Mecklenburg-Vorpommern sei es das erste Tier dieser Art. Ein zentrales Register für Zebroide existiert nicht, unabhängig überprüfen lässt sich die Zahl daher nicht.

Zur Einordnung: Eine genetische Studie aus dem Jahr 2017 zählte weltweit vier lebende Zebra-Esel-Hybride – in Italien, Mexiko, China und Georgien. Die 15 aus der Pressemitteilung dürften deshalb sämtliche Zebra-Kreuzungen meinen, also auch die häufigeren Zebra-Pferd-Mischlinge.

Selten ist das Fohlen von Grabowhöfe so oder so.

Zebra-Mischlinge: Eclyse und die bissige Dalia

Die Idee ist alt. 1820 ließ der schottische Adelige George Douglas, Earl of Morton, eine Hausstute von einem Quagga decken, Charles Darwin griff den Fall später auf, und dem russischen Biologen Ilja Iwanow gelang die erste gezielte Zebra-Pferd-Kreuzung.

Deutschlands berühmtester Zebroid lebt in Ostwestfalen: Eclyse im Safariland Stukenbrock, 2006 geboren, mit einer weltweit einmaligen Zeichnung aus weißen Flächen und Streifenpartien.

Wer darin ein besonders hübsches Pony sieht, unterschätzt das Erbe. Die Zorse-Stute Dalia aus dem lippischen Kalletal galt anfangs als brav, bis das Wildtier in ihr durchkam. Ihre Besitzerin berichtete öffentlich, dass kein Zaun mehr sicher war und die Stute biss und trat.

Für den Artenschutz bringt der Zebresel nichts

So charmant die Geschichte ist, fachlich hat sie einen Haken. Hybride gehören keiner Art an, sie können sich nicht fortpflanzen und tauchen in keinem Erhaltungszuchtprogramm auf. In einem Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages werden Hybridzuchten ausdrücklich als Beispiel für Geburten genannt, die zum Erhalt der Artenvielfalt wenig oder nichts beitragen.

Zugutehalten muss man dem Park, dass ein einzeln gehaltenes Zebra die schlechtere Lösung gewesen wäre. Gesellschaft braucht das Tier, und die gab es in Grabowhöfe eben in Eselform.

Vom DDR-Schweinestall zum Tierpark Grabowhöfe

Der Geburtsort hat selbst eine Vorgeschichte, die man kaum erfinden könnte. Hier stand zu DDR-Zeiten die LPG „Einheit“, eine Schweinemastanlage mit Hunderten Tieren.

Nach der Wende verfiel die Anlage. Der spätere Zoogründer Dirk Longino ersteigerte sie, hielt zunächst Schweine, Friesenpferde und Miniponys, später kamen Lamas, Kängurus und Trampeltiere dazu. Am 2. Juni 2018 öffnete der Tierpark, wie der Park selbst schildert, zum ersten Mal seine Tore.

Heute leben dort mehrere Hundert Tiere in rund 150 Arten, darunter nach Angaben der Tourismusregion die einzige Gruppe von Zebra-Pferd-Mischlingen in Deutschland. Für Berliner Ausflügler liegt Grabowhöfe rund zwei Autostunden nördlich der Stadt.

Namenssuche: Vorschläge per Instagram

Wie das Jungtier heißen soll, sollen die Besucher entscheiden. Vorschläge nimmt der Park per Mail und über seinen Instagram-Account entgegen, eine Frist nannte er nicht.

Streifi und Zebi werden vermutlich vorn liegen. Verdient hätte das seltenste Fohlen Mecklenburg-Vorpommerns etwas Besseres.

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