Die brasilianische Polizei hat die frühere Stadträtin von Rio de Janeiro, Verônica Costa, festgenommen. Die Unternehmerin muss nach einem rechtskräftigen Urteil wegen Folter an ihrem damaligen Ehemann eine Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten antreten. Darüber berichteten der Nachrichtendienst G1 und weitere brasilianische Medien am Donnerstagabend (Ortszeit).
Bekannt wurde Costa lange vor ihrer politischen Karriere unter dem Namen „Mãe Loira do Funk“ – blonde Mutter des Funk. Sie moderierte Sendungen und große Funk-Veranstaltungen des Veranstalters Furacão 2000 und wurde so zu einer bekannten Figur der Musikszene von Rio de Janeiro.
Flucht endet in der Bergregion
Nach Angaben der auf Fahndungen spezialisierten Polizeieinheit Polinter wurde Costa im Ort Vale das Videiras nahe Petrópolis in der Bergregion von Rio aufgespürt. Auf der Flucht habe die frühere Politikerin nach Erkenntnissen der Ermittler mindestens viermal das Fahrzeug gewechselt.
Als flüchtig galt sie, seit Beamte sie am Mittwoch an einer Adresse im Stadtteil Barra da Tijuca nicht angetroffen hatten. Bei derselben Polizeiaktion wurden auch ihr Bruder, ihre Schwester und deren Ehemann festgenommen. Ihr Stiefvater ist laut Polizei weiter auf der Flucht.
Costa saß mit Unterbrechungen fünf Wahlperioden lang im Stadtrat von Rio de Janeiro, zunächst von 2001 bis 2008 und erneut von 2013 bis 2024. Im Laufe ihrer politischen Laufbahn wechselte sie mehrfach die Partei und gehörte unter anderem der ultrarechten PL von Ex-Präsident Jair Bolsonaro an.
Verurteilte spricht von Justizirrtum
Bei ihrer Ankunft in der Polizeizentrale in Rio wies Costa die Vorwürfe zurück. „Ich bin keine Verbrecherin, keine Kriminelle und keine Mörderin. Hier steht eine Frau, der eine Waffe an den Kopf gehalten wurde und die einem Justizirrtum zum Opfer gefallen ist“, sagte sie laut dem Sender TV Globo.
Sie habe die Justiz stets geachtet und sei fassungslos. Sie sei nicht korrupt, sondern habe für die Menschen gearbeitet. Costas Verteidigung hat eine Schuld der Verurteilten stets bestritten und die Beweislage in Zweifel gezogen.
Ex-Mann atmet auf
Ihr früherer Ehemann erklärte in sozialen Netzwerken, er empfinde keine Genugtuung, sondern Erleichterung. „Ich habe zu lange auf diesen Moment gewartet. Es waren Jahre, in denen ich einen Schmerz still ertragen habe, der nicht vergeht“, schrieb er. Mit dem endgültigen Urteil feiere er nicht, er atme nur auf.
Costas Mann hatte im Februar 2011 Anzeige erstattet. Nach seiner Aussage wurde er im gemeinsamen Haus rund 20 Stunden lang gefesselt und geknebelt – auch Angehörige seiner damaligen Frau sollen beteiligt gewesen sein.
Ein Gericht verhängte 2019 zunächst fünf Jahre und zehn Monate Haft. Nach Berufung der Staatsanwaltschaft erhöhte die zweite Strafkammer des Landesgerichts von Rio de Janeiro die Strafe 2023 auf zehn Jahre und acht Monate.
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