Zehn Jahre nach dem rechtsterroristischen Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) haben Politik und Angehörige der Opfer gedacht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte eine entschlossenere Haltung gegen Rassismus an, mehrere Familien der Ermordeten forderten eine vollständige Aufklärung der Tat.
Über Ursachen und Folgen solcher Verbrechen dürfe nicht geschwiegen werden, sagte Steinmeier am Mittwoch bei der Gedenkveranstaltung in München. „Gerade für die Hinterbliebenen und Angehörigen hat es wohl allzu lange gedauert, bis eindeutig und öffentlich der rechtsterroristische Anschlag im OEZ auch als solcher anerkannt worden ist“, sagte der Bundespräsident. Er sprach von einer rassistischen Tat und versicherte den Familien: „Sie sind nicht allein.“ Deutschland sei „ein Land mit Migrationshintergrund“.
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Aigner erinnert an Reihe rechtsextremer Anschläge
Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) stellte den Anschlag in eine Reihe mit den Taten von Oslo und Utøya, Halle und Hanau sowie den NSU-Morden. Es sei wichtig, jeden Tag gegen „Menschenverachtung aller Art“ aufzustehen, sagte Aigner. Den Hinterbliebenen sicherte sie zu, die Opfer und ihre Geschichten nicht zu vergessen. Sie wisse um deren Wut und ihr „Gefühl von Ungerechtigkeit, weil Sie zu schwer kämpfen mussten – für die Wahrheit, für Respekt, für Anerkennung“.
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) machte eine „rechtsextreme, rassistische, antisemitische Ideologie“ für die Tat verantwortlich. Er erinnerte auch an die fünf durch Schüsse schwer verletzten Menschen. Krause fragte: „Warum fällt es unserer Gesellschaft immer wieder so schwer, rechtsextremen Terror als das zu benennen, was er ist?“
Angehörige verlangen Aufklärung
Yasemin Kilic, Mutter des ermordeten Selcuk, sagte, sie warte noch immer darauf, dass ihr Sohn zur Tür hereinkomme. Mehrere Angehörige warfen der Politik vor, den Anschlag lange entpolitisiert und sie bei der Suche nach der Wahrheit nicht unterstützt zu haben. Sie fordern einen Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag. Margareta Zabërgja, Schwester des ermordeten Dijamant, zeigte sich betroffen, dass „heute wieder Menschen in unseren Parlamenten sitzen, die wieder Feindbilder schaffen“.
Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige David S. am OEZ acht Jugendliche und eine Erwachsene erschossen und sich anschließend selbst getötet. Die Opfer hatten unter anderem türkische, griechische und albanische Wurzeln, andere gehörten zur Gruppe der Sinti und Roma. Die Behörden hatten die Tat zunächst als Amoklauf eingestuft; erst 2019 bewertete das bayerische Landeskriminalamt sie als rassistisch motiviert. Zum Tatzeitpunkt um 17.51 Uhr wurde in München mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht, auch der öffentliche Nahverkehr stand für eine Minute still. (mit dpa)
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