Ölhandel

Zentralasien: Russland liefert nicht genug Öl – jetzt springt der Iran ein

Kiews Drohnen treffen Russlands Raffinerien, in Zentralasien wird der Sprit knapp. Davon profitiert ein Land, das selbst unter US-Blockade steht.

5 Min
Bauen ihre Beziehung aus: Tadschikistans Präsident Emomali Rahmon (l.) mit Irans Präsident Massud Peseschkian in Duschanbe. (Symbolbild)

Bauen ihre Beziehung aus: Tadschikistans Präsident Emomali Rahmon (l.) mit Irans Präsident Massud Peseschkian in Duschanbe. (Symbolbild)

© Iranian Presidency/Imago

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine wirkt sich inzwischen auch auf die Treibstoffversorgung in Zentralasien aus. Für die zentralasiatischen Staaten, die bei ihrer Energieversorgung stark von Russland abhängig sind, wird die Lage damit zunehmend unsicherer.

Tadschikistan reagiert darauf mit einer ungewöhnlichen Alternative: Seit Ende August bezieht das Land Öl und Erdölprodukte aus dem Iran. Das bestätigte das tadschikische Energieministerium der Nachrichtenagentur Asia-Plus. Wie viel bereits geliefert wurde, zu welchem Preis und über welche Route, ist bislang nicht bekannt.

Kiew hatte seit Monaten russische Raffinerien mit Drohnen angegriffen. Je nach Schätzung fiel zeitweise ein Sechstel bis ein Drittel der russischen Verarbeitungskapazität aus. Moskau hat die Ausfuhr von Benzin und Diesel beschränkt, in vielen Regionen wird Treibstoff rationiert. Was Russland selbst fehlt, kommt in Zentralasien nicht mehr an.

Noch im ersten Halbjahr 2026 kamen 91,1 Prozent der von Tadschikistan importierten Erdölprodukte aus Russland. Das Land ist bei seiner Treibstoffversorgung damit in hohem Maße von Moskau abhängig. Insgesamt importierte Tadschikistan in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 599.500 Tonnen Erdölprodukte.

Tadschikistan fragt 2,55 Millionen Tonnen Öl im Iran an

Die geopolitische Lage habe die Treibstoffimporte verringert, erklärte Tadschikistans Verkehrsminister Asim Ibrohim im August nach Gesprächen in Teheran. Sein Ministerium bat den Iran um bis zu 2,55 Millionen Tonnen pro Jahr. Zwei Millionen Tonnen davon sollen Rohöl sein, der Rest Diesel, Benzin und Kerosin. Das wäre mehr, als das Land im gesamten Vorjahr an Kraftstoffen einführte. Wie viel bisher geliefert wurde, hat Duschanbe nicht mitgeteilt.

Zudem ist bisher noch unklar, wer das Rohöl verarbeiten soll. Die Raffinerie in Dangara ging 2018 in Betrieb und hat nach einem Bericht der Times of Central Asia nie dauerhaft kommerziell gearbeitet. Ihre erste Ausbaustufe ist auf 500.000 Tonnen Rohöl im Jahr ausgelegt, ein Viertel der angefragten Menge.

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Auch Kirgistan zeigt Interesse

Kirgistan sucht ebenfalls den Kontakt. Das Land bezieht mehr als 90 Prozent seines Benzins aus Russland, im Juni meldeten Händler dort Engpässe. Am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Bischkek sprach Präsident Sadyr Dschaparow Ende August mit seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian über eine gemeinsame Raffinerie. Peseschkian stimmte dem kirgisischen Vorschlag nach Angaben der iranischen Agentur Tasnim im Grundsatz zu. Der Iran könne das Rohöl liefern, die Produkte würden zwischen beiden Ländern geteilt. Beschlossen ist das Projekt damit jedoch noch nicht.

Die Blockade lässt Teheran kaum Alternativen

Dem Iran kommt die Nachfrage gelegen. Seit die USA ihre Seeblockade Mitte Juli wieder in Kraft setzten, gelangte bis Anfang September keine neue Rohölladung mehr durch die Straße von Hormus nach China, wie Reuters unter Berufung auf die Analysefirmen Kpler und Vortexa berichtete. Im August verlud der Iran demnach nur noch bis zu 255.000 Barrel pro Tag, im März waren es rund zwei Millionen. Über die Schattenflotte erreicht zwar weiter iranisches Öl chinesische Abnehmer, die Bestände auf See schrumpfen nach Vortexa-Daten aber. Dem Land bricht eine seiner wichtigsten Devisenquellen weg.

Den Landweg nach Norden erfasst die Seeblockade nicht. Iran grenzt allerdings weder an Tadschikistan noch an Kirgistan. Öl und Treibstoff müssten per Bahn durch Turkmenistan und Usbekistan, sagte Frederic Schneider vom Middle East Council on Global Affairs dem Sender Al Dschasira. Für die angefragte Menge wären nach Angaben des tadschikischen Verkehrsministeriums rund 51.000 Kesselwagen nötig. Duschanbe hat Teheran um Sonderzüge und einen „grünen Korridor“ auf dem iranischen Schienennetz gebeten.

Handelsschiffe ankern in der Straße von Hormus vor dem iranischen Hafen Bandar Abbas. Die US-Seeblockade hat die Ölexporte des Landes einbrechen lassen.

Handelsschiffe ankern in der Straße von Hormus vor dem iranischen Hafen Bandar Abbas. Die US-Seeblockade hat die Ölexporte des Landes einbrechen lassen.

© Behnam Tofighi/Imago

China bleibt Irans wichtigster Ölkunde

Die Größenordnung begrenzt den Nutzen für Teheran. Erfüllte der Iran die gesamte tadschikische Anfrage, entspräche das rund 50.000 Barrel pro Tag. Im August vergangenen Jahres verlud das Land nach Kpler-Daten 1,7 Millionen Barrel täglich. Die Anfrage aus Duschanbe deckt also etwa drei Prozent des früheren Seegeschäfts ab.

Schneider nennt Zentralasien bei Al Dschasira einen nützlichen Absatzweg, der den chinesischen Markt nicht ersetzen könne. Er hält das Geschäft zudem für befristet, weil russischer Treibstoff nach einem Ende der ukrainischen Angriffe zollfrei und billiger in die Region zurückkehre.

Dafür spricht der Druck aus Washington. US-Präsident Donald Trump drängt Kiew seit September, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. In den USA stieg der Dieselpreis nach Daten des Portals GasBuddy im September erstmals über sechs Dollar pro Gallone, knapp zwei Monate vor den Kongresswahlen.

Washington warnt vor Sanktionen

Den Käufern drohen zudem amerikanische Sanktionen. Nach US-Recht können ausländische Firmen und Banken für größere Geschäfte mit iranischem Öl bestraft werden. Wer in diesem Sektor arbeite, trage das Risiko selbst, schrieb ein Beamter des US-Finanzministeriums dem Auslandssender Radio Free Europe/Radio Liberty.

Edward Lemon von der Oxus Society for Central Asian Affairs sagte dem Sender, auch Tadschikistan könne betroffen sein. Der Umfang der Zusammenarbeit sei aber gering. Schneider rechnet mit Maßnahmen gegen einzelne Händler und kleinere Banken. Regierungen der Region werde Washington kaum bestrafen, weil es an deren Rohstoffen interessiert sei.

Wie lange der Iran in Zentralasien gebraucht wird, hängt von den russischen Raffinerien ab. Moskau hat sein Exportverbot für Diesel seit dem Sommer mehrfach verlängert.

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