Der Dirigent Christian Thielemann bleibt offenbar Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Nachdem er im Streit mit dem designierten Generalintendanten Udo Zimmermann schon gekündigt hatte, bald darauf aber immer wieder bedeutungsvoll erklärte, er stünde unter den rechten Bedingungen wieder zur Verfügung, haben die beiden sich nun "in den wesentlichen Punkten geeinigt", wie Zimmermann am Montag gegenüber der Deutschen Presseagentur sagte. "Zwischen Thielemann und mir gibt es keine grundsätzlichen Probleme mehr, die die Vertragsunterzeichnung behindern würden. " Der Vertrag soll in den nächsten 14 Tagen unterschrieben werden. Jetzt seien die Anwälte und Kultursenator Christoph Stölzl am Zuge. "Was ich tun konnte, habe ich getan. " Offenbar will Zimmermann, der im Sommer 2001 als Nachfolger Götz Friedrichs die Leitung der Deutschen Oper übernimmt, seinem neuen GMD tatsächlich weit entgegenkommen. Der "Sächsischen Zeitung" (Dienstagausgabe) sagte er: "Zwar trägt der Intendant die Gesamtverantwortung, aber Thielemann erhält weiter gehende Kompetenzen als üblich. " Auf Grund der Spielpläne, die ursprünglich auf Zimmermanns Favoriten Fabio Luisi abgestimmt waren, werde Thielemann zunächst weniger, aber "ab 2003 viel zu tun haben". Thielemann, der sich zurzeit an der Covent Garden Opera in London aufhält, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.Der Vertrag bedarf noch der Zustimmung der Personalkommission des Berliner Senats, wobei es auch um Gehaltsfragen geht. Zimmermann, der darauf hinweist, glaubt aber nicht, dass der Vertrag noch scheitern wird. Die Personalkommission hatte vor Wochen der Berufung Fabio Luisis widersprochen, den Zimmermann zunächst zum Generalmusikdirektor machen wollte. Grund des Widerspruchs war damals nach allgemeiner Auffassung schon der Wunsch, an Luisis Stelle (Fortsetzung auf Seite 10) (Fortsetzung von Seite 09) Thielemann zu installieren.Gerüchte, er werde nach den Querelen der letzten Zeit sein Amt in der Hauptstadt nicht antreten, bezeichnete Zimmermann als absurd. "Warum soll ich freiwillig gehen? Vorher möchte ich doch mal sehen, ob man die Berliner Szene nicht etwas aufmischen kann", sagte er. Auch der Berliner Kultursenator Christoph Stölzl war am Montag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses Bedenken entgegengetreten, Zimmermann könnte möglicherweise nicht wie geplant im Sommer 2001 sein Amt antreten. Der PDS-Abgeordnete Wolfgang Girnus sagte, Zimmermann werde die Arbeit bereits erschwert, bevor er überhaupt ein Amt angetreten habe. Er sprach in diesem Zusammenhang von "Mobbing" gegen Zimmermann und vertrat die Ansicht, ihm werde eine weitere Zusammenarbeit und ein neuer Vertrag mit Thielemann aufgezwungen. Von "Mobbing" wollte Zimmermann selbst nicht sprechen. "Es war etwas enervierend, das letzte Jahr, ich habe mich über vieles geärgert", sagte er dazu. "Aber das ist jetzt Vergangenheit. Ich muss meine Zeit jetzt auf die Kunst verwenden und kann mich nicht mehr mit Personalfragen beschäftigen. Da waren ein paar Dinge, die nicht so angenehm waren. Das Thema Thielemann ist für mich vom Tisch. Ich muss jetzt an die Arbeit gehen und habe keine Minute mehr für andere Sachen Zeit. " An der Staatsoper ist die Frage nach dem musikalischen Chef noch nicht entschieden. Christoph Stölzl bestätigte im Kulturausschuss, dass Daniel Barenboim in den Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung an der Staatsoper als Rechtsanwalt den PDS-Politiker Gregor Gysi benannt habe. Ohne Ergebnis ist bislang die Arbeit an der Strukturreform der Berliner Opern. Entgegen den Erwartungen legte der Kultursenator am Montag im Kulturausschuss kein Konzept vor. Er musste dafür von allen Fraktionen Kritik einstecken. Stölzl möchte in dem für den 23. Januar anberaumten ersten Gespräch mit dem neuen Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin perspektivisch Lösungen finden.
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