Die durchschnittlichen Zinsen für zehnjähriges Festgeld liegen inzwischen bei 3,22 Prozent – so hoch wie seit 14 Jahren nicht. Zugleich werben Banken und Finanzdienstleister mit zeitweise bis zu 4,5 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox, für die die Konditionen von mehr als 800 Banken und Sparkassen untersucht wurden.
Wer sein Geld für zehn Jahre fest anlegt, kann sich die aktuellen Konditionen langfristig sichern. Allerdings ist das Ersparte während dieser Zeit in der Regel nicht verfügbar. „Zehnjährige Festgelder sind nicht für jeden geeignet“, erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Für Gelder, die zwischenzeitlich sicher nicht benötigt würden, könnten langfristige Anlagen jedoch interessant sein.
Festgeld: Einzelne Banken zahlen mehr als vier Prozent
Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind erheblich. Unter den deutschen Instituten bietet die Badenia Bausparkasse laut Verivox derzeit mit 3,96 Prozent den höchsten Zins für zehnjähriges Festgeld. Bei Banken im europäischen Ausland sind sogar bis zu 4,25 Prozent möglich. Diesen Zinssatz bietet die niederländische Achmea Bank.
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MehrHinter dem Zinsanstieg stehen unter anderem die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie erhöhte ihre Leitzinsen im Juni und September 2026. Der für Banken wichtige Einlagenzins liegt seit Mitte September bei 2,50 Prozent. Hinzu kommen gestiegene Renditen am Anleihemarkt. Weil sich Banken dadurch teurer am Kapitalmarkt refinanzieren müssen, gewinnen die Einlagen ihrer Kunden als Finanzierungsquelle an Bedeutung. Das verstärkt den Wettbewerb um Spargelder.
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Weitere Anbieter zahlen mindestens vier Prozent
Beim Tagesgeld entwickelt sich die Marke von vier Prozent immer mehr zum derzeitigen Marktstandard, schreibt Verivox. Noch Anfang September boten lediglich zwei Banken Zinsen auf oder über dieser Schwelle. Bei Neukundenaktionen überschreiten inzwischen deutlich mehr Anbieter die Vier-Prozent-Marke.
Die höchste Verzinsung bietet laut Verivox derzeit der Onlinebroker XTB mit 4,5 Prozent auf nicht investiertes Guthaben im Depot. Der Aktionszins gilt für Neukunden für maximal 20.000 Euro und für die ersten 90 Tage nach Kontoeröffnung. Voraussetzung ist, dass Kunden in jedem Kalendermonat mindestens eine anrechenbare Aktien- oder ETF-Order aufgeben. Wer diese Bedingung nicht erfüllt, erhält für den betreffenden Monat nur den regulären Zinssatz. Dieser liegt derzeit bei 1,1 Prozent.
An zweiter Stelle steht Revolut mit 4,25 Prozent für bis zu vier Monate und Guthaben bis 25.000 Euro. Voraussetzung ist ein Girokonto bei der Bank. Nach einer 30-tägigen Schonfrist müssen Kunden innerhalb von jeweils 30 Tagen mindestens drei Kartenzahlungen über jeweils mindestens fünf Euro tätigen, um den Aktionszins weiter zu erhalten. Anschließend gilt für Kunden mit kostenfreiem Girokonto ein variabler Standardzins von derzeit 1,25 Prozent.
Diese Banken sind unter den acht, die mindestens vier Prozent bieten
Trading 212 bietet Neukunden 4,2 Prozent für vier Monate und anschließend einen variablen Zins von laut Verivox derzeit 2,8 Prozent. Auch hier handelt es sich um Guthaben auf einem Verrechnungskonto zum Wertpapierdepot. Da ein Teil des Geldes in Geldmarktfonds investiert werden kann, für die keine gesetzliche Einlagensicherung besteht, ist das Angebot nicht mit einem gewöhnlichen Tagesgeldkonto gleichzusetzen.
Bei der französischen Crédit Agricole erhalten Neukunden 4,1 Prozent für vier Monate auf Einlagen bis 25.000 Euro. Danach gilt ein variabler Zinssatz von derzeit 2,5 Prozent. Chase und Openbank bieten jeweils vier Prozent Aktionszinsen für vier Monate. Anschließend gelten nach den aktuellen Produktangaben variable Zinssätze von 2,25 beziehungsweise zwei Prozent.
Bei einer Anlage von 10.000 Euro zum Beispiel erhalten Neukunden mit dem Aktionszins von 4,1 Prozent in den ersten vier Monaten rechnerisch rund 137 Euro Zinsen. Bleibt der anschließende variable Zinssatz von 2,5 Prozent unverändert, kommen in den folgenden acht Monaten weitere 167 Euro hinzu. Insgesamt wären das innerhalb eines Jahres rund 303 Euro Zinsen vor Steuern.
Trotz dieser lukrativen Angebote hat die Mehrheit der von Verivox untersuchten Institute die jüngsten Leitzinserhöhungen der EZB nicht an ihre Tagesgeldkunden weitergegeben. Von insgesamt 816 ausgewerteten Banken und Sparkassen erhöhten seit der ersten EZB-Zinsanhebung im Juni lediglich 283 ihre Bestandskundenzinsen. Bei 197 Instituten erfolgte eine Erhöhung nach dem zweiten Zinsschritt im September.
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