Resilienz

Zivilschutz in Deutschland: Experten warnen vor mangelnder Vorbereitung auf Krisenfälle

Deutschlands Zivilschutz weist Defizite auf. Stromausfälle legen tausende Haushalte lahm. Doch das wahre Ausmaß der Bedrohung ist noch größer.

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Deutschlands Zivilschutz weist nach Experteneinschätzung erhebliche Defizite auf. Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke nahe dem Berliner Kraftwerk Lichterfelde legte Anfang Januar 2026 rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe tagelang lahm.

„Die Maßnahmen im Rahmen des Zivilschutzes wurden sukzessive abgebaut", sagte der Sicherheitsberater Ferdinand Gehringer gegenüber Euronews. Personal, Finanzierung und Ausstattung seien über Jahrzehnte zurückgefahren worden.

Die Bundesregierung bewertet die Bedrohungslage für kritische Infrastruktur als „unvermindert hoch". Als mögliche Akteure nennt sie politisch motivierte Kriminalität sowie Sabotageverdachtsfälle im Zusammenhang mit Russland.

Mobilfunk ohne Notstrom

Viele Mobilfunkmasten verfügen laut Gehringer über keine ausreichende Notstromversorgung. Das Netz breche oft nach 30 bis 45 Minuten zusammen. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin konnte die vollständige Versorgung nach dem Januar-Ausfall erst am 7. Januar wiederherstellen.

Krankenhäuser unvorbereitet

Eine Studie der Deutschen Krankenhausgesellschaft vom Oktober 2025 zeigt: Nur ein Viertel der Kliniken verfügt über Einsatzpläne für den Verteidigungsfall. Der Investitionsbedarf für Schutz vor Cyberangriffen und Sabotage wird auf 2,7 Milliarden Euro beziffert.

Gesetzliche Maßnahmen

Der Bundestag verabschiedete Ende Januar 2026 das KRITIS-Dachgesetz. Betreiber kritischer Anlagen müssen künftig Notstromversorgung garantieren und Zugänge beschränken. Der Bundesrat muss noch zustimmen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt kündigte einen „Pakt für den Bevölkerungsschutz" mit zehn Milliarden Euro bis 2029 an. Geplant sind Investitionen in Fahrzeuge, Kommandozentralen und krisenfesten Digitalfunk.

An mehr als 150 geheimen Standorten lagert der Staat Grundnahrungsmittel für den Notfall. Gehringer bezweifelt jedoch den praktischen Nutzen und fordert stattdessen verzehrfertige Dosenprodukte sowie regelmäßige Krisenübungen nach schwedischem Vorbild.

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