In der gesamten Straße von Hormus sind nach Angaben von US-Präsident Donald Trump Minen geräumt worden. Die Meerenge sei für die Schifffahrt wieder offen, sagte er vor Journalisten im Weißen Haus. Die USA kontrollierten die wichtigste Ölroute der Welt „zu 100 Prozent“.
Gelegentlich lege der Iran noch eine Mine ab, ergänzte Trump. Die werde dann gefunden und unschädlich gemacht. Teheran reagierte zunächst nicht auf die Aussagen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.
Was Trump nicht gesagt hat
Entscheidend ist die Formulierung. Trump sagte nicht, dass alle Minen beseitigt seien, sondern dass geräumt worden sei – und räumte im selben Satz ein, dass weiter Minen dazukommen.
Vizepräsident JD Vance hatte das am Wochenende indirekt bestätigt. Der Iran habe zu Kriegsbeginn eine große Zahl Seeminen verlegt, sagte er. Man arbeite noch daran, überhaupt einen Mechanismus für sichere Schifffahrt einzurichten. Dazu gehören laut Vance die Räumung und Zusagen Teherans, keine Handelsschiffe anzugreifen.
UKMTO stuft Bedrohungslage weiter als ernst ein
Die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt UKMTO bewertete die Lage in der Meerenge noch am Sonntag als ernst. Grund seien Angriffe der Revolutionsgarden auf Handelsschiffe und weitere Schikanen.
Die Verkehrszahlen stützen die Behörde. Vor dem Krieg passierten täglich 125 bis 140 Schiffe die Meerenge. In ruhigeren Phasen kam der Verkehr zuletzt auf rund 40 Schiffe pro Tag, Anfang März waren es an einzelnen Tagen zwei Tanker. Viele Kapitäne schalten inzwischen ihre AIS-Transponder ab, um nicht geortet zu werden.
Wie weit die Darstellungen aus Washington und Teheran auseinanderliegen, hat diese Zeitung in einer Analyse zur Nachrichtenlage rund um die Meerenge aufgeschlüsselt.
Iran nennt Bedingungen und plant Gebühren
Der Nationale Sicherheitsrat des Irans knüpft eine vollständige Öffnung an ein Ende aller US-Drohungen, die Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen, den Abzug der US-Streitkräfte aus der Region und eine vollständige Entschädigung für Kriegsschäden. Das Blatt hat die Liste der iranischen Forderungen am Wochenende dokumentiert.
Parallel bereitet Teheran die Kasse vor. Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte laut iranischen Medien, der Iran erarbeite mit dem Oman Mechanismen zur Sicherheitsüberwachung, zum Umweltschutz und zur Bekämpfung von Kriminalität auf See. Dafür sollten Gebühren erhoben werden. Aus dem Weißen Haus hatte es wenige Tage zuvor geheißen, bei einer Übergangslösung fielen keine Gebühren an.
Geografisch hat Teheran gute Karten. Die Meerenge ist an ihrer engsten Stelle rund 39 Kilometer breit, die Hoheitsgewässer von Iran und Oman überschneiden sich, internationale Gewässer gibt es dort nicht. Ein Abkommensentwurf, über den beide Staaten verhandeln, könnte dem Iran die Kontrolle über einlaufende Schiffe sichern.
Trump wiederum machte Entschädigungszahlungen zur Bedingung für weitere Verhandlungen. Auf Truth Social schrieb er, der Iran solle für jedes Opfer zahlen, dessen Tod oder Verletzung Teheran zu verantworten habe, auch für Tötungen im Libanon, in Syrien, im Jemen und in Gaza. Eine Summe nannte er nicht. Beide Seiten verlangen damit Geld als Vorleistung für Gespräche, die deshalb nicht stattfinden.
Bundesaußenminister Johann Wadephul forderte den Iran nach einem Telefonat mit seinem Amtskollegen Abbas Araghtschi auf der Plattform X auf, die Meerenge bedingungslos zu öffnen.
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Bundeswehr: „Fulda“ und „Mosel“ liegen im Mittelmeer
Deutschland wollte sich an der Sicherung der Passage beteiligen. Das Minenjagdboot „Fulda“ und der Tender „Mosel“ mit rund 140 Soldatinnen und Soldaten an Bord wurden über den Suezkanal verlegt.
Zum Einsatz kam es nicht. Ende Juli teilte das Verteidigungsministerium mit, beide Einheiten würden von Dschibuti ins östliche Mittelmeer zurückverlegt, weil kein zeitnaher Einsatzbeginn absehbar sei. Die deutschen Voraussetzungen – ein nachhaltiges Ende der Kampfhandlungen, eine völkerrechtliche Grundlage und ein Bundestagsmandat – sind bis heute nicht erfüllt. Während Trump die Meerenge für geräumt erklärt, liegen die deutschen Minenjäger also in Wartestellung.
Was das für die Spritpreise bedeutet
Vor dem Krieg lief durch die Straße von Hormus rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs und etwa ein Fünftel des globalen Flüssiggashandels. Am Montag legte die Nordseesorte Brent erneut zu, auf gut 84 US-Dollar je Barrel.
An den Zapfsäulen schlägt das durch. Der ADAC weist für die vergangene Woche im bundesweiten Durchschnitt 2,128 Euro je Liter Super E10 und 2,204 Euro je Liter Diesel aus. Der April 2026 war der teuerste Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Automobilclub hält die aktuellen Preise gemessen am zuletzt gesunkenen Ölpreis für zu hoch, vor allem beim Diesel.
Solange Washington und Teheran über Minen, Gebühren und Entschädigungen streiten, bleibt das Risiko eingepreist. Trumps Satz beschreibt eine Meerenge, die auf dem Papier offen ist und auf der Seekarte weitgehend leer bleibt.
Wie es dazu kam, zeichnet unser Überblick zum Iran-Krieg nach.
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