Manchmal werden Lebenswerkpreise sehr früh vergeben. Dann fragt die ausgezeichnete Person: Wie zeige ich das, was da noch kommt? Im Falle von Annekathrin Bürger aber werden sich erfahrene Theatergänger und Kinozuschauer, vielleicht auch die Preisträgerin selbst, fragen: Jetzt erst?
Annekathrin Bürger wird am Freitag mit dem Preis der Defa-Stiftung für ihr künstlerisches Lebenswerk ausgezeichnet; sie wird geehrt als „eine herausragende Künstlerpersönlichkeit, die Haltung und Kunst auf einzigartige Weise verbindet“.
Sie sang für Walter Janka
Beim Stichwort Haltung sei an ihren Auftritt auf der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz erinnert. Sie sang das Lied „Worte eines politischen Gefangenen an Stalin“ und widmete es Walter Janka, dem Leiter des Aufbau-Verlags, der in der DDR politischer Gefangener war und nicht darüber sprechen durfte.
Für die Hunderttausenden vor sich war Annekathrin Bürger eine gute Vertraute, bekannt aus Defa-Filmen, Fernsehauftritten und vom Theater. Sie hat ihre Prominenz oft genutzt, um sich für andere einzusetzen, sie betrieb einen Verein für russische Waisenkinder, engagierte sich für das Gründerzeitmuseum von Charlotte von Mahlsdorf in Berlin und die barocke Fassade eines Hauses in Dresden.
Annekathrin Bürger im Jahr 1964
© Imago
1937 in Berlin als Tochter einer Ballerina und eines Kabarettisten und Tierzeichners geboren, bleibt sie nach der Trennung der Eltern beim Vater. Sie scheitert im ersten Versuch bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Berlin wie auch beim Casting für den Defa-Spielfilm „Eine Berliner Romanze“ – bekommt dann aber doch die Hauptrolle. Danach klappt es auch mit dem Studienplatz für Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg.
Zu ihren wichtigsten Kino-Arbeiten zählen Kurt Maetzigs „Septemberliebe“ (1960), Frank Beyers „Königskinder“ (1962), die Indianerfilme „Tödlicher Irrtum“ (1969) und „Tecumseh“ (1972), Furore machte der von ihrem Ehemann Rolf Römer inszenierte Film „Hostess“ (1975). Annekathrin Bürger gehört zudem von 1999 bis 2006 zum „Tatort“-Team von Peter Sodann, hat 2017 im Eiskunstlauf-Drama „Die Anfängerin“ noch einen Kino-Auftritt. Nach dem Tod ihres Mannes zieht sie 2022 aus Berlin weg und wohnt nun bei der Familie ihres Bruders in Dessau.
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MehrIn ihrer alten Heimatstadt erhält sie jetzt die Ehrung fürs Lebenswerk. Die Defa-Stiftung vergibt am Freitag auch einen Preis für herausragende Leistungen im deutschen Film und einen Förderpreis für junges Kino, über die beide erst dann informiert wird.
4. November 1989: Tage, die die Welt veränderten
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