Gehaltsvergleich

„Dürfte mehr sein“: SBB-Zugbegleiterin verdient 4770 Euro im Monat – ohne Zuschläge

Eine SBB-Zugbegleiterin verdient bei einem 80-Prozent-Pensum rund 4770 Euro brutto im Monat – ohne Zuschläge. Trotzdem sagt die 27-Jährige: Für diese Verantwortung dürfte ihr Gehalt höher sein.

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Eine Zugbegleiterin bei der Abfertigung eines Zuges.

Eine Zugbegleiterin bei der Abfertigung eines Zuges.

© Christoph Schmidt/dpa

Fast 5000 Euro brutto im Monat, und das bei einer 80-Prozent-Stelle: Die Schweizer Zugbegleiterin Cheyenne Wüthrich hat im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger offen über ihr Gehalt gesprochen. Die 27-Jährige arbeitet als Kundenbegleiterin bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und verdient nach eigenen Angaben rund 4400 Franken im Monat. Umgerechnet sind das etwa 4770 Euro. Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit kommen noch dazu.

Trotzdem findet Wüthrich, dass ihr Beruf besser bezahlt werden könnte. Ihr Lohn sei grundsätzlich fair, sagte sie dem Tages-Anzeiger. „Angesichts gewisser Risiken und der Verantwortung, die wir tragen, dürfte es aber etwas mehr sein.“

Fast 5000 Euro bei 80 Prozent

Die Zahl fällt besonders auf, weil das Gehalt deutlich über dem liegt, was Zugbegleiter in Deutschland im Schnitt verdienen. Nach Angaben von Kununu liegt das durchschnittliche Jahresgehalt von Zugbegleitern bei der Deutschen Bahn bei rund 35.600 Euro brutto. Stepstone nennt für Zugbegleiter in Deutschland ein überdurchschnittliches Gehalt von etwa 41.300 Euro im Jahr.

Wüthrich kommt bei den SBB nach eigenen Angaben auf rund 57.000 Franken brutto im Jahr – umgerechnet etwa 61.000 Euro – und das bei reduziertem Pensum. Bei Vollzeit arbeitet man in ihrem Beruf laut Tages-Anzeiger 42 Stunden pro Woche, ihre Schichten dauern meist acht bis zehn Stunden.

Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in der Schweiz deutlich höher als in Deutschland. Nach internationalen Preisvergleichen liegt das Preisniveau dort je nach Berechnung rund 40 bis 50 Prozent über dem deutschen Niveau.

„Ich entscheide mit, ob ein Zug fährt“

Dass Wüthrich mehr Lohn für gerechtfertigt hält, begründet sie mit der Verantwortung ihres Jobs. Ihre Arbeit bestehe nicht nur aus Fahrkartenkontrollen. Sie gebe Auskünfte, bilde Berufseinsteiger aus und treffe im Alltag auch sicherheitsrelevante Entscheidungen.

„Ich entscheide mit, ob ein Zug fährt oder nicht“, sagte sie dem Tages-Anzeiger. Im vergangenen Frühjahr stoppte sie demnach in Bellinzona einen Zug, nachdem das Kühlsystem ausgefallen war. Weil viele ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern an Bord waren, hielt sie eine Fahrt durch den warmen Gotthard-Tunnel für nicht vertretbar.

Aggressive Fahrgäste bei Kontrollen

Zu ihrem Alltag gehören auch schwierige Situationen mit Fahrgästen. Besonders bei Ticketkontrollen komme es immer wieder zu aggressivem Verhalten. Die Zahl der Zwischenfälle sei zwar stabil, sagte Wüthrich. Die Intensität habe aber zugenommen.

In Nachtzügen sind SBB-Kundenbegleiter deshalb nach ihren Angaben meist zu zweit unterwegs. Für Notfälle gebe es einen Alarmknopf am Diensthandy, zudem könne die Polizei hinzugezogen werden.

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Sparsam trotz gutem Gehalt

Privat lebt Wüthrich nach eigenen Angaben eher zurückhaltend. Sie kaufe Kleidung häufig gebraucht, überlege größere Anschaffungen lange und spare regelmäßig Geld für ihr Kind. Ihr vorsichtiger Umgang mit Geld erspare ihr Sorgen, sagte sie dem Tages-Anzeiger.

Trotz Belastungen und Schichtdienst will die 27-Jährige ihren Beruf weiter ausüben. Die Arbeit sei abwechslungsreich, der Kontakt mit Menschen gefalle ihr. Aufhören würde sie wohl selbst dann nicht, wenn sie finanziell nicht darauf angewiesen wäre.

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