Zum 300-jährigen Jubiläum von Charlottenburg gibt es zwei große Feste: Das eine kostet Eintritt, das andere ist frei

Die Venus und der Charlottenburger

Claudia Fuchs
5 Min

CHARLOTTENBURG. Anfang der Woche waren im Schlosspark Charlottenburg seltsam aussehende Frauen zu beobachten. Fast nackt und weiß getüncht posierten sie für die Kamera, reckten die Arme in die Höhe und senkten anmutig das Kinn. - Die Darbietung war ein Vorgeschmack auf das, was sich am ersten Juli-Wochenende auf der Luiseninsel im Schlosspark abspielen wird. Während des dreitägigen Schlossgartenfestes wird dort das Gemälde "Einschiffung nach Kythera" nachgestellt. Mit einem Casting wurde die Darstellerin der Venus gesucht und gefunden. Sandra Zschocher (25) Psychologie-Studentin aus Dresden, 1,75 Meter groß und ausgebildete Balletttänzerin wird nun als lebende Statue die Göttin der Liebe spielen.Das Originalgemälde, 1717 von Antoine Watteau (1684-1721) geschaffen, zeigt die Abreise der höfischen Gesellschaft zur Insel der Aphrodite. Es gilt als teuerstes Gemälde Berlins. Seit einigen Jahren hängt es im Schloss Charlottenburg. Der Kaufpreis für das berühmte Rokokobild aus dem Besitz der Hohenzollern betrug 7,7 Millionen Euro. Die Stiftung Deutsche Klassenlotterie steuerte 2,6 Millionen Euro bei.Das lebendige Gemälde ist nur einer der Höhepunkte des Schlossgartenfestes anlässlich des 300. Geburtstages von Charlottenburg. Das Fest, versprechen die Veranstalter von der Deutschen Entertainment AG (DEAG), werde die barocke Festkultur wieder auferstehen lassen. "So eine Feier hat es vorher noch nie gegeben", sagt Peter Schwenkow von der DEAG.Erstmals wird im Schlosspark eine Prozessions-Oper mit mehr als 70 Mitwirkenden aufgeführt, in deren Mittelpunkt die kunstsinnige Preußenkönigin Sophie Charlotte steht. Malerei aus ihrer Zeit wird ebenso vorgestellt wie Literatur, Philosophie, Technik und Wissenschaft. Und natürlich sollen sich die Gäste auch laben: Unter anderem wird eine 30 Quadratmeter große Obsttafel aufgebaut - die Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde finden soll. Damit der Schlosspark nicht allzu voll wird, ist der Einlass beschränkt auf maximal 8 000 Menschen pro Tag.Weitaus mehr Besucher, nämlich 100 000 bis 150 000 pro Tag, erwarten das Werbeteam Berlin, das im Auftrag des Bezirksamtes auch ein Fest zum Jubiläum organisiert. Es findet bereits an diesem Wochenende statt. Anders als das Schlossgartenfest soll das Jubiläumsfest ein Fest für alle sein. Es findet vor dem Schloss und auf der Schlossstraße statt. Rund 300 Partner sind beteiligt. Theater- und Kultureinrichtungen, Soziokulturelle Vereine, Kunsthandwerker, Gastronomen, Sportvereine, Verbände. Zwischen Luisen- und Klausenerplatz werden mehr als hundert Stände aufgebaut. Am Sonnabend spendiert die Firma Wall dem Bezirk ein Feuerwerk. Ein anderes Geschenk wurde bereits vor einer Woche übergeben. Jede Nacht erstrahlen die Schlossfassade und das Denkmal des Großen Kurfürsten im Glanz hunderter Lampen - ermöglicht von der Stiftung City Berlin.Bei diesem Fest wird nun endlich das Geheimnis um den Charlottenburger gelüftet, der nach einem Beschluss der Bezirksverordneten zum Jubiläum verkauft werden soll. Es ist weder Fleischklops noch Gebäck. Der Charlottenburger ist das Umhängetuch, in dem Zimmermannsgesellen auf ihrer Wanderschaft ihr Bündel mit sich tragen.------------------------------17. bis 19. Juni: Das große JubiläumsfestVor der historischen Kulisse von Schloss Charlottenburg und auf der benachbarten Schlossstraße feiert der Bezirk vom 17. bis 19. Juni gemeinsam mit vielen Freunden und Institutionen das offizielle Jubiläumsfest 300 Jahre Charlottenburg. Präsentiert wird laut Veranstalter die typische Charlottenburger Mischung: quirlig, stylisch, unternehmungslustig, frisch und abwechslungsreich... Schirmherr des Festes ist der britische Botschafter Seine Exzellenz Sir Peter Torry.Auf fünf Bühnen werden 1 810 Personen in hundert Aufführungen auftreten, darunter Stars in Concert, das Schlossparktheater, das Kabarett "Die Stachelschweine", die Deutsche Oper Berlin.Auch benachbarte Museen und das Schloss Charlottenburg zeigen ihre Ausstellungen, einige von ihnen haben am Sonnabend bis Mitternacht geöffnet, zum Beispiel das Heimatmuseum Charlottenburg, das Schloss Charlottenburg und die Villa Oppenheim.Gefeiert wird am Freitag von 15-23 Uhr, am Sonnabend von 11-24 Uhr und am Sonntag von 11-21 Uhr. Der Eintritt ist frei.Gesperrt sind während des Festes die Schlossstraße sowie der Spandauer Damm zwischen Klausener- und Luisenplatz.------------------------------1.-3. Juli: Ein Fest für Sophie CharlotteMit der Einweihung der damaligen Lietzenburg, dem heutigen Schloss Charlottenburg, begründete die kunstsinnige Königin Sophie Charlotte am 11. Juli 1699 eine ausgeprägte Fest- und Hofkultur. Für drei Tage soll die Tradition der barocken Festkultur wieder auferstehen: mit Maskerade und Schauspiel, mit Musik und Literatur, mit Tänzen und festlichen Gelagen. Das Programm ist an allen drei Tagen identisch. Insge- samt wirken 300 Künstler auf 20 Bühnen mit.Vom 1. bis 3. Juli wird ein festlich geschmückter Schlossgarten die Besucher in die Welt des Barock entführen. Der Schlosspark wird dazu in sieben Bereiche aufgeteilt.Die Promenade ist erfüllt von barocken Klängen. Fanfaren begrüßen die Gäste und begleiten sie auf ihrer Reise zum Fest der Lüste.Die Akademie widmet sich der Kunst, der Literatur, Philosophie, Technik und Wissenschaft. Leibniz und Spinoza proklamieren die barocke Philosophie. Literarische Figuren wie Don Quijote und Ännchen von Tharau werden zum Leben erweckt.In der Gartenmitte erwartet die Gäste eine besondere Kunstform der damaligen Zeit. Als lebendes Bild wird auf der Luiseninsel die "Einschiffung nach Kythera", eines der berühmtesten Kunstwerke des Charlottenburger Schlosses inszeniert.In Schlaraffenland und Arkadien wird nicht nur gegessen und getrunken, es wird genossen. Kulinarische Sinneslust wird begleitet von Pantomime und MaskeradeIm Osmanischen Reich lauschen die Gäste bei türkischem Tee und Spezialitäten geheimnisvollen Märchenerzählern und bewundern die Bewegungen der Bauchtänzerinnen.Im Barock Parterre wird Henry Purcells Barockoper "Die Feenkönigin" mit 70 Mitwirkenden aufgeführt.Gefeiert wird am Freitag und Sonnabend von 17-22 Uhr, am Sonntag (Familientag) von 13-18 Uhr. Eintritt ist nur mit Tickets möglich. Sie kosten Fr/Sa jeweils 35 Euro, Sonntag 30 Euro und 15 Euro für Kinder bis 18 Jahren, unter sechs Jahren frei. Tickets gibt es unter der Hotline 01805-33 24 33, an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder im Internet unterwww.charlottenburger-schlossgartenfest.de------------------------------Karte: Lageplan------------------------------Foto: Schloss Charlottenburg im Festtagsglanz: 352 Strahler illuminieren das historische Wahrzeichen des Bezirks.------------------------------Foto: Casting für die Wahl der Venus: Eine dieser weißgeschminkten Schönen wird während des Festes auftreten.

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