Mit Ablösesummen im Fußball ist das in der heutigen Zeit so eine Sache. Weil beispielsweise in der englischen Premier League astronomische Summen aus dem Verkauf von TV-Übertragungsrechten erzielt werden, ist die Verhältnismäßigkeit von Ablösebeträgen für Spieler längst außer Kontrolle geraten. Uli Hoeneß, Ehrenpräsident vom deutschen Branchenprimus FC Bayern, nannte die Geschehnisse auf dem internationalen Transfermarkt im vergangenen Sommer „völlig gaga“. Und auch in diesem Jahr sorgen die Klubs von der Insel wieder für Kopfschütteln im Rest der Welt.
Das aktuellste Beispiel betrifft ganz direkt auch den 1. FC Union Berlin. Bei den Köpenickern hat sich Ilyas Ansah vor allem zum Start der abgelaufenen Bundesliga-Saison in ein größeres Blickfeld gespielt. Gleich bei seinem Liga-Debüt traf er beim 2:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart doppelt, immerhin noch drei weitere Treffer gelangen ihm später.
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Ansah erlebte das, was ein junger Spieler in seinem ersten Jahr auf großer Bühne fast immer durchmacht: Euphorie, aber auch ein Tal, aus dem es sich herauszuarbeiten gilt. Es wäre wahnsinnig spannend, wie sich der 21-Jährige in seiner zweiten Saison behaupten und entwickeln würde. Doch dazu kommt es womöglich nicht.
Der letzte Jubel im Union-Trikot? Am Sonntag feierte Ilyas Ansah mit den Köpenickern in Braunschweig den Einzug in die nächste Pokalrunde.
© IMAGO/Sven Heidmann
Hull City, vor wenigen Monaten erst als Aufsteiger in die Premier League zurückgekehrt, bietet Union für Ansah eine Summe, mit der der deutsche U21-Nationalspieler zum teuersten Abgang der Vereinsgeschichte aufsteigen würde. Und das nach gerade einmal einem (durchwachsenen!) Jahr. „Völlig gaga“, würde nicht nur Uli Hoeneß vermutlich auch an dieser Stelle sagen.
Ilyas Ansah ist bei den Eisernen gerade offensiv der Spieler, dem in der näheren Zukunft der größte Entwicklungsschritt zuzutrauen ist. Der Youngster brachte vor einem Jahr bei der Verpflichtung vom damaligen Zweitligisten SC Paderborn schon ein Profil mit, das er erst unter Steffen Baumgart und nun unter dessen Nachfolger Mauro Lustrinelli weiter geschärft hat. Der neue Trainer machte im Lauf der Vorbereitung keinen Hehl daraus, dass er fest mit Ansah plant. Im 4-2-2-2-System des Schweizers entweder auf einer der beiden Außenpositionen oder in vorderster Front als Teil der Doppelspitze.
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Es gibt allerdings Gelegenheiten, die so oder zumindest ganz ähnlich nicht mehr wiederkommen. Eine Garantie darauf, dass Ansah wirklich den erhofften Sprung schafft und auch im nächsten Sommer noch derart interessant für andere Vereine ist, gibt es nicht. Eine Ablöse etwas über 20 Millionen Euro – über die genaue Aufteilung zwischen Festbetrag und erfolgsabhängigen Boni verhandeln beide Vereine gerade – ist für Union ein Sechser im Lotto.
Mit einem cleveren Scouting und einer konkreten Idee, mit welchem Spielertyp Ansah ersetzt werden kann, könnte Union und Manager Horst Heldt auf den letzten Metern des diesjährigen Transfersommers ein echter Coup gelingen, ohne die Mannschaft spürbar zu schwächen. Ganz zu schweigen davon, dass Ilyas Ansah bereits betont hat, den Sprung nach England jetzt sofort wagen zu wollen. Die Sachlage ist in diesem Fall klar: Nehmen Sie das Geld, Herr Heldt!
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