MÜNCHEN. Der Fußballspieler Christian Nerlinger war einer, den man Musterprofi nannte, ein fleißiger, zurückhaltender, aber auch talentierter Typ; einer, den man mögen musste. Ob der Fußballmanager Christian Nerlinger einmal ein Mustermanager sein wird, ist noch nicht zu beurteilen, aber er hat gut angefangen: und zwar schon vor Vertragsbeginn. Es gibt schließlich viel zu tun. Nerlinger ist der neue Manager für das Aufgabengebiet Sport beim FC Bayern und also eine Art halber Uli Hoeneß, sie haben zudem einen neuen Trainer, und ein neuer Trainer bedeutet viel Arbeit für den Manager.Louis van Gaal bringt neue Ideen mit, neue Vorstellungen, neue Spieler auch: Sechs Zugänge haben die Münchner bislang verpflichtet, ein Ausgeliehener kehrt zurück, zwei Nachwuchskräfte wurden in den Profikader befördert, vier Spieler haben den Klub verlassen. Ein wenig scheint es, als versuche der FC Bayern, was er schon vor einem Jahr mit Jürgen Klinsmann versuchte: sich neu zu erfinden. Diesen Mittwoch um 10.30 Uhr werden 24 Spieler ihre Arbeit beim FC Bayern aufnehmen - lediglich Lúcio und Luca Toni fehlen, beiden wurde ein Urlaub von zweieinhalb Wochen zugesichert, beginnend mit dem Tag des Ausscheidens im Confederations Cup. Toni wird also Mitte kommender Woche nach München zurückkehren, Lúcio eine Woche später - voraussichtlich. Es gibt immer viele Gerüchte im Fußball, wenn der Spielbetrieb Pause macht, selten aber gab es so viele wie beim FC Bayern im Sommer 2009. Was bleibt, ist ein dickes Bündel Fragezeichen.Fragezeichen RibéryFranck Ribéry zum Beispiel: Der französische Filigrandribbler wird seit Wochen nahezu täglich mit Real Madrid in Verbindung gebracht, neuerdings auch mit dem FC Arsenal. Die Bayern haben stets betont, dass sie Ribéry nicht hergeben wollen, was entweder als Tatsache oder als Preistreiberei bewertet werden kann. Das Fragezeichen hinter Ribéry ist das wichtigste: Von ihm hängt vieles in der weiteren Personalplanung ab.In neue Spieler haben die Münchner schon knapp 50 Millionen Euro investiert - sie geraten dadurch noch lange nicht in finanzielle Bedrängnis, aber Uli Hoeneß ist ein Fan von Sicherheit. Weitere Großinvestitionen (z. B. José Bosingwa/FC Chelsea) müssten also mit neuen Posten auf der Einnahmenseite einhergehen. Kandidaten dafür wären in Fülle vorhanden: Mit 26 Mann hält Christian Nerlinger den Kader für "zu groß für ein vernünftiges Training", weshalb für Christian Lell, Andreas Ottl, José Sosa, Breno und Tim Borowski neue Arbeitgeber gesucht werden, außerdem ist Lúcios Zukunft fraglich. Borowski steht offenbar kurz vor einer Rückkehr zu Werder Bremen, auch Lúcio soll in den Planungen van Gaals keine größere Rolle mehr spielen. Der egomanisch angehauchte Brasilianer wertet das als schweren persönlichen Affront.Der Italiener Luca Toni dagegen überraschte am Dienstag via Bild-Zeitung mit einem Bekenntnis zum FC Bayern: "Meinen Fans verspreche ich: Ich bleibe dem FC Bayern treu! Ich werde noch härter trainieren, noch mehr Einsatz und Leistung zeigen." Was nicht heißen muss, dass Toni im Falle eines passenden Angebots nicht doch geht. Die WM 2010 ist sein großes Ziel, das er auf der Ersatzbank in München wohl kaum erreichen dürfte. Weil auch die Torhüterdebatte (Rensing? Butt? Neuer?) so schnell nicht verstummen wird, ist der Wunsch des Vorstands, nach der bisweilen allzu aufregenden Klinsmann-Saison etwas mehr Ruhe zu bekommen, zunächst wohl kaum realisierbar.Wobei: Ruhe und der FC Bayern München, das ist ohnehin eine utopische Verbindung. Am Dienstag verkündete das DSF stolz, man werde am Mittwochvormittag das erste Training des FC Bayern übertragen. Live.------------------------------Foto: Oans, zwoa, gsuffa: Das passende Getränk hat Louis van Gaal in München schon gefunden, an der passenden Mannschaft bastelt er noch.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]