Zum wirklich allerletzten Mal treten Schmidt & Pocher heute in ihrer gemeinsamen Show auf

Ein Glück, es ist vorbei

Ralf Mielke
3 Min

Harald Schmidt hat kürzlich verraten, wie es auf den Redaktionssitzungen von "Schmidt & Pocher" so zugegangen ist. Wenn Pocher genervt habe, sei ihm, Schmidt, gelegentlich ein "Halt die Fresse" entfahren. Das sei aber völlig okay gewesen, meinte er.Man darf sich nun einerseits fragen, ob Ton und Wortwahl schon unter Mobbing fallen oder ob so etwas normal ist im sogenannten Showbusiness, das, siehe Schmidt und Pocher, seine Leute mehr als gut ernährt, und andererseits, was demütigender ist: dass Schmidt seinen Kompagnon hinter verschlossenen Türen anschnauzte oder dass er es jetzt öffentlich machte. Wahrscheinlich trifft zu, dass das auch zum Showbusiness gehört, das von seinen Akteuren oft ein ordentliches Maß an Demut verlangt. Von Pocher jedenfalls ist kein böses Wort über Schmidt zu hören. Anders als einst Joschka Fischer als Minister unter Schröder weiß er genau, wer bei Schmidt & Pocher Koch und wer Kellner war. Zwar überließ Schmidt dem Jüngeren in der Sendung stets den Vortritt. Die ersten Minuten durfte Pocher stets allein auftreten. Doch dadurch wurde der Qualitäts- und Mentalitätsunterschied zwischen ihnen nur umso deutlicher.Heute ist das Duo mit einem Best-of ein letztes Mal gemeinsam in der ARD zu sehen. Es war ein langer Abschied. Eigentlich hat er schon im Dezember begonnen, als der Produzent der Sendung nur wenige Wochen, nachdem die Show aus der Sommerpause zurückgekehrt war, verkündete, Schmidt werde künftig wieder alleine auftreten. Das Duo reize sein Potenzial nicht aus. Das war nicht freundlich, aber man konnte es immerhin so verstehen, dass die beiden Potenzial gehabt hätten. Viele Kritiker bestritten das von Anfang an.Am Anfang stand die Idee der ARD, mit Pocher ein jüngeres Publikum ansprechen zu können. Die Rechnung ging nur teilweise auf, zwar schalteten mehr Junge, also 14- bis 49-Jährige, ein als vorher bei Schmidt allein, die Zahl der Zuschauer stieg insgesamt aber nur leicht. Die zweite Staffel wollten durchschnittlich 1,25 Millionen Menschen sehen, fast 200 000 weniger als die Folgen 2007/2008. Das entspricht einem dürftigen Marktanteil von nicht einmal neun Prozent.Ohnehin fanden die Sendungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - oder jedenfalls ohne wirkliche öffentliche Anteilnahme. Abgesehen von dem einen oder anderen Skandälchen - das Nazometer, Pocher als Stauffenberg -, das gelegentlich empfindsame ARD-Rundfunkräte reflexhaft auf den Plan rief, ist nicht viel mehr hängen geblieben aus den 41 Sendungen "Schmidt & Pocher" in anderthalb Jahren.Demnächst heißt es für die zwei nicht mehr mit-, sondern gegeneinander. Schmidt wird nach der Sommerpause in der ARD weitermachen. Er soll politischer werden. Pocher bekommt auf Sat.1 im Herbst eine eigene Latenight-Show.Vielleicht war es so gesehen gar nicht schlecht, dass die ARD das Experiment mit beiden gewagt hat. Aber ganz sicher ist es gut, dass es jetzt vorbei ist.------------------------------Foto: Pocher & Schmidt: Nicht einmal zwei Jahre haben sie es miteinander ausgehalten.------------------------------Foto: Die Rapperin Lady Bitch Ray brachte ein Döschen Vaginalsekret mit - und die Gastgeber durcheinander.------------------------------Foto: Darf der das? Oliver Pocher als Hitler-Attentäter Stauffenberg.

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