Diesmal fing es nicht in der Nase an, sondern im Hals. Er kratzte morgens. Ich fühlte mich ansonsten gesund und ging eine Runde laufen. Manchmal habe ich auch Allergien. Am Nachmittag fühlte ich mich müde. Als mein Hals am nächsten Tag gerötet und ich immer noch müde war, machte ich einen Corona-Schnelltest. Er war negativ. Am Abend bekam ich Fieber. Am nächsten Tag, immer noch Fieber, machte ich noch einen Schnelltest. Wieder negativ.
Es wird wohl irgendein anderes Virus sein, dachte ich, und legte mich im Wohnzimmer auf den Fußboden, dorthin, wo am meisten Luft durch die Wohnung zog. In Berlin waren fast 37 Grad, in meinem Körper fast 38, mir dröhnte der Kopf. Zwei Tage später waren Halsweh, Kopfweh und Fieber weg, ich fühlte mich wieder gut genug, um zur Arbeit zu gehen. Dort machte ich sicherheitshalber noch einen Schnelltest. Er war positiv.
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Ich fuhr wieder nach Hause. Konnte ich diesen Schnelltests noch trauen? Als ich das erste Mal mit dem Virus infiziert war, im November, hatte der Test beim ersten Symptom, damals meiner verstopften Nase, angeschlagen. Als es mir besser ging, wurden die roten Streifen, die eine Infektion anzeigen, heller. Nach 14 Tagen erschien kein zweiter roter Streifen mehr.
Es geht besser, und dann wird der Corona-Test positiv
Jetzt war es andersherum. Mein Hausarzt sagte, genau das sehe er „zurzeit massenhaft“. Die Leute haben Symptome, der Test ist negativ. Es geht ihnen besser, der Test wird positiv.
Ein Bekannter wies mich darauf hin, dass Michael Mina, der Harvard-Epidemiologe, der in der Pandemie als eine Art Schnelltest-Guru gilt, das Phänomen so erklärt: Das Immunsystem sei nach zwei bis drei Impfungen, oder Impfungen und Infektionen, sehr schnell darin, kleinste Mengen des Virus zu erkennen. Man spüre die Abwehr in Form von Entzündungen oder Fieber, bevor die Virusmenge reiche, um vom Test erkannt zu werden.
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Das war das Erste, was ich durch die neue Infektion lernte: Immer weitertesten, wenn man wissen will, ob’s wieder Corona war. Immerhin bin ich nicht die Einzige, der das passiert, auch das lernte ich. In Großbritannien, wo anders als in Deutschland ständig Daten zur Pandemie erhoben werden, ist jede dritte Infektion inzwischen eine Reinfektion.
Impfung oder Infekt: alle sechs Monate ist es wohl so weit
Die dritte Erkenntnis macht mir schlechte Laune. Ich nenne sie in meinem Kopf die Sechs-Monats-Frist. Im Juni vor einem Jahr wurde ich zum zweiten Mal gegen Corona geimpft, man ging noch davon aus, dass das reichen dürfte, um die Infektion nicht zu bekommen. Fünf Monate später bekam ich sie. Kurz darauf wurde eine dritte Impfung empfohlen, aber wenn man Corona gehabt hatte, könne man verzichten, hieß es. Die Infektion sei wie ein natürlicher Booster. Ich rief die Chefin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie an, weil ich sichergehen wollte, ob das stimmt. Es war auch ihr Wissensstand.
Für ein halbes Jahr sei ich wohl vor einer weiteren Infektion geschützt, sagte sie damals. Dann könne ich über eine dritte Impfung nachdenken. Ich holte sieben Monate raus, bis es mich wieder erwischte. Wahrscheinlich BA.5, das besonders ansteckende Omikron. Die Varianten-Variante, die auch Genesene reihenweise befällt.
Mein Verlauf war jedes Mal erträglich, aber ich hatte vor der Pandemie jahrelang keinen Infekt mit Fieber. Nun schaffe ich kaum, diesem Virus länger als ein halbes Jahr zu entgehen. Oder einer weiteren Impfung. Ein paar meiner Freunde lagen nach dem Booster flach wie ich nach BA.5. Spätestens im Januar ist es bei mir dann wohl wieder so weit. Mit dem einen oder anderen.
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