Sie war als größte Fahrraddemo der Welt angekündigt - und sie wurde es auch: 250 000 Radfahrer beteiligten sich am Sonntag an der 28. Fahrrad-Sternfahrt durch Berlin, die auf 16 Routen zum Großen Stern in den Tiergarten führte. Diese Zahl nannte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). "Das waren mehr als doppelt so viele Teilnehmer wie vergangenes Jahr", sagte Benno Koch, Fahrradbeauftragter des Senats und Landes-Chef des ADFC, nach der Demonstration. "Wir sind absolut glücklich." 2003 waren 100 000 Radler zur Sternfahrt gekommen. Die ersten Radfahrer waren bereits um acht Uhr gestartet - weit vor den Toren Berlins, am Bahnhof Eberswalde. Von weiteren 15 Stationen starteten dann bis elf Uhr weitere Radlergruppen, die sich auf ihren insgesamt 750 Kilometer langen Wegen durch die Stadt zu einem endlos wirkenden Fahrrad-Zug vereinigten. Die Tour war zeitlich exakt abgestimmt. Quer durch das Stadtgebiet waren 75 Treffpunkte vereinbart, die alle an U- oder S-Bahnhöfen lagen und von denen die Weiterfahrt auf die Minute genau festgelegt worden war. Weil einige Gruppen zu schnell waren, kam es hin und wieder zu Wartezeiten - zum Beispiel am S-Bahnhof Pankow, wo der Tross 15 Minuten zu früh eingetroffen war. Die Radfahrer nahmen die Zwangspause gelassen: Sie aßen, tranken oder bestaunten die Räder der anderen - Hollandräder, Rennräder, Räder mit Anhängern, Tandems, Kinderräder. Auf der Route durch Schöneberg war sogar ein Konferenz-Rad unterwegs, das von fünf im Kreis sitzenden Radfahrern angetrieben wurde. Die riesige Demonstration, die leise durch die Stadt zog, fand am "European Bike Day" statt und stand unter dem Motto "Berlin fährt Rad - Respekt für Radler". "Berlin soll fahrradfreundlicher werden", sagte Koch. Dazu gehöre, den toten Winkel zu verringern oder mehr Radspuren zu markieren. "Radfahren ist Teil des Gesamtverkehrs", so der ADFC-Chef. Darum solle den Radlern auch mehr Respekt entgegen gebracht werden. "Außerdem: Wer Rad fährt, verkürzt den Autostau." Gestern jedoch bescherten die Radler den Autofahrern Verkehrsbeeinträchtigungen - und zwar "allgemein und stadtweit", wie die Polizei mitteilte. Auch die Avus und der südliche Stadtring waren für Kraftfahrzeuge gesperrt worden. Motorisiert war bei der Demo nur die Polizei: 450 Beamte begleiteten die Radler - und ließen sie rote Ampeln passieren.------------------------------RADKUNDE // Foto: Das Sportliche: Das Mountainbike gehört dem 79-jährigen Martin Turek. 11 498 Kilometer ist er damit in den vergangenen vier Jahren gefahren. Warum ausgerechnet ein Mountainbike? "Es ist stabil, und man kann damit auch in schwierigem Gelände fahren." Drei bis vier Kilometer fährt er täglich, alle drei Tage unternimmt er längere Touren. Mit diesem Rad war er schon in Holland. Sein einziges Rad ist das aber nicht: Turek hat noch ein zweites Mountainbike.------------------------------Foto: Das Praktische: Drei Gänge und sehr stabil - so ist das Rad von Henriette Kraatz. Die 32-Jährige hat schließlich etliches an Gewicht zu transportieren: Bis zu drei Kinder fährt sie mit dem Rad durch Berlin. Eines vorn auf einem kleinen Sattel, ein zweites hinten im eigenen Sitz, ein drittes trägt sie auf dem Rücken. Das vierte Kind hat schon ein eigenes Fahrrad. Gekauft hat sie ihr Rad 1991, ganz ohne Extras. "Seitdem habe ich es immer weiter aufgerüstet."------------------------------Foto: Das Nostalgische: Es hat winzige Räder, keine Gangschaltung und es klappert - aber es fährt immerhin. Dieses Klapprad gehört dem 50-jährigen Gerd Postler. "Ich habe es bestimmt schon 20 Jahre", sagt er. Täglich sei er mit seinem Rad unterwegs. Warum gerade so ein un- modernes Rad? "Naja, ich bin kurz davor, mir ein neues Rad zu kaufen. Dann schmeiß ich das hier weg."------------------------------Foto: Das Kleine: Dieses Kinderrad gehört der fünfjährigen Sophie, es hat keine Gänge aber vor dem Lenker einen kleinen Korb. "Für meinen Kuschelhund." Der allerdings blieb zur Sternfahrt vorsichtshalber zu Hause. Was so schön ist am Radfahren? "Dass ich da ganz schnell fahren kann." Außerdem "können mich die Autofahrer auch im Dunkeln sehen" - wegen der Lampe mit der Fahne hinten am Rad.------------------------------Foto: Auf 16 Routen fuhren die Radler durch Berlin. Alle Sternfahrt-Strecken waren zusammen 750 Kilometer lang.
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