In der Berliner Schaubühne konnte am Donnerstagabend die Aufführung von Shakespeares Richard III. nicht zu Ende geführt werden: In der Szene, in der Richard im nächtlichen Wahn seinen Kampf gegen Richmond führen will, rutschte dem Schauspieler Lars Eidinger der Degen unglücklich aus der Hand und verletzte eine in der ersten Reihe sitzende ältere Dame am Kopf. Eidinger entschuldigte sich zunächst, und ging sofort an den Bühnenrand, um nach dem Zustand der Frau zu sehen.
Er forderte die Beleuchter auf, den Zuschauerraum zu beleuchten. Nachdem er sah, dass die Frau am Kopf blutete, fragte Eidinger, ob sich unter den Zuschauern ein Arzt befinde. Es meldete sich umgehend eine Ärztin, die die verletzte Zuschauerin aus dem Saal begleitete und die Erstversorgung durchführte. Eidinger war sichtlich schockiert und sagte, dass die Vorstellung wegen des Vorfalls abgebrochen werde. Der Vorfall ereignete sich nach 22 Uhr, kurz vor dem Ende der Vorstellung. Die Zuschauer verließen den Saal ruhig und geordnet.
Eine Sprecherin der Schaubühne sagte der Berliner Zeitung am Freitag, dass das Theater „noch immer unter Schock“ stehe. Lars Eidinger habe mit der verletzten Zuschauerin gesprochen. Man wünsche der Frau von Herzen gute Besserung. Das Rufen eines Krankenwagens sei nicht notwendig gewesen (die gesamte Stellungnahme hier).
Die Stelle im Zuschaueraum der Schaubühne, wo die Zuschauerin verletzt wurde, unmittelbar nach dem Zwischenfall.
© Berliner Zeitung
Die Vorstellungen von Richard III. an der Schaubühne in der Inszenierung von Thomas Ostermeier sind seit Jahren restlos ausverkauft. Es gibt in der Inszenierung einige körperbetonten Szenen. Der Abstand der ersten Reihe zur Bühne ist nicht sonderlich groß. Dadurch wirken die Aufführungen in der Schaubühne besonders eindrücklich und unmittelbar. In der Aufführung am Donnerstag war bereits zuvor ein Darsteller gefährlich nahe an die Zuschauer gerutscht. Auf der Bühne waren Konfetti verstreut, oft lagen Teile der Bühne im Dunkel, so auch bei der Szene, in der es schließlich zum Unfall kam.
Nach dem Vorfall vom Donnerstag sollte allerdings das Sicherheitskonzept überprüft werden, um Verletzungen von Zuschauern so weit als möglich auszuschließen. Die Sprecherin des Theaters sagte, die Abläufe würden nach dem Vorfall überprüft werden.
Die nächsten Aufführungen des Stücks am Freitag und Samstag finden wie geplant statt, sagte die Sprecherin in Schaubühne der Berliner Zeitung (mehr hier).
Am Freitagabend wandte sich die Schaubühne an die Besucher der Unglücksaufführung und schrieb, man bedaure „diesen Vorfall zutiefst“: „Auch für Sie als Publikum war das sicherlich ein Schock und ein unverhoffter Abbruch des Theaterabends“, schreibt die Schaubühne. „Die Sicherheit auf und um die szenischen Vorgänge, für die Darsteller_innen auf der Bühne sowie für das Publikum, hat bei uns höchste Priorität“. Als Entschädigung für den Zwischenfall bietet die Schaubühne den Besuchern des Vorstellung das Vorkaufsrecht für Karten mit einer anderen Eidinger-Aufführung an.
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