Er ist groß und dünn und trägt ein zugeknöpftes Hemd, Schiebermütze und Brille. Netanel Olhoeft wendet sich an seinen Begleiter und beginnt ein Gespräch über die Bedeutung des Esels im Talmud. „So sind unsere Gespräche immer“, sagt Josh Weiner und lacht. „Wir sehen ein Zeichen und versuchen es dann gemeinsam zu deuten.“ Sie laufen durch den Park und unterhalten sich, fließend zwischen Deutsch und Hebräisch hin- und herwechselnd. Sich gehend zu unterhalten passt gut zum Rhythmus ihrer Gedanken. Tatsächlich wäre der Zeitpunkt gerade gut für einen Retter. Für einen, der die Welt vor Krieg, Tyrannei und dem Virus bewahrt. „Es wirkt, als leben wir in einer protomessianischen Zeit“, sagt Olhoeft. Aber bislang gab es noch keinen Anwärter, der den messianischen Kriterien gerecht geworden wäre. Deswegen beten Juden dreimal täglich für seine baldige Ankunft.
Ums Eck
Zwei Berliner Rabbis in Kreuzberg: Die Juden der Zukunft
Josh Weiner und Netanel Olhoeft sind zwei frisch ordinierte Berliner Rabbis. Unsere Autorin hat sie über ein Jahr lang begleitet. Eine Kreuzberger Reportage.
Lena Fiedler
16 Min
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Josh Weiner (l.) und Netanel Olhoeft (r.) studieren jüdische Schriften im Görlitzer Park.
© Quelle: Benyamin Reich
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