Zwei Großbäckereien verkaufen Liegengebliebenes in Extra-Filialen

Splitterbrötchen von gestern für 15 Pfennig

Katharina Schenk
2 Min

Nicht von heute, aber lecker" - mit diesem Spruch wirbt die Filiale der Bäckerei Wiedemann in Alt-Moabit für Backwaren vom Vortag: Splitterbrötchen für 15 Pfennig, eine Donauwelle für 75 Pfennig und das Roggenbrot für zwei Mark. Das Geschäft mit liegegebliebenem Brot und Gebäck lohnt sich vor allem für Filialbäckereien. Dort, schätzt Heinrich Jünemann, Geschäftsführer der Bäckerei-Innung, bleiben abends acht bis zehn Prozent der Ware in den Regalen liegen. "Kleinere Betriebe haben es besser im Griff, das Angebot der Nachfrage anzupassen", sagt Jünemann. Deshalb bietet der "Bäcker an der Ecke" kaum Altes an. "Der verarbeitet trockene Schrippen lieber zu Paniermehl", so Jünemann.Der Geschäftsführer der Wiedemann-Filialen, Klaus Wiedemann, ist mit dem Verkauf von preisreduzierten Backwaren zufrieden, er verzeichnet eine "steigende Tendenz" in seiner Moabiter Filiale. Seinen Namen allerdings will er nicht übers Geschäft schreiben. "Wie wollen keine Kannibalisierungseffekte mit bestehenden Filialen. Gleichzeitig ist es für unsere Kunden aber auch eine Garantie für Frische, wenn sie erfahren, daß unsere Backwaren vom Vortag nur in einem extra Geschäft verkauft werden." Manchmal bekommen die preisbewußten Kunden allerdings auch ganz Frisches sogenannte 1-B-Ware, die aus der Backstube kommt, aber optisch nicht den Anforderungen entspricht. Liegengebliebenes aus den 20 Wiedemann-Filialen werden über Nacht gekühlt und dann in der Sonder-Filiale verkauft.Auch das Übriggebliebene aus den 34-Wulff-Filialen wird in einem Extra-Laden verkauft an der Potsdamer Straße. Dort wirbt Inhaber Bernd-Peter Wulff mit dem Motto: "Gutes von gestern zum halben Preis." Er sagt: "Jetzt kaufen auch Kunden bei uns, die auf den Pfennig etwas mehr achten müssen." Andere Filialbäckereien verzichten auf solche Reste-Läden. Sie bringen liegengebliebenes Brot und süße Stückchen zurück in die Zentrale. Dort werden die Backwaren in gesammelt und dann an einen Tierfutterhersteller verkauft.

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