Wärmewende

Zwei Kilometer in die Erde: Wie Berlin mit Tiefer Geothermie seine Heizzukunft sichert

Bis zu 1950 Meter tief will die BEW vorstoßen. Dieser Schritt markiert den praktischen Auftakt für eine klimaneutrale Wärmeversorgung der Hauptstadt.

Annamarie Heller
Annamarie Heller
3 Min
Neue geothermische Anlage

Neue geothermische Anlage

© Jan Woitas/dpa

Unter den Pflastersteinen und Betonfundamenten der Hauptstadt liegt ein bislang ungenutzter Energieträger: unerschöpfliche, beinahe emissionsfreie Erdwärme. Um diese fossile Unabhängigkeit für die Zukunft zu erschließen, hat das Land Berlin nach Angaben des Senats nun einen zentralen Baustein gesetzt.

Wie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) mitteilte, ist der erste Zuschlag im Rahmen des europaweiten Vergabeverfahrens zur Erforschung der Tiefen Geothermie erteilt worden.

Den Zuschlag für ein Teilgebiet im Nordosten der Stadt sicherte sich die landeseigene BEW Berliner Energie und Wärme GmbH. Das Unternehmen plant am traditionellen Energie- und Kraftwerksstandort Marzahn eine ambitionierte Explorationsbohrung, die rund 1950 Meter tief in die Erde führen wird. Ziel des Vorhabens ist es, vier tiefgelegene, thermalwasserführende Gesteinsschichten – sogenannte Aquifere – messtechnisch und geologisch im Detail zu untersuchen.

Vom Bauplan zur konkreten Bohrung

Das Bohrprojekt in Marzahn dient laut Senatsverwaltung als wissenschaftlicher und praktischer Wegbereiter für die gesamte Region. In Tiefen von nahezu zwei Kilometern sollen konkrete Daten entnommen und aufwendige hydraulische Tests durchgeführt werden. Die dabei gewonnenen Daten sind essenziell, um das genaue Potenzial des Berliner Untergrunds zu bestimmen und das sogenannte Fündigkeitsrisiko – also die Ungewissheit über Temperatur und Ergiebigkeit der Vorkommen – für künftige Folgeprojekte drastisch zu senken.

„Unter unseren Füßen liegt eine Wärmequelle, die unabhängig vom Weltmarkt ist und nahezu ohne Emissionen auskommt“, betont Umwelt- und Klimaschutzsenatorin Ute Bonde (CDU). Solche Potenziale ließen sich nicht am Schreibtisch ermitteln, sondern erforderten den konkreten Schritt in den Untergrund.

Dass Berlin die Nutzungsrechte für das Erlaubnisfeld eigenständig und in Wettbewerbsverfahren vergibt, ist eine bewusste Entscheidung der Politik. Nach Angaben der Senatsverwaltung ermöglicht dieses Modell, die Erschließung der Erdwärme im gesamten Stadtgebiet aktiv zu steuern und an den städtischen Klimazielen auszurichten.

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Für den Energieversorger BEW stellt die anstehende Bohrung eine Weichenstellung dar. Christian Feuerherd, Vorsitzender der BEW-Geschäftsführung, sieht in der Geothermie einen Schlüssel zur Ablösung fossiler Energieträger: „Jetzt geht es vom Planen ins Machen. Tiefe Geothermie kann ein echter Gamechanger für die Berliner Wärmewende werden.“

Auftakt für ein stadtweites Erdwärme-Netzwerk

Die Bohrung in Marzahn bildet nach Angaben der Umweltverwaltung erst den Auftakt einer stadtweiten Strategie. Das landeseigene Erlaubnisfeld umfasst insgesamt sieben Teilgebiete, die schrittweise im Rahmen der „Roadmap Tiefe Geothermie“ vergeben werden. Die in Marzahn gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei als Grundlage für künftige Projekte in anderen Stadtteilen dienen.

Gelingt die Erschließung des Thermalwasserspeichers wie erhofft, könnte das heiße Tiefenwasser künftig über Wärmeübertrager direkt in das weitverzweigte Berliner Fernwärmenetz eingespeist werden, heißt es seitens der Betreibergesellschaft BEW. Dies würde nicht nur die CO₂-Emissionen der Metropole spürbar senken, sondern die Hauptstadt auch gegen Preisschocks und Versorgungsengpässe absichern. Damit stelle Berlin die Weichen für eine nachhaltige, bezahlbare und weitgehend unabhängige Energieversorgung der kommenden Jahrzehnte.

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