Sobald ein Sicherheitsvorfall Fragen aufwirft, so klein er auch sein mag, weist der Kompass in der deutschen Politik seit 2022 verlässlich nach Osten: Russland ist immer schuld. Es ist ein Reflex, der die politische Kommunikation und weite Teile der medialen Berichterstattung gleichermaßen durchzieht und eine sachliche Einordnung erschwert.
Jüngstes Beispiel für dieses Phänomen ist ein Waffenfund in einem Waldgebiet am Rande Berlins, der derzeit als Treibstoff für eine konzertierte Panikmache dient. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) spricht von „fremden Mächten“, Medienberichte gehen weiter und nennen russische Geheimdienste als Auftraggeber – die Faktenlage spricht eine deutlich bescheidenere Sprache.
Hysterie
Zwei Pistolen im Wald bei Berlin: Warum die Republik plötzlich vor einem „russischen Waffendepot“ zittert
Vieles bleibt ungeklärt. Politik und Medien liefern trotzdem das passende Russland-Framing, ein weiteres Kapitel in der Geschichte der unbelegten Vermutungen.
7 Min
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Alexander Dobrindt (CSU) äußert sich zum Waffenfund bei Berlin. Russland nennt er nicht beim Namen, sondern spricht von „fremden Mächten“.
© Andreas Gora/imago
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