Zweimal ganz exklusiv

Ralph Kotsch
2 Min

In den Tageszeitungen Welt und Berliner Morgenpost hat es sich bekanntlich eingebürgert, dieselben Texte zu drucken, was insofern eine seltsame Idee ist, weil dann eine Zeitung überflüssig wird. Aber das ist Sache des Springer-Verlages. Am 11. August jedenfalls brachten beide Blätter Artikel über den Schriftsteller Günter Wallraff, dem sie vorwarfen, mit der DDR-Staatssicherheit zusammengearbeitet zu haben. Die Texte erschienen wieder wortgleich und in gleicher Aufmachung. Das führte in diesem Fall zu dem Kuriosum, dass einmal die Welt und einmal die Morgenpost behauptete, ihr läge exklusiv, also ausschließlich, das entsprechende Beweisdokument für Wallraffs IM-Tätigkeit vor.Die Belege waren nach Meinung von Experten nicht ganz neu und nicht ganz stichhaltig. Wallraff bezeichnete die Veröffentlichungen als absoluten Unfug und Rufmordkampagne. Gestern erwirkte er vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung. Unter Androhung von 250 000 Euro Ordnungsgeld wird dem Springer-Verlag verboten, Wallraff als Stasi-IM zu bezeichnen. Welt und Morgenpost mussten gestern schon klein beigeben. Auch das taten sie in trauter Zweisamkeit. Beide veröffentlichten eine Gegendarstellung Wallraffs, auf dem gleichen Platz, in der gleichen Größe und der gleichen Aufmachung. Nur der Titel Welt war in der Schwesterzeitung wieder durch Berliner Morgenpost ersetzt. Den Namen wenigstens hat jedes Blatt noch exklusiv. (rk.)

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