BERLIN, 22. Mai. Ihr zweites Call Center in Deutschland wird die Lufthansa in Berlin-Schönefeld ansiedeln. Zunächst 50 Mitarbeiter werden ab 1. September per Telefon Flüge reservieren und Tickets verkaufen. In den nächsten zwei Jahren solle die Zahl der Beschäftigten auf voraussichtlich 200 wachsen, kündigte Lufthansa-Vertriebsvorstand Thierry Antinori am Montag in Berlin an. Die Lufthansa, die dann rund um den Globus acht Call Center mit fast 1 000 Mitarbeitern beitreibt, wolle bis 2005 den Anteil des Direktvertriebs von derzeit acht Prozent auf 30 Prozent steigern. "Der Vertrieb über Call Center gewinnt für die Lufthansa zunehmend an Bedeutung, da die Passagiere immer kurzfristiger buchten und die Bereitschaft zum Direktvertrieb zunimmt", sagte Antinori. 1999 erzielte die Lufthansa über diesen Vertriebskanal einen Umsatz von 340 Millionen Mark, etwa 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein ähnliches Wachstum wird im laufenden Jahr angestrebt. Insbesondere in Deutschland wird mit einer starken Zunahme der Anrufe gerechnet.Objektiv geht diese Entwicklung zu Lasten der Reisebüros, die außerdem vor kurzem empfindliche Provisionskürzungen durch die Fluggesellschaften verkraften mussten. Antinori versicherte, dass "der traditionelle Vertrieb Hauptkanal für die Lufthansa bleibt". Die Airline sei gerade dabei, in diesem Bereich ein neues, stärker leistungsbezogenes Vergütungsmodell mit zusätzlichen Anreizen einzuführen. Die Lufthansa investiert in den Aufbau des Call Centers in Schönefeld fünf Millionen Mark, kann aber mit einem Zuschuss aus Landesfördermitteln rechnen. Über die Höhe werde noch verhandelt, sagte Berlins Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner. Die Investitionszuschüsse des Landes betragen in der Regel 15 Prozent und können bei besonders hochwertigen Investitionen auf 25 Prozent steigen.Viele MitbewerberNeben Berlin waren 14 andere Städte in Deutschland und Europa in die Vorauswahl gekommen. Für die Wahl des Standortes Berlin führte die Lufthansa mehrere Gründe an: In der Region sind zahlreiche Mitarbeiter mit ausgezeichneten Sprachkenntnissen verfügbar. Berlin hat die geeignete technische Infrastruktur. Außerdem besitzt die Lufthansa ein bislang noch leer stehendes Gebäude in Schönefeld. Branoner begründete den Ansiedlungserfolg auch damit, dass sich Berlin inzwischen zu einer "Hauptstadt der Call Center" entwickelt hat und Investoren ausreichendes Know-how anbieten kann. In den letzten drei Jahren entstanden in Berlin knapp 70 Call Center mit rund 7 000 Arbeitsplätzen.Derzeit laufen die Bewerbungen für das Center in Schönefeld. Interessenten melden sich unter Tel. 01803-9 69 60.
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