Zwischen Banken und Politik

Eva Schweitzer
2 Min

Als er kam, atmete die Wall Street auf: Henry M. Paulson, Vorstandsvorsitzender der Investmentbank Goldman Sachs, trat im Juni 2006 sein Amt als Schatzmeister der US-Regierung an. Nun ist die Wall Street in ihrer ernstesten Krise seit der Großen Depression, der Dollar sinkt und die Immobilienpreise verfallen: eine Spirale, die die Wirtschaft in die Tiefe zieht. Nun ist Paulson gefragt, und er hat auch Stellung bezogen: Er ließ die beiden größten Immobilienbeleiher der USA wissen, sie müssten selber neues Kapital mobilisieren, um flüssig zu werden - und zwar sofort. Ein Eingreifen des Staates zugunsten der Hausbesitzer lehnt er ab.Der 61-jährige Republikaner aus Illinois fing nach dem Wirtschaftsstudium im Pentagon an und wechselte zwei Jahre später ins Weiße Haus, wo er für Richard Nixons Rechtsberater arbeitete. 1974, als Nixon wegen der Watergate-Affäre zurücktrat, ging Paulson zu Goldman Sachs in Chicago, arbeitete sich bis zum Teilhaber hoch, schaffte es ins New Yorker Hauptquartier. Eigentlich hatte er es nicht mehr nötig zu arbeiten, als George W. Bush ihn berief: Sein Vermögen wurde auf gut 700 Millionen Dollar geschätzt.Aber Paulson ist ein politischer Mensch, er war schon bei Goldman für Steuersenkungen und Wirtschaftswachstum eingetreten und hatte die Republikaner finanziell unterstützt. Paulsons großes Thema war zunächst die Rentenreform, zudem hieß es, er werde Bush drängen, etwas gegen die globale Erwärmung zu tun. Henry M. Paulson hat nämlich auch Seiten, die man nicht bei einem Finanzmann vermutet: Er ist ein ausgewiesener Umweltschützer und gehört der esoterischen Sekte der Christian Scientists an, die herkömmliche Medizin ablehnt.Vom Engagement gegen den Klimawandel redet heute keiner mehr, die Immobilienkrise dominiert. Bis zu zwei Millionen Amerikaner können die gestiegenen Zinsen für ihr Häuschen nicht mehr bezahlen, die Immobilienwerte sind stark gesunken. Dazu kommen steigende Rohstoffpreise, die Benzinrechnung erreichen nie gekannte Höhen.Nun ist die Frage: Wie weit will der Staat eingreifen? Die US-Notenbank hat die Zinsen gesenkt und der Wall Street Milliardenkredite angeboten. Soll Paulsons Finanzministerium die Investmentbanken stärker regulieren, sie zu mehr Transparenz verpflichten und dazu, mehr Rücklagen zu bilden? Und Paulson beobachtet China scharf: Er drängt das Land, seine Währung dem Marktwert anzupassen. Das würde die US-Wirtschaft sofort konkurrenzfähig machen.Wirtschaft Seite 11------------------------------Foto: Henry Paulson, US-Finanzminister

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