Seit Jahresbeginn hat das Bundesverteidigungsministerium rund 194.000 Fragebögen an 18-Jährige des Geburtsjahrgangs 2008 verschickt – an Männer und Frauen. Bei den angeschriebenen jungen Männern, für die eine gesetzliche Auskunftspflicht gilt, lag die Rücklaufquote zuletzt bei 72 Prozent; 28 Prozent antworteten nicht. Ein Rekrutierungserfolg sieht anders aus.
Der Fragebogen ist das zentrale Instrument der Bundeswehr, um Musterungen vorzubereiten und gezielt geeignete Kandidaten anzusprechen. Abgefragt werden Motivation, Eignung, Bildungsabschlüsse, Qualifikationen sowie Angaben zur körperlichen Leistungsfähigkeit. Frauen des gleichen Jahrgangs erhalten das Schreiben ebenfalls – das Ausfüllen ist für sie jedoch freiwillig.
Unter denen, die antworteten, gibt es durchaus ermutigende Signale für die Planungsstäbe: Rund die Hälfte äußerte prinzipielles Interesse an einem mindestens sechsmonatigen Dienst. Allerdings zeigte sich auch ein deutliches Hindernis: Für viele Befragte ist eine heimatnahe Stationierung entscheidend; größere Entfernungen senken die Bereitschaft deutlich. Ob diese Zahlen ausreichen, um das Ziel von bis zu 270.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten bis 2035 zu erreichen, ist offen; zuletzt zählte die Bundeswehr rund 186.400 aktive Soldatinnen und Soldaten.
Bußgelder und die Option der Bedarfswehrpflicht
Das Ministerium hat klargemacht, dass das Ignorieren des Bogens als Ordnungswidrigkeit gewertet werden kann und ein Bußgeld droht. Dahinter steht ein größeres Kalkül. Sollte das freiwillige Modell die Personallücken nicht schließen, könnte der Bundestag per separatem Gesetz eine sogenannte Bedarfswehrpflicht beschließen – ein Instrument, das gezielte Einberufungen erlauben würde, ohne die allgemeine Wehrpflicht formell wiedereinzuführen. Einen Automatismus gibt es dabei nicht; es bräuchte einen eigenständigen parlamentarischen Akt.
Es ist genau diese Option, die die Bewegung gegen die Wehrpflicht antreibt – bei Protesten im März zählten Organisatoren nach eigenen Angaben über 55.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bundesweit.
Schulstreik gegen Wehrpflicht: Schüler berichten von Bedrohung durch BKA und Verfassungsschutz
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Schulstreik am Tag der Befreiung
Für den morgigen 8. Mai – den Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht und der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus – hat das Bündnis „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ bundesweit zum Unterrichtsstreik aufgerufen. Die Datumswahl ist kein Zufall: Der historische Resonanzraum ist Teil der politischen Botschaft.
Laut den Organisatoren sind in über 120 Städten Streikaktionen angemeldet, von Berlin, Hamburg, München und Köln bis in kleinere Kommunen. Die Mobilisierung läuft vor allem über Instagram und die kampagneneigene Website. Unter dem Leitspruch „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Wehrpflicht!“ fordern die Initiatoren nicht nur ein Ende des Erfassungsbogens, sondern auch den sofortigen Stopp von Bundeswehr-Werbung und Rekrutierungsmaßnahmen an Schulen.
Der Streik macht die Generationenfrage sichtbar, die die politische Führung bislang lieber in Verwaltungsakten abgehandelt hat: Wer trägt das Risiko der neuen Sicherheitsarchitektur – und hat das Recht, darüber gefragt zu werden?
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