Der 1. FC Magdeburg erlebt eine Saison der schnellen Stimmungswechsel. Nach dem 3:0 gegen Hannover 96 schienen die Spitzenplätze in Reichweite, nach dem 0:2 bei Dynamo Dresden ging es plötzlich wieder um den Klassenerhalt. Zwischen der Enttäuschung im Elb-Clásico und dem Pokal-Highlight am kommenden Mittwoch beim FC Bayern München kommt am Sonnabend (13 Uhr) der Karlsruher SC in die Avnet-Arena.
Gelassen zwischen den Fraktionen
Weder die Tabelle noch der Pokalgegner vom Mittwoch bringen Trainer Petrik Sander aber aus der Ruhe. Wie schnell sich die Stimmung rund um den Klub dreht, könne er ohnehin nicht beeinflussen. „Im Fußball dreht sich so schnell alles. Das macht ihn ja auch so schön“, sagte er am vergangenen Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit dem KSC.
Er selbst ist dabei lieber Optimist als Pessimist: „Wenn man die Chance und Möglichkeit hat, sich in höheren Regionen zu bewegen, muss man das nutzen. Ich bin da kein Bremser, das wäre verrückt.“
Die Lehren aus Dresden
In Dresden fanden die Magdeburger nie in ihr Spiel. Sander habe das im Training aufgearbeitet. „Es ist ja nicht etwas völlig Wildfremdes für die Mannschaft, sondern es gerät manchmal in bestimmten Situationen in Vergessenheit. Ich denke, es wird uns kein zweites Mal passieren.“
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Die Laufleistung will er nicht als Grund für den jüngsten Rückschlag gelten lassen, obwohl der FCM am vergangenen Wochenende über zehn Kilometer weniger zurücklegte als Dresden. „Wir spielen Fußball, wir sind nicht in einem Leichtathletik-Wettbewerb. Es werden keine Medaillen verteilt, weil ich die laufstärkste Mannschaft bin.“ Dass der Gegner mehr läuft, gehöre sogar zum Plan. „Mit unserer Spielweise provozieren wir, dass der Gegner laufen muss. Das ist Sinn und Zweck unseres Spiels: mit hoher Ballzirkulation und gutem Positionsspiel den Gegner zum Laufen bringen, um ihn in Unordnung oder in einen Ermüdungszustand zu bringen, der es uns ermöglicht, torgefährlich zu werden.“ In Dresden sei dieser Plan eben nicht aufgegangen.
Die Festung Avnet-Arena
Zu Hause will Magdeburg nun aber wieder punkten. In der Avnet-Arena sind die Blau-Weißen zuletzt zu so etwas wie einer Macht geworden. Dabei begann die Saison dort mit einem Debakel, einem 1:6 gegen Eintracht Braunschweig am 1. Spieltag. Danach aber gewann die Mannschaft drei Heimspiele in Folge. „Die Wucht des Stadions im Rücken hebt diese Mannschaft auf ein anderes Level“, sagte Sander.
Gegen Hannover 96 holte der 1. FC Magdeburg mit Stürmer Mateusz Zukowski bereits den dritten Heimsieg in Serie.
© Andreas Gora/dpa
Dass das seit dem Braunschweig-Spiel so gut gelinge, liege daran, wie die Mannschaft das Debakel aufgearbeitet habe. „Wir haben die richtigen Lehren gezogen“, sagte Sander. „Wir haben im ersten Heimspiel ein ganz falsches Mittel gewählt“, erklärte er und wollte das Thema dann endlich abhaken können: „Ich will über dieses verdammte erste Heimspiel nicht mehr sprechen.“
Der KSC kommt mit Rückenwind
Stattdessen lag der Fokus dann auf dem kommenden Gegner. Der Karlsruher SC reist nach einem 4:0 gegen Darmstadt mit Rückenwind an. Dazu sind die Gäste seit sieben Spielen gegen Magdeburg ungeschlagen.
Dem Gegner zollt Sander also Respekt, vor allem für dessen Tempo. „Sie haben relativ einfache Mittel, streuen ab und zu einen langen Ball ein, und dann gehen sie sofort hinterher. Nicht so, dass man ein bisschen träumt und hinterhertrabt, sondern im Vollsprint.“
Schlüsselspieler bei Karlsruhe ist seit Jahren Marvin Wanitzek. Einen Manndecker wolle Sander ihm aber nicht zuteilen. „Er ist ein überragender Fußballer. Deswegen bringt es nichts, irgendjemanden abzustellen, der ihm hinterherläuft. Man muss das mannschaftlich geschlossen auffangen, und das ist auch der Plan.“
Die Bayern? Kein Thema
Das Pokalspiel am Mittwoch in München blendete der Trainer am vergangenen Donnerstag noch komplett aus. „Bei uns spricht keiner über das Bayern-Spiel. Das ist nicht aktuell, das darf in den Köpfen keine Rolle spielen und wird deshalb auch nicht thematisiert.“
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Ob er Spieler für das Pokalspiel schonen und rotieren werde, wurde Sander gefragt. Seine Antwort fiel kurz aus: „Nein.“ Der Fokus gehört dem Sonnabend. „Für uns ist wichtig: Heimspiel, volle Hütte, Zuschauer, die kommen, um uns gewinnen zu sehen. Wir werden alles geben, und Bayern kommt dann. Als Ausblick ist das das einfachste Spiel des Jahres.“
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