Fußball

Zwischen Joker-Glück und Systemtreue: Die knifflige Stürmer-Frage bei Hertha BSC

Luca Schuler drängt mit Toren nach vorn, doch Sebastian Grönning liefert das, was das System verlangt. Vor dem Fürth-Spiel muss Leitl abwägen.

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Luca Schuler (l.) hat mit seinen zwei Toren im Test von Hertha BSC beim Bundesligisten FC Augsburg Eigenwerbung in der Stürmerfrage betrieben.

Luca Schuler (l.) hat mit seinen zwei Toren im Test von Hertha BSC beim Bundesligisten FC Augsburg Eigenwerbung in der Stürmerfrage betrieben.

© Nordphoto/Imago

Luca Schuler hat zuletzt im Test gegen Bundesligist FC Augsburg zweimal für Hertha BSC getroffen. Viel mehr kann ein Stürmer kaum für sich werben. Trotzdem ist nicht sicher, ob der 27-Jährige am Sonntag (13.30 Uhr) gegen Greuther Fürth in der Startelf steht. Denn Sebastian Grönning hat zwar seit dem 15. August nicht mehr getroffen, ist für Stefan Leitl aber offenbar weiterhin der passendere Stürmer für dessen Spielidee.

Genau darin liegt die Brisanz dieser Personalie: Schuler hat aktuell das stärkere individuelle Argument, Grönning dagegen das stärkere Argument aus Sicht der Mannschaft. Leitl muss also nicht einfach entscheiden, wer zuletzt erfolgreicher war. Er muss entscheiden, ob er einen funktionierenden Ansatz zugunsten eines Stürmers verändert, der sich zuletzt mit Toren empfohlen hat.

Bislang vertraut Stefan Leitl auf Sebastian Grönning

Bislang war die Antwort des Trainers eindeutig. Grönning stand in den ersten sechs Zweitliga-Spielen unter Leitl jedes Mal in der Startelf. In den ersten beiden Partien traf der Däne jeweils einmal, anschließend blieb er ohne weiteren Torerfolg. Leitl hielt trotzdem an ihm fest und ließ ihn auch in den drei folgenden Spielen jeweils etwas mehr als 60 Minuten spielen.

Erst beim 2:1 bei Dynamo Dresden vor der Länderspielpause veränderte sich die Hierarchie erstmals. Grönning blieb zur Halbzeit in der Kabine, Sommer-Zugang Gustaf Nilsson übernahm. Beim 3:1 in Osnabrück kam Nilsson ebenfalls schon für Grönning, diesmal in der 68. Minute. Schuler blieb in beiden Partien ohne Einsatz.

Doch jetzt kam eben Augsburg. Weil Nilsson wegen seiner Oberschenkelprobleme fehlte, bekam Schuler die Gelegenheit – und nutzte sie. Nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit traf er zweimal und machte aus einem 0:2 noch ein 2:2. Für einen Stürmer, der zuletzt mit einer Nebenrolle leben musste, ist das ein starkes Bewerbungsschreiben.

Schon im Test bei Hertha Zehlendorf in der vergangenen Woche begann Schuler, Grönning kam nach 60 Minuten. Leitl hat dem 27-Jährigen damit zuletzt zweimal die Möglichkeit gegeben, sich für mehr Einsatzzeit zu empfehlen. Schulers Doppelpack war also kein isoliertes Erfolgserlebnis, sondern fügt sich in eine Phase ein, in der seine Rolle wieder größer werden könnte.

Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, Grönning allein an seiner Torflaute zu messen. Seit dem 15. August wartet der Däne auf einen Treffer, seine Bilanz ist bei zwei Toren stehengeblieben. Für Leitl scheint aber entscheidender zu sein, was Grönning jenseits dieser Statistik ermöglicht.

Der Däne arbeitet für die Mannschaft, schafft Räume und bindet Gegenspieler. Vor allem kennt er die Abläufe, die Leitl von seinem Mittelstürmer verlangt. Das ist kein theoretischer Vorteil: Hertha ist mit Grönning in der Startelf sportlich erfolgreich, hat alle sechs Zweitligaspiele gewonnen und ist Tabellenführer. Lediglich Grönnings persönliche Torquote und die Ergebnisse der Mannschaft laufen damit derzeit auseinander.

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Genau das macht den möglichen Wechsel zu Schuler zu einer bewussten Entscheidung. Leitl würde damit nicht lediglich einen erfolglosen Stürmer durch einen möglicherweise treffsicheren ersetzen. Er würde einen Angreifer herausnehmen, dessen Beitrag zum Mannschaftsspiel für ihn bislang offenbar größer war als die Zahl seiner Tore.

Für Schuler spricht dagegen, dass er diese Entscheidung inzwischen erschweren kann. Der 27-Jährige hat seine Chance gegen Augsburg genutzt und damit das geliefert, was von einem Mittelstürmer erwartet wird.

Hinzu kommt seine Arbeit im Training und der bislang geduldige Umgang mit seiner Reservistenrolle. Ein Start gegen Fürth wäre deshalb folgerichtig eine Belohnung für seine Entwicklung der vergangenen Wochen.

Nilsson fehlt zuletzt verletzungsbedingt

Auch die Zahlen erzählen eine Geschichte, allerdings keine eindeutige. Grönning hat zwei Tore erzielt, Schuler eine Vorlage, Nilsson noch keinen Scorerpunkt. Schulers Doppelpack im Test gegen Augsburg verändert diese Bilanz nicht, aber die Wahrnehmung seiner Form: Plötzlich gibt es einen konkreten Anlass, die bisherige Entscheidung des Trainers infrage zu stellen.

Nilsson dürfte dabei vorerst außen vor sein. Der Schwede fehlte gegen Augsburg wegen seiner Oberschenkelprobleme und musste deshalb bereits seine Länderspiele absagen. Erst am Montag absolvierte er gemeinsam mit dem ebenfalls angeschlagenem Jerome Diallo eine Laufeinheit. Ob er bis Sonntag fit wird, ist offen.

Für Leitl geht es dann vor allem um eine Grundsatzentscheidung: Belohnt er Schulers aktuelles Momentum oder vertraut er weiter auf einen Stürmer, dessen individuelle Statistik schwächer ist, dessen Beitrag zum Hertha-Spiel aber offenbar größer? Die Argumente für einen Wechsel sind durch Schulers Doppelpack stärker geworden.

Die besseren Gründe für Grönning sind deshalb nicht verschwunden. Und genau das ist der Punkt: Schuler hat die Stürmerfrage neu aufgemacht – aber Grönning hat sie sportlich noch nicht verloren.

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