Tragödie

„Sehr, sehr riskantes Überholmanöver“: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung nach Unfall mit vier Toten

Auf einer Landstraße in Brandenburg sterben vier junge Menschen. Ein 61-Jähriger wollte laut Polizei überholen. Weitere Details wurden jetzt bekannt.

4 Min
Kerzen und Blumen sind am Unfallort zu sehen, nachdem am Mittwochabend vier Teenager bei einem schweren Verkehrsunfall gestorben sind.

Kerzen und Blumen sind am Unfallort zu sehen, nachdem am Mittwochabend vier Teenager bei einem schweren Verkehrsunfall gestorben sind.

© Marco Porzig/dpa

Auf der Landesstraße L 200 bei Biesenthal im Landkreis Barnim sind am Mittwochabend vier junge Menschen ums Leben gekommen. Das jüngste Opfer war erst 14 Jahre alt.

Nach Angaben der Polizei wollte ein 61-jähriger Autofahrer mehrere Wagen überholen und wechselte dafür auf die Gegenfahrbahn. Dort krachte er frontal in drei entgegenkommende Mopeds. Der Unfall bei Biesenthal, nordöstlich von Berlin, hat eine ganze Region erschüttert – die Behörden ermitteln inzwischen wegen fahrlässiger Tötung. Vier Jugendliche starben noch an der Unfallstelle, ein weiterer Mopedfahrer konnte ausweichen und blieb unverletzt.

Was auf der L 200 bei Biesenthal geschah

Der Unfall ereignete sich am Mittwochabend gegen 19.40 Uhr auf der Strecke in Richtung Wullwinkel. Vier Kleinkrafträder waren von Biesenthal aus unterwegs, als sich im Gegenverkehr ein Auto näherte.

Der 61-Jährige setzte nach Darstellung der Polizei zum Überholen einer Fahrzeugreihe an und zog auf die Gegenfahrbahn. Dort erfasste er drei der vier Mopeds. Kurz darauf fing der Wagen Feuer, überschlug sich und brannte aus.

Die Opfer: Darunter ein 14-jähriges Mädchen

Bei den Toten handelt es sich nach Polizeiangaben um ein 14-jähriges Mädchen, das als Mitfahrerin auf einem der Zweiräder saß, sowie um zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren sowie einen 19-Jährigen.

Der 61-jährige Autofahrer wurde schwer verletzt und mit einem Rettungshubschrauber in ein Berliner Krankenhaus gebracht.

Nur der Fahrer des vierten Mopeds entkam dem Zusammenstoß. Er konnte ausweichen und blieb unverletzt. „Er wird ein wichtiger Zeuge sein“, sagte ein Polizeisprecher. Ihm solle angesichts der Tragik aber Zeit gegeben werden, bevor er ausführlich befragt werde. Auto und Mopeds wurden für die Ermittlungen der Kriminalpolizei beschlagnahmt.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Gegen den 61-Jährigen ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung. Den genauen Hergang sollen Gutachter rekonstruieren. Wie schnell der Autofahrer beim Überholen unterwegs war, teilte die Polizei zunächst nicht mit. Der genaue Unfallhergang ist bislang unklar.

Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) geht von einem riskanten Verhalten des Autofahrers aus. Im Interview mit dem RBB-Inforadio sagte er, der Unfall werde weiter von Polizei und Staatsanwaltschaft untersucht, auch Gutachter seien eingeschaltet.

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Er habe mit dem Landesbetrieb Straßen gesprochen, der die Straße erneut inspiziert habe. Einen Unfallschwerpunkt gebe es dort nicht: „Es ist eigentlich gut übersehbar. Es scheint tatsächlich ein sehr, sehr riskantes Überholmanöver gewesen zu sein.“

Auch das Verkehrsministerium in Potsdam betonte, die Unfallstelle auf der L 200 sei kein Unfallschwerpunkt. Biesenthals Bürgermeister Carsten Bruch (CDU) verwies darauf, dass auf dem geraden Abschnitt mit einer Senke Tempo 100 erlaubt sei und die Strecke eigentlich gut einzusehen sei.

Was Unfallforscher zum Überholen sagen

Die Prüforganisation Dekra ordnet solche Situationen allgemein als besonders heikel ein. „Überholmanöver sind eine der kritischsten Fahrsituationen überhaupt. Beim geringsten Zweifel ist Überholen deshalb keine Option“, erklären ihre Unfallforscher. Unfälle beim Überholen seien häufig die Folge von Fehleinschätzungen.

Gerade auf dem Land hätten viele junge Menschen die Mopeds der Marke Simson wiederentdeckt, erzählte Bruch. Die zu DDR-Zeiten in Suhl gebauten Modelle wie die Schwalbe oder die S51 gelten unter Liebhabern als Kult.

Belastend war der Einsatz auch für die Rettungskräfte. Notfallseelsorger und speziell geschulte Teams betreuten Angehörige, die zum Teil an die Unfallstelle gekommen waren. Auch die Helfer erhielten Unterstützung. Sie hätten Bilder sehen müssen, die sie bislang nicht gekannt hätten, sagte Bruch.

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