Peene-Werft

Viertes Flottendienstboot für Wolgast: Folgeauftrag wird zum Wahlkampf-Signal

Die Peene-Werft soll am Bau eines neuen Flottendienstbootes für die Deutsche Marine beteiligt werden. Der Auftrag würde eine Lücke schließen und Arbeitsplätze sichern.

6 Min
Boris Pistorius (SPD) bei der Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 auf der Peene-Werft mit Axel Deertz, Vizeadmiral der Marine der Bundeswehr, und Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns Rheinmetall (v. l.).

Boris Pistorius (SPD) bei der Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 auf der Peene-Werft mit Axel Deertz, Vizeadmiral der Marine der Bundeswehr, und Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns Rheinmetall (v. l.).

© Stefan Sauer/dpa

Die Peene-Werft kann auf einen wichtigen Folgeauftrag hoffen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte am Montag bei einem Besuch in Wolgast an, dass die Deutsche Marine zusätzlich zu den drei bereits im Bau befindlichen Aufklärungsschiffen ein viertes Flottendienstboot der Klasse 424 erhalten soll.

„Der Auftrag ist auf dem Weg ins Parlament“, sagte Pistorius. Anlass seines Besuchs war die feierliche Kiellegung des dritten Schiffes der neuen Klasse. Die rund 130 Meter langen Flottendienstboote werden mit moderner Sensorik ausgerüstet und sollen der elektronischen Aufklärung und Informationsgewinnung dienen.

Für die Beschäftigten in Wolgast ist die Ankündigung ein wichtiges Signal – aber noch kein endgültiger Auftrag. Der Haushaltsausschuss des Bundestages muss dem Vorhaben noch zustimmen.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) begrüßte die Pläne ausdrücklich. Sie sprach von einer „sehr wichtigen Nachricht für den Standort“ und warb bei den Mitgliedern des Haushaltsausschusses um Zustimmung. Die Peene-Werft sorge nicht nur für eine moderne Ausstattung der Bundeswehr, sondern sichere und schaffe auch Arbeitsplätze in Vorpommern, erklärte Schwesig.

Auftrag könnte Lücke auf der Peene-Werft schließen

Die Aussicht auf ein viertes Flottendienstboot ist für die Wolgaster Werft besonders bedeutsam. Nach dem Aus für das milliardenschwere Fregattenprojekt F126 war eine empfindliche Lücke in der Auftragsplanung entstanden.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte das F126-Projekt im Juni wegen erheblicher Verzögerungen, drohender Kostensteigerungen und weiterer Risiken beendet. Statt ursprünglich rund zehn Milliarden Euro hätte eine Fortsetzung nach Berechnungen des Ministeriums einen Finanzbedarf von mehr als 18 Milliarden Euro verursachen können. Als Alternative strebt der Bund den Kauf von acht Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU an – ebenfalls unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Haushaltsausschusses.

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Schwesig hatte die Auftragslage der Peene-Werft bereits Ende August öffentlich thematisiert. Damals erklärte sie nach einer Betriebsversammlung, dass durch den Abbruch des F126-Projekts dringend eine Lücke geschlossen werden müsse. Als mögliche Lösungen nannte sie ausdrücklich eine Beteiligung Wolgasts an den geplanten MEKO-Fregatten oder den Bau eines vierten Flottendienstbootes.

Mit der Ankündigung von Pistorius wird zumindest eine dieser Forderungen konkret. Ein zusätzliches Schiff könnte die bestehende Fertigung verlängern, eingespielte Abläufe erhalten und der Werft mehr Planungssicherheit verschaffen.

Rund 400 Arbeitsplätze hängen am Wolgaster Schiffbau

Die Peene-Werft gehört seit März 2026 zur Marineschiffbau-Sparte von Rheinmetall. Der Standort ist auf den Neubau, die Reparatur und den Umbau von Marine- und Küstenwachschiffen spezialisiert.

Nach zuletzt veröffentlichten Angaben arbeiten dort rund 400 Menschen, darunter Auszubildende und dual Studierende. Die Flottendienstboote entstehen arbeitsteilig: Auf der Peene-Werft in Wolgast werden große Rumpfsektionen gefertigt. In Lemwerder werden die Rumpfsektionen zum Schiffsrumpf zusammengefügt. Anschließend übernimmt Blohm+Voss in Hamburg den technischen Endausbau.

Manuela Schwesig (SPD) unterzeichnet am 14. September bei der Kiellegungszeremonie auf der Peene-Werft in Wolgast eine Tafel, die das dritte Flottendienstboot darstellt.

Manuela Schwesig (SPD) unterzeichnet am 14. September bei der Kiellegungszeremonie auf der Peene-Werft in Wolgast eine Tafel, die das dritte Flottendienstboot darstellt.

© DANNY GOHLKE/AFP

Für Mecklenburg-Vorpommern geht es deshalb um mehr als einen einzelnen Rüstungsauftrag. Die Peene-Werft ist einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber in Vorpommern und zugleich ein bedeutender Baustein des Marineschiffbaus im Land. Ein Folgeauftrag würde nicht nur die Beschäftigten auf der Werft stärken, sondern dürfte auch regionale Zulieferer und Dienstleister stabilisieren.

Zugleich erhöht ein viertes Flottendienstboot die Chancen, Fachkräfte und Auszubildende langfristig am Standort zu halten. Gerade im spezialisierten Schiffbau ist eine kontinuierliche Auslastung entscheidend, weil einmal verlorenes Know-how nur schwer wieder aufgebaut werden kann. Mit dem F126-Projekt hätte die Zahl der Beschäftigten auf der Peene-Werft auf etwa 1000 steigen können.

Was die Aufklärungsschiffe der Klasse 424 leisten

Die drei bislang bestellten Flottendienstboote der Klasse 424 sollen ab 2029 schrittweise die mehr als 30 Jahre alten Schiffe „Oker“, „Oste“ und „Alster“ ersetzen. Die neuen Einheiten dienen als schwimmende Aufklärungsplattformen und sollen große See- und Küstengebiete überwachen.

Dafür werden sie unter anderem mit elektronischen, hydroakustischen und elektrooptischen Sensoren ausgestattet. Die gewonnenen Informationen sind nicht nur für die Marine, sondern auch für den Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr von Bedeutung.

Der Bundestag hatte 2023 für die ursprünglichen drei Schiffe und eine Ausbildungs- und Referenzanlage bis zu 3,26 Milliarden Euro freigegeben.

Rückenwind für Schwesig und die SPD vor der Wahl

Politisch kommt die Ankündigung zu einem für die SPD entscheidenden Zeitpunkt. Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Zwischen dem Auftritt von Pistorius in Wolgast und dem Wahltag liegen lediglich sechs Tage.

Die jüngste ARD-Umfrage von Infratest dimap sah die AfD bei 38 Prozent und die SPD von Ministerpräsidentin Schwesig bei 33 Prozent.

Vor diesem Hintergrund ist die Nachricht aus Wolgast auch ein deutliches Wahlkampfsignal. Mit Boris Pistorius und Manuela Schwesig präsentieren zwei prominente SPD-Politiker einen möglichen Bundesauftrag für einen wichtigen Industriestandort in MV. Die Ministerpräsidentin kann damit kurz vor der Wahl zeigen, dass ihre Gespräche mit der Bundesregierung zu einem konkreten Ergebnis führten.

Für die SPD passt die Ankündigung in eine Strategie, bei der Manuela Schwesig ihre Regierungs- und Wirtschaftskompetenz in den Mittelpunkt stellt. Besonders in Vorpommern kann die Aussicht auf sichere Industriearbeitsplätze politisches Gewicht entfalten.

Manuela Schwesig (SPD) begrüßt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei der Kiellegung des dritten Flottendienstbootes auf der Peene-Werft in Wolgast.

Manuela Schwesig (SPD) begrüßt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei der Kiellegung des dritten Flottendienstbootes auf der Peene-Werft in Wolgast.

© DANNY GOHLKE/AFP

Dennoch sollte zwischen politischer Ankündigung und verbindlichem Auftrag unterschieden werden. Weder die Finanzierung noch der Zeitplan oder der genaue Wolgaster Anteil am vierten Schiff sind bislang festgelegt. Auch die Zustimmung des Bundestages steht noch aus.

Entscheidung liegt jetzt beim Haushaltsausschuss

Für die Peene-Werft ist das vierte Flottendienstboot deshalb zunächst eine begründete Hoffnung. Erst wenn der Haushaltsausschuss die notwendigen Mittel bewilligt und der Vertrag abgeschlossen ist, wird daraus ein gesicherter Folgeauftrag.

Offen bleiben außerdem der Preis des Schiffes, der Baubeginn, der Auslieferungstermin und die konkrete Verteilung der Arbeiten auf die beteiligten Werften. Ebenso ist bislang nicht beziffert, wie viele Arbeitsplätze in Wolgast durch das zusätzliche Schiff über welchen Zeitraum gesichert werden könnten.

Unabhängig davon hat die Ankündigung bereits eine doppelte Wirkung: Für die Peene-Werft und den Industriestandort Mecklenburg-Vorpommern ist sie eine dringend benötigte Perspektive. Für Manuela Schwesig und die SPD ist sie wenige Tage vor der Landtagswahl eine Botschaft, die kaum günstiger terminiert sein könnte.

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