In Lungern im Kanton Obwalden sprengt eine Baufirma gerade Löcher in einen Berg, die so viel kosten wie eine große Eigentumswohnung in Berlin. Ab rund einer halben Million Franken ist man dabei.
Geliefert wird ein leerer Raum im Fels. Rund 100 Meter Gestein darüber, ganzjährig konstant 13 Grad, nutzbar für 99 Jahre.
Was hineinkommt, entscheidet der Käufer. Beim Betreiber lagen schon Anfragen für 20 Autos und für 100.000 Flaschen Wein vor.
Das Projekt heißt „Brünig Mega Safe“ und wächst seit Anfang 2026 in jenen Bergrücken zwischen Luzern und Interlaken, über den täglich Touristenzüge rollen. Der Westschweizer Sender RTS hat die Baustelle besucht und den Fall ins Rollen gebracht. Filmen durfte das Team nur die Zugangsstollen.
Brünig Mega Safe: Was eine Felskaverne kostet
Geplant sind 20 bis 25 Kavernen unterschiedlicher Größe. Verkauft werden sie im Baurecht für 99 Jahre, mit Eintrag im Grundbuch. Erste Verträge sind unterschrieben.
Beim Preis gehen die Angaben auseinander. Der Blick nennt unter Berufung auf RTS eine Spanne von rund 500.000 bis 775.000 Franken. Andere Berichte setzen die Einstiegsmarke bei einer Million an.
Das Schweizer Fernsehen SRF bezifferte 2025 eine Kaverne mit 20 Quadratmetern Lagerfläche auf gut eine halbe Million. Nach oben ist reichlich Luft: Bis zu 100.000 Kubikmeter Volumen und 90 Meter Höhe sind laut Betreiber machbar.
Der Berg besteht aus Quintnerkalk. Ein homogener Stein, in dem nach Angaben des Unternehmens keine Abbrüche zu erwarten sind.
Zugang zum Tresor: Schleuse, aussteigen, schweigen
Wer hinein will, passiert zuerst eine Schleuse und muss das Fahrzeug verlassen. Danach folgen weitere Kontrollen, über die die Betreiberfirma öffentlich nichts sagt.
„Es geht darum, unbefugten Personen den Eintritt so schwer wie möglich zu machen“, sagt Thomas Gasser, Verwaltungsratspräsident der Brünig Mega Safe AG, dem Blatt.
Gasser hat vor gut 30 Jahren das erste Loch in diesen Berg gesprengt. Damals ging es um eine simple Lagerhalle für den eigenen Betrieb.
Verboten im Berg: Drogen und Sprengstoff
Die Grenze zieht der Betreiber knapp: „Es dürfen keine Drogen und kein Sprengstoff gelagert werden“, sagte Gasser dem Schweizer Fernsehen. Alles andere ist erlaubt, solange es legal ist.
Auch die Herkunft des Geldes wird geprüft. In zwei Jahren habe man deshalb zwei oder drei Interessenten abgelehnt.
Zutritt zu den Kavernen hat die Firma selbst nicht. Die Räume stehen im Privateigentum, und nur der Besitzer weiß, was darin steht.
Käufer aus Deutschland und den Emiraten
Das Publikum bleibt anonym, die Herkunft nicht ganz. Interesse kommt aus der Schweiz, aus Deutschland, aus Schweden und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Dahinter steckt weniger Sammlerlust als Nervosität. „Dubai galt lange als sicherer Hafen“, sagt Gasser laut 20 Minuten. Heute werde diese Sicherheit infrage gestellt.
Deutsche Kunden sind in der Schweiz ohnehin keine Seltenheit mehr. Beim Edelmetallhändler Philoro kam zuletzt etwa jeder fünfte Kunde aus Deutschland.
Im selben Berg: Schießstand, Feuerwehrtunnel, Restaurant
Der Brünig ist längst durchlöchert. Im Massiv stecken eine unterirdische Schießanlage, ein befeuerter Übungstunnel für Feuerwehrleute aus aller Welt, das größte Schweizer Lager für Emulsionssprengstoffe und ein Restaurant namens Cantina Caverna.
Insgesamt geht es um rund 72.000 Quadratmeter unterirdische Gewerbezone, etwa zehn Fußballfelder. Eingezont und bewilligt, wie die Zeitung Bote der Urschweiz berichtete.
Warum die Schweiz: 370.000 Schutzräume
Weil das Land Bunker kann. Rund 370.000 Schutzräume sind erfasst, Plätze gibt es rechnerisch für die gesamte Bevölkerung. Kein anderer Staat hat ein derart dichtes System.
Dazu kommt der Finanzplatz. Schweizer Banken verwalteten 2024 nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten rund 9,3 Billionen Franken, etwa die Hälfte davon aus dem Ausland.
Panzertür zu einem Schutzraum: Rund 370.000 solcher Räume sind in der Schweiz erfasst, Plätze gibt es rechnerisch für die ganze Bevölkerung. (Symbolbild)
© IMAGO/Björn Trotzki
Barbarastollen: Deutschlands Berg-Tresor lagert Mikrofilm
Einen Hochsicherheitsstollen hat auch die Bundesrepublik. Er liegt im Schwarzwald bei Oberried, heißt Barbarastollen und war einmal eine Silbermine.
Drinnen stehen mehr als 1600 Edelstahlbehälter mit über 32.000 Kilometern Mikrofilm, haltbar für mindestens 500 Jahre. Der Zentrale Bergungsort steht seit 1978 unter Sonderschutz der Unesco.
Der Barbarastollen sichert Erinnerung. Der Brünig sichert Eigentum.
In Berlin liegt Kunst schon länger hinter Beton: Der frühere Reichsbahnbunker an der Friedrichstraße, in der DDR als „Bananenbunker“ bekannt und in den Neunzigern ein Technoclub, beherbergt heute die Sammlung Boros.
Lungern: Kritik am Luxusprojekt
Im Dorf hört man beides. Die einen finden, hier werde etwas für Leute gebaut, die ohnehin genug Geld haben. Die anderen freuen sich über die schönen Autos, die künftig durch den Ort fahren werden.
Die ersten Tresorräume sollen 2027 fertig sein. Wer dann in Lungern einen Ferrari sieht, weiß: Der ist nicht zu Besuch. Der zieht ein.
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