Mehrere verletzte Pferde beschäftigen die Polizei im Raum Neustadt-Glewe. Seit Mitte September sind rund um das Gestüt Lewitz in Mecklenburg-Vorpommern sechs Tiere angegriffen worden, drei davon verendeten an ihren Verletzungen.
Betroffen waren ausnahmslos wertvolle Zuchtstuten, die Mehrzahl war trächtig. Für Pferdehalter in der Region ist der Fall ein Schock – und ein Grund zur Wachsamkeit. Die Kriminalpolizeiinspektion und die Staatsanwaltschaft Schwerin ermitteln. Am 21. Oktober wurden Mitarbeiter des Gestüts befragt.
Betreiber Paul Schockemöhle hat eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt. Wer sachdienliche Hinweise geben kann, soll sich bei der Polizei melden.
Was auf den Weiden bei Neustadt-Glewe geschah
Den Anfang machte ein trauriger Fund Mitte September: Auf einer Weide lag eine tote Stute. Die medizinische Untersuchung ergab innere Verletzungen im Bauchraum.
Das Schicksal der Pferde von Redefin: zwischen Zucht, Sport, Show, Zukunft
Eintauchen in die magischen Ostseewelten: Die neue Pferdeshow der Bernsteinreiter
Rund zehn Tage später entdeckten Mitarbeiter eine weitere verletzte Stute. Das Tier wies äußere und innere Verletzungen auf und starb später daran.
Insgesamt wurden bislang sechs Pferde angegriffen, drei verendeten. Nach Angaben der Polizei reicht die Serie bis zum 11. Oktober. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Angriffe in den Nachtstunden geschahen, erklärt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock, auf Nachfrage der OAZ.
Wertvolle Zuchtstuten im Visier
Bei den betroffenen Tieren handelte es sich durchweg um Zuchtstuten mit einem Wert im fünfstelligen Euro-Bereich. Die Mehrzahl war tragend.
„Fest steht, dass die Pferde von Menschen angegriffen wurden und massivste Verletzungen erlitten“, sagte die Polizeisprecherin.
Die genauen Tatzeitpunkte hält die Polizei bewusst zurück. „Die genauen Daten der Angriffe auf die Pferde haben wir nicht angegeben, weil das Täterwissen ist. Der erste Angriff fand Mitte September statt, der letzte am 11. Oktober.“
Welche Straftaten die Polizei prüft
Die Ermittler gehen dem Verdacht von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz sowie der Sachbeschädigung nach. Die Ermittlungen laufen bereits seit der ersten Tat.
Ob es Verbindungen zu ähnlichen Fällen gibt, ist Teil der Untersuchung. Nach jetzigem Stand schließt die Polizei einen Zusammenhang mit einer anderen aktuellen Angriffsserie in der Altmark weitgehend aus.
Gestüt ist eine der größten Sportpferdezuchten Europas
Das betroffene Gestüt Lewitz ist keine kleine Hobbyzucht, sondern eine der bedeutendsten Sportpferdezuchten überhaupt. Gegründet wurde es 1992 vom früheren Springreiter Paul Schockemöhle, der auf dem rund 3000 Hektar großen Gut seine Zuchtvision verwirklichte.
Heute leben dort rund 4000 Stuten und Jungpferde. Jährlich kommen etwa 1000 Fohlen zur Welt. Betreut werden die Tiere von einem Team aus mehr als 250 Mitarbeitern und 15 Tierärzten. Zur Anlage gehört sogar eine eigene Tierklinik.
Der frühere Pferdesportler Paul Schockemöhle ist Besitzer des Gestüts Lewitz in Mecklenburg-Vorpommern, einer der wichtigsten Pferdezuchten Europas.
© Bernd Wüstneck/dpa
Gezüchtet werden gezielt Pferde für den gehobenen Spring- und Dressursport. Die Basis bilden laut Gestüt seit Generationen erfolgreiche Stutenstämme, angepaart mit eigenen oder herausragenden Fremdhengsten aus ganz Europa. Pferde „made by Lewitz“ finden sich nach Angaben des Betriebs in den Siegerlisten internationaler Turniere rund um den Globus.
Das erklärt auch, warum es sich bei den getöteten und verletzten Tieren um besonders wertvolle Zuchtstuten handelt: Die Lewitz gilt als „Kinderstube“ künftiger Championatspferde.
Kein Zusammenhang mit den Fällen in der Altmark
Rund 100 Kilometer südlich, in der Altmark in Sachsen-Anhalt, werden derzeit ebenfalls Pferde mit Messern verletzt. Doch beide Serien dürften nichts miteinander zu tun haben: Die Polizei in MV geht davon aus, dass hinter den Taten bei Neustadt-Glewe ein anderer Täter oder eine andere Tätergruppe steckt als in der Altmark.
Angriffe auf Pferde – ein bundesweites Phänomen
Der Fall bei Neustadt-Glewe reiht sich in eine Serie von Attacken auf Pferde ein, die 2026 deutschlandweit für Entsetzen sorgten. Im Kreis Höxter etwa wurde zwischen Juni und August gleich viermal zugeschlagen: In Marienmünster-Altenbergen mussten Fohlen mit tiefen Schnittwunden behandelt werden, ein Jungtier starb. Die Pferdehalter organisierten daraufhin Nachtwachen.
Weitere Fälle gab es unter anderem in Norderstedt, wo ein Unbekannter auf ein Pferd schoss, sowie in Aurich, wo ein angeschossenes Pferd verendete. Die Tierrechtsorganisation Peta fordert ein behördliches Register, um solche Taten besser aufzuklären. Laut Peta vermuten Forensiker bei vielen Tätern psychische Probleme, sexuelle Störungen und sadistische Gewaltfantasien.
Fazit
Die Serie verletzter Pferde bei Neustadt-Glewe ist einer der schwersten Tierquälerei-Fälle in diesem Jahr. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Seit Mitte September wurden rund um das Gestüt Lewitz sechs Pferde angegriffen, drei starben. Betroffen waren ausschließlich Zuchtstuten mit einem Wert im fünfstelligen Euro-Bereich, die Mehrzahl trächtig.
Die Angriffe geschahen vermutlich nachts, der letzte am 11. Oktober. Die Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung. Das Gestüt hat 10.000 Euro Belohnung ausgelobt.
Haben Sie in den vergangenen Wochen etwas Auffälliges an den Weiden rund um das Gestüt Lewitz bemerkt? Melden Sie sich bei der Polizei Schwerin unter 0385 51804801, bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache der Polizei.
Je mehr Menschen ihre Beobachtungen melden, desto größer die Chance, dass die Täter nicht erneut zuschlagen.
Häufige Fragen
Wie viele Pferde wurden bei Neustadt-Glewe angegriffen?
Bislang wurden sechs Pferde angegriffen. Drei der Tiere starben an ihren Verletzungen.
Um welche Art von Pferden handelte es sich?
Ausnahmslos um Zuchtstuten mit einem Wert im fünfstelligen Euro-Bereich. Die Mehrzahl der Stuten war tragend.
Wann fanden die Angriffe statt?
Der erste Angriff war Mitte September, der letzte am 11. Oktober. Die Polizei geht davon aus, dass die Taten in den Nachtstunden geschahen.
Wegen welcher Delikte wird ermittelt?
Die Kriminalpolizeiinspektion Schwerin und die Staatsanwaltschaft Schwerin ermitteln wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz sowie wegen Sachbeschädigung.
Gibt es eine Belohnung für Hinweise?
Ja. Der Betreiber des Gestüts hat für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, 10.000 Euro ausgelobt.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]