Die Anzahl der überschuldeten Haushalte ist 2025 in Deutschland deutlich angestiegen. Inzwischen können über 5,6 Millionen Menschen ihre Schulden nicht mehr bedienen. Laut den neuesten Daten des Schuldneratlas stieg die Zahl der Betroffenen erstmals seit acht Jahren wieder an.
Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, fasst es in der Pressemitteilung prägnant zusammen: „Nach Jahren des Angst-Sparens sind die finanziellen Puffer vieler Menschen schlicht aufgebraucht.“ Zum Stichtag 1. Oktober 2025 waren in Deutschland 5,67 Millionen Menschen überschuldet. Das waren rund 111.000 mehr als im Vorjahr. Die Überschuldungsquote stieg damit auf 8,16 Prozent. Creditreform rechnet damit, dass sich der negative Trend 2026 fortsetzen wird.
Junge und Ältere besonders gefährdet
Überdurchschnittlich stark betroffen sind junge Menschen unter 30 Jahren sowie Ältere über 60. „Die Jungen stolpern über Konsumverhalten, die Älteren über strukturelle Knappheit“, erklärte Creditreform-Geschäftsführer Bernd Bütow. Beide Gruppen hätten kaum Spielraum bei unvorhergesehenen Ausgaben.
Besonders betroffen von Überschuldung sind Männer. Sie stellen 61 Prozent der Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten. Hintergrund sei vor allem die überproportionale Betroffenheit bei Insolvenzen in Folge von Selbstsständigkeit.
Die Gründe für finanzielle Probleme liegen meist nicht in einem ausschweifenden Lebensstil. Die Haupttreiber sind Erkrankungen und Unfälle; dazu zählen auch Suchterkrankungen, sowie Arbeitslosigkeit. Die Haushalte mit Zahlungsschwierigkeiten sind durchschnittlich mit 33.500 Euro verschuldet.
Hohe regionale Unterschiede bei der Überschuldung
Regional zeigen sich erhebliche Unterschiede: Bayern weist mit 6,05 Prozent die niedrigste Überschuldungsquote auf, Bremen mit 12,11 Prozent die höchste. Berlin liegt mit 10,01 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt, verzeichnet aber rund 60.000 Fälle weniger als noch 2020.
Innerhalb Berlins variieren die Quoten stark: Spandau bleibt mit 12,81 Prozent der am stärksten betroffene Bezirk, während Steglitz-Zehlendorf nur 6,42 Prozent aufweist. In Brandenburg führt die Stadt Brandenburg an der Havel mit 12,34 Prozent, Potsdam-Mittelmark liegt bei lediglich 5,38 Prozent. (mit epd)
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