Südkaukasus

Historischer Besuch: US-Vizepräsident Vance schließt Nuklearabkommen mit Armenien

Erstmals hat ein amtierender US-Vizepräsident Armenien besucht. JD Vance unterzeichnete ein Nuklearabkommen und warb für einen Transitkorridor durch das Land.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min

US-Vizepräsident JD Vance ist am Montag in Jerewan, der Hauptstadt von Armenien eingetroffen und hat dort ein Nuklearabkommen unterzeichnet. Er ist damit der erste amtierende US-Vizepräsident oder Präsident, der das Land bereist hat. Es handelt sich um das sogenannte „123-Abkommen“, welches den USA erlaubt, Nukleartechnologie und -ausrüstung an andere Länder zu lizenzieren.

Die Vereinbarung soll Armenien den Zugang zu amerikanischer Atomtechnologie ermöglichen und ist Teil der Bemühungen der Trump-Regierung, einen Friedensvertrag zwischen Armenien und Aserbaidschan zu finalisieren.

Laut Vance bezieht sich das Abkommen auf kleine modulare Reaktoren und würde US-Exporte im Wert von bis zu fünf Milliarden US-Dollar sowie weitere vier Milliarden US-Dollar für langfristige Brennstoff- und Wartungsverträge ermöglichen.

Verhandelt wurde auch zu Computerchips und Drohnen

Armenien betreibt derzeit das veraltete, russisch gebaute Atomkraftwerk Metsamor und sucht nach Alternativen. Das Abkommen verpflichtet das Land allerdings nicht zum Kauf amerikanischer Technologie – auch russische, chinesische, französische und südkoreanische Anbieter stehen zur Auswahl.

Neben dem Nukleardeal kündigte Vance an, die USA seien bereit, fortschrittliche Computerchips und Überwachungsdrohnen an Armenien zu liefern sowie in die Infrastruktur des Landes zu investieren.

Transitkorridor jahrelanger Streitpunkt

Ein zentrales Anliegen der Trump-Regierung ist der Bau eines Schienen- und Straßenkorridors durch armenisches Territorium. Das Projekt trägt den Namen „Trump Route for International Peace and Prosperity“ und soll Aserbaidschan mit seiner Exklave Nachitschewan verbinden, die durch einen etwa 32 Kilometer breiten armenischen Gebietsstreifen abgetrennt ist.

Dieser Korridor war jahrelang ein Hauptstreitpunkt im Konflikt zwischen beiden Ländern um die Region Bergkarabach. Ethnisch-armenische Kräfte kontrollierten das Gebiet seit 1994, bis Aserbaidschan es in zwei Militäroperationen 2020 und 2023 vollständig zurückeroberte. Die meisten der 120.000 armenischen Bewohner flohen daraufhin.

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Im August 2025 hatten Paschinjan und der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew im Weißen Haus Vereinbarungen unterzeichnet, die den Weg zu einem Friedensvertrag ebnen sollen. Die Außenminister signierten den Vertragstext, eine endgültige Unterzeichnung steht jedoch noch aus.

Armenien wendet sich von Moskau ab

„Frieden wird nicht von vorsichtigen Menschen gemacht“, sagte Vance in Jerewan. „Frieden wird von Menschen gemacht, die auf die Zukunft fokussiert sind.“ Paschinjan bezeichnete den Besuch als „von wahrhaft historischer und symbolischer Bedeutung“ und erklärte, beide Länder seien „sehr nah“ an einem dauerhaften Frieden.

Der armenische Regierungschef kündigte zudem an, er werde am 19. Februar an der ersten Sitzung von Trumps „Board of Peace“ in Washington teilnehmen. Jener Gruppe, die unter anderem den Waffenstillstand im Gazastreifen überwacht.

Vance reist am Dienstag weiter nach Aserbaidschan. Die Trump-Regierung nutzt die zunehmende Distanz ehemaliger Sowjetstaaten zu Russland, um den amerikanischen Einfluss in der strategisch wichtigen Südkaukasus-Region auszubauen. Armenien hat sein Sicherheitsabkommen mit Moskau eingefroren und sucht stattdessen engere Beziehungen zu den USA und der EU.

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