Die USA haben sich im vergangenen Jahr nahezu vollständig aus der finanziellen und militärischen Unterstützung der Ukraine zurückgezogen. Europa ist eingesprungen. Besonders stark fällt dabei das Engagement Deutschlands ins Gewicht. Nach aktuellen Haushaltsplanungen soll die deutsche Ukraine-Hilfe im kommenden Jahr auf rund 11,5 Milliarden Euro steigen.
Trotz des Rückzugs der Vereinigten Staaten blieb das Gesamtvolumen der internationalen Hilfen 2025 relativ stabil. Das zeigt der aktuelle „Ukraine Support“ des Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW). Demnach gleichen europäische Staaten die ausbleibenden US-Mittel weitgehend aus. Die Finanzierung konzentriert sich jedoch zunehmend auf wenige große Zahler – allen voran Deutschland.
Nach Angaben des IfW stiegen die europäischen Militärhilfen 2025 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2024 um 67 Prozent. Die finanzielle und humanitäre Unterstützung legte um 59 Prozent zu. Damit kompensierte Europa weitgehend den Wegfall der US-Hilfen, auch wenn das Niveau der militärischen Zusagen insgesamt noch 13 Prozent unter dem Durchschnitt der Vorjahre lag.
Deutschland trägt Großteil der europäischen Militärhilfe
Besonders stark engagieren sich laut den Kieler Daten wenige Länder in West- und Nordeuropa. Westeuropa stellte 2025 rund 62 Prozent der europäischen Militärhilfen. Getragen wurde dieser Anstieg vor allem von Deutschland und dem Vereinigten Königreich. Nordeuropa kam auf rund ein Drittel der Militärhilfen, obwohl diese Länder nur acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts der erfassten europäischen Geberstaaten ausmachen.
Ost- und Südeuropa spielen dagegen kaum noch eine Rolle. Ihr Anteil an den Militärhilfen sank zwischen 2022 und 2025 von zusammen 24 Prozent auf fünf Prozent. Die Last der Unterstützung verteilt sich damit zunehmend auf wenige große Zahler.
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EU-Ebene wird zum zentralen Geldkanal
Bei den finanziellen und humanitären Hilfen dominiert inzwischen die europäische Ebene. Rund 90 Prozent dieser Mittel wurden 2025 über EU-Institutionen vergeben. Allein die EU stellte nach Angaben des IfW 35,1 Milliarden Euro bereit. Ende 2025 vereinbarten die Mitgliedstaaten zudem neue Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro.
„Der wachsende Finanzbedarf der Ukraine wird nun größtenteils durch Darlehen und Zuschüsse auf EU-Ebene finanziert“, sagte Christoph Trebesch, Leiter des Ukraine Support Trackers. Die Finanzierung orientiere sich dabei am jeweiligen Anteil der Staaten am Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union. Bei den Militärhilfen gebe es eine solche faire Lastenteilung jedoch nicht.
Wagenknecht spricht von „Veruntreuung von Steuergeld“
Die stark wachsende Rolle Deutschlands stößt auf scharfe Kritik aus der Opposition. Sahra Wagenknecht, Vorsitzende des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), reagierte mit deutlichen Worten auf die neuen Zahlen aus Kiel: „Die Bundesregierung macht den deutschen Steuerzahler zum Kriegsfinanzier Nummer eins. Anstatt ernsthaft an einem Friedensplan zu arbeiten und auch vom ukrainischen Präsidenten Kompromissbereitschaft einzufordern, stellt die Bundesregierung der Ukraine einen Blankoscheck nach dem nächsten aus“.
Die BSW-Vorsitzende kritisierte, die zusätzlichen Milliarden würden keinen Frieden fördern, sondern den Krieg verlängern. Während die Bundesregierung im Inland Kürzungen vorbereite, würden in der Ukraine Abermilliarden an deutschem Steuergeld eingesetzt. Die Ukraine-Finanzierung sei aus ihrer Sicht inzwischen eine „Veruntreuung von deutschem Steuergeld“, deren Folgen vor allem die ukrainische Zivilbevölkerung mit weiterem Leid und steigenden Opferzahlen trage.
Wenige Länder leisten immer mehr
Das IfW sieht in den aktuellen Zahlen eine strukturelle Schieflage. Während Finanzhilfen zunehmend gemeinschaftlich über die EU organisiert werden, hängt die Militärhilfe weiterhin von bilateralen Zusagen einzelner Staaten ab. Dadurch wachse die Belastung für Länder wie Deutschland weiter.
„Einige wenige Länder leisten immer mehr“, sagte Trebesch. Diese Entwicklung verstärke die politische Debatte darüber, wie lange und in welchem Umfang einzelne Staaten bereit sind, die Ukraine finanziell und militärisch zu unterstützen.
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