Die USA wollen ihre noch rund 1000 in Syrien befindlichen Soldaten vollständig aus dem Land abziehen und damit einen etwa zehnjährigen Einsatz in dem Land beenden, wie das Wall Street Journal und der US-Sender CBS am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtete. Die Stützpunkte Al Tanf und Al‑Shaddadi sind bereits geräumt, der Rest soll demnach binnen zwei Monaten folgen.
Die Truppen waren ursprünglich entsandt worden, um die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu bekämpfen. Der Abzug steht laut Wall Street Journal nicht im Zusammenhang mit der verstärkten US‑Militärpräsenz gegenüber dem Iran, sondern hängt mit der vereinbarten Integration der kurdisch geführten SDF in staatliche Strukturen zusammen. Gründe für den Abzug sind laut Wall Street Journal auch Gefahren durch extremistische Elemente in Syriens Sicherheitskräften – nachdem im Dezember zwei US‑Soldaten und ein Dolmetscher getötet wurden.
Strategiewechsel in Washington
Die US-Soldaten waren seit dem Jahr 2015 vor allem im Nordosten Syriens stationiert und unterstützten dort die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im Kampf gegen den IS. Die militärische Partnerschaft zwischen den USA und den Kurden war jedoch stets ein pragmatisches Zweckbündnis: Washington brauchte am Boden verlässliche Partner gegen den IS, während die Kurden auf militärische Unterstützung und internationale Rückendeckung setzten. Mit dem Rückzug der US-Truppen steht dieses fragile Bündnis nun vor dem faktischen Ende.
Der Abzug erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Syrien sich in einer politischen Übergangsphase befindet. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad im Dezember 2024 durch eine von der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) angeführte Offensive regiert in Damaskus eine Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa, dem früheren HTS-Anführer.
Die Türkei wiederum betrachtet die kurdischen YPG-Milizen, die das Rückgrat der SDF bilden, als Terrororganisation und hat wiederholt mit einer Militäroffensive gedroht. Ohne US-Präsenz fehlt der SDF ein möglicher Schutzschild.
Kurdische Selbstverwaltung unter Druck
In mehreren Regionen Syriens kommt es weiterhin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Kräften und sowohl regierungsnahen Milizen als auch regulären Truppen. Kurdische Vertreter werfen den Regierungseinheiten vor, vereinbarte Waffenruhen zu brechen und systematisch Druck auf kurdische Gebiete auszuüben, während Milizen im Verbund mit der Übergangsregierung die Selbstverwaltung der Kurden immer weiter zurückdrängen. Auch das Risiko eines Wiedererstarkens des IS wird von Sicherheitsexperten als real eingestuft.
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