Sicherheit

Sprunghafter Anstieg: Mehr Drohnenflüge über Berlins Gefängnissen

Bisher war es kein Thema. Doch im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Überflüge stark an. Was steckt dahinter?

3 Min
Die Zahl der Drohnenflüge über Berliner Gefägnisse ist im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen.

Die Zahl der Drohnenflüge über Berliner Gefägnisse ist im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen.

© Jan Woitas

Die Zahl der Drohnenflüge über Berliner Gefängnissen ist im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen. Wurden 2023 noch ein einziger und 2024 lediglich zwei Drohnenüberflüge registriert, zählten die Behörden zuletzt 15 Vorfälle. Das geht aus einer Antwort der Justizverwaltung auf eine Anfrage der AfD hervor. Neun der Sichtungen entfielen allein auf die JVA Heidering im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming, deren ländliche Lage offenbar günstige Bedingungen für unbemerkte Überflüge bietet. Die Dunkelziffer gilt als hoch.

„Drohnenflüge sind ein ernstes Problem, mit dem wir uns in Zukunft intensiver beschäftigen müssen“, warnt Thomas Goiny, Berliner Landesvorsitzender des Bunds der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD). Auch andere Bundesländer hätten zuletzt steigende Zahlen gemeldet, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

Drogenschmuggel als einziges Motiv

Für Goiny gibt es nur einen Grund für die Überflüge: den „zutiefst lukrativen Drogenschmuggel hinter Gittern“. Moderne Drohnen könnten bis auf wenige Zentimeter an Zellenfenster heranfliegen und ließen sich so programmieren, dass der Pilot nicht einmal in der Nähe sein müsse. „50 Gramm Heroin reichen aus, um in den Anstalten für Unruhe zu sorgen“, so der Gewerkschafter. Neben Drogen würden auch Mobiltelefone auf diesem Weg eingeschleust.

Das Drogenproblem in Berlins Gefängnissen ist bereits massiv: Allein im vergangenen Jahr wurden laut Justizverwaltung insgesamt rund 11.360 Gramm Rauschgift in den Anstalten sichergestellt. Suchtkranke Inhaftierte gelten zudem als wesentlicher Faktor für den Anstieg der Gewalt gegen Justizvollzugsbeamte.

Andere Motive für die Drohnenflüge schließt Goiny aus. Da sämtliche deutschen Gefängnisse über Google Earth einsehbar seien, entfalle das Motiv der Auskundschaftung. Auch einen Zusammenhang mit Drohbriefen und gezielten Autobränden gegen Justizvollzugsbeamte sieht er nicht. „Unsere Erfahrung sagt, dass Bedrohungen verbal und direkt erfolgen. Dazu braucht es keine Technik“, erklärt er.

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Denkmalschutz und Naturschutz blockieren Lösungen

Technisch und baulich wären Gegenmaßnahmen durchaus denkbar – doch in der Praxis scheitern sie an verschiedenen Vorschriften. Netze über den Gefängnishöfen etwa verbiete der Naturschutz, um Vögel nicht zu gefährden, so Goiny. Sein eigener Vorschlag: Die Fenstervergitterung der Zellen so umbauen, dass Inhaftierte nicht mehr hinausgreifen können, und den Abstand zwischen Fenster und Gitter vergrößern.

Doch auch hier stößt die Praxis an Grenzen. „Der Denkmalschutz macht uns einen Strich durch die Rechnung“, beklagt der BSBD-Landesvorsitzende. Berlins größte Justizvollzugsanstalten stammen größtenteils noch aus dem 19. Jahrhundert. „Ich mag alte Gebäude wie jeder andere auch, aber ich plädiere gerade im öffentlichen Dienst dafür, bei den starren Regeln umzudenken“, fordert Goiny.

Auch elektronische Abwehr ist keine Option

Das Stören von Funkverbindungen oder der Einsatz eigener Abfangdrohnen kommen laut Justizverwaltung ebenfalls nicht infrage. Solche technischen Maßnahmen seien „nicht vorbehaltslos für Liegenschaften geeignet, in denen sich auch im Außenbereich viele Menschen aufhalten“, teilte die Verwaltung mit. Die geltenden Flugverbotszonen – über und in einem seitlichen Abstand von 100 Metern um Justizvollzugsanstalten – lassen sich demnach mit den verfügbaren Mitteln praktisch nicht durchsetzen.

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