Strafvollzug

Tausende Häftlinge schlafen auf dem Boden: Frankreichs Gefängnisse so überfüllt wie nie

Steigende Zahl an Inhaftierungen: Die Überbelegung französischer Gefängnisse ist auf einem neuen Höchststand. Der Europarat übt an den Zuständen in den maroden Haftanstalten scharfe Kritik.

Peter Steiniger
3 Min
Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin will die Zahl der Häftlinge nicht regulieren.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin will die Zahl der Häftlinge nicht regulieren.

© Mario Salerno

Zum Stichtag 1. Februar 2026 befanden sich 86.645 Menschen in französischen Haftanstalten – bei 63.289 verfügbaren Plätzen. Wie aus Daten des Justizministeriums hervorgeht und die Nachrichtenagentur AFP berichtet, entspricht dies einer Belegungsquote von 136,9 Prozent.

Die Folge: 6596 Gefangene müssen auf einer Matratze am Boden schlafen. Vor einem Jahr lag diese Zahl noch bei 4490 – ein Anstieg um 47 Prozent. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 5046 Häftlinge hinzu, während nur 1643 zusätzliche Haftplätze geschaffen wurden.

Besonders betroffen sind die sogenannten Maisons d’arrêt, also Untersuchungshaftanstalten, in denen Personen auf ihren Prozess warten und bis zu einem rechtsgültigen Urteil als unschuldig gelten. Auch Täter mit kurzen Haftstrafen sitzen hier ein. Die Belegungsquote liegt dort laut den Daten bei 167 Prozent. In 25 Einrichtungen landesweit wird sogar die 200-Prozent-Marke überschritten.

Europarat warnt vor „menschlichen Lagerhäusern“

In Europa steht Frankreich damit fast am Ende der Skala. Laut einer im Juli veröffentlichten Studie des Europarats weisen nur Slowenien und Zypern eine noch kritischere Lage auf.

Ende Januar hatte das Komitee zur Verhütung von Folter des Europarats den Zustand französischer Gefängnisse in einem Bericht über Besuche aus dem Jahr 2024 scharf kritisiert und vor einer Entwicklung hin zu „menschlichen Lagerhäusern“ gewarnt.

Mehrfach wurde Frankreich vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen seiner Haftbedingungen verurteilt. Gewerkschaften und Fachleute aus dem Strafvollzug beschreiben laut der Tageszeitung Le Monde ein System am Rande des Zusammenbruchs, geprägt von chronischem Personalmangel und maroden Einrichtungen.

Justizminister will bauen statt regulieren

Justizminister Gérald Darmanin kündigte Anfang Januar an, der  Überbelegung mit dem Bau neuer Haftanstalten begegnen zu wollen. Innerhalb von 18 Monaten sollen 3000 zusätzliche Plätze in modularen Gefängnissen entstehen.

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Eine Steuerung der Häftlingszahlen – etwa durch weniger Inhaftierungen oder erleichterte Entlassungen – lehnte er ausdrücklich ab. Kritiker verweisen darauf, dass ein bereits 2018 gestartetes Bauprogramm bislang nur 4500 der geplanten 15000 Plätze gebracht hat, wie das Ministerium im Sommer 2025 selbst einräumte.

Die Überbelegung ist nicht zuletzt eine Folge der politischen Linie der Regierung, die zu längeren Haftstrafen und weniger Hausarrest mit elektronischen Fußfesseln führt. Bei Kleindelikten und Drogenfällen ordnen Frankreichs Richter häufiger Untersuchungshaft an als in der Vergangenheit.

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