China hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einem der wichtigsten Geldgeber für maritime Infrastruktur weltweit entwickelt. Laut einer aktuellen Studie des US-Forschungslabors AidData an der Universität William & Mary flossen seit dem Jahr 2000 rund 23,9 Milliarden US-Dollar in 363 Hafenprojekte an 168 Standorten in 90 Ländern. Die Investitionen reichen vom Bau neuer Terminals über die Erweiterung bestehender Anlagen bis zur Lieferung von Ausrüstung wie Containerkränen.
Die Studie mit dem Titel „Anchoring Global Ambitions“ erscheint in einer Zeit geopolitischer Spannungen: Erst kürzlich übernahm Panama die Kontrolle über zwei Häfen am Panamakanal, nachdem das Oberste Gericht die Konzession des Hongkonger Betreibers CK Hutchison für ungültig erklärt hatte, wie Business Standard berichtet. Washington begrüßte den Schritt als Maßnahme gegen chinesischen Einfluss an der strategischen Wasserstraße.
Investitionen als Absicherung
Die Forscher sehen in den Hafeninvestitionen eine Absicherung Pekings gegen eine mögliche Entkopplung der Lieferketten zwischen Ost und West. „Chinas nahezu allgegenwärtige Präsenz in den wichtigsten Häfen der Welt bedeutet, dass die USA sich derzeit nicht von chinesischen Lieferketten abschotten können – weder in Friedens- noch in Konfliktzeiten“, heißt es laut South China Morning Post in dem Bericht.
Rund 45 Prozent der Mittel fließen laut AidData in Projekte in einkommensstarken Ländern wie Australien, Spanien oder Singapur. Zu den am stärksten finanzierten Standorten gehören der Hafen Hambantota in Sri Lanka (1,97 Milliarden Dollar), die australischen Häfen Newcastle und Melbourne sowie der Hafen von Haifa in Israel.
Handelslogistik im Fokus
Laut der Analyse von AidData beinhalten etwa 35 Prozent der finanzierten Projekte eine chinesische Beteiligung am Betrieb oder an der Eigentümerschaft. Staatliche Unternehmen wie COSCO Shipping Ports betreiben Terminals an Dutzenden Häfen weltweit. Diese operative Rolle ermöglicht Einfluss auf Schiffsfahrpläne, Logistik und Liegeplatzverteilung, wie Business Standard berichtet.
Die Studie stellt fest, dass an mehr als der Hälfte der Häfen mit chinesischer Beteiligung auch chinesische Marineaktivitäten wie Hafenbesuche oder Übungen stattgefunden haben. Gleichzeitig betonen die Forscher, es gebe kaum Belege dafür, dass Peking diese Anlagen systematisch in Marinestützpunkte umwandle – der Schwerpunkt liege auf Handelslogistik.
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