Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern stehen unter massivem wirtschaftlichem Druck. Karsten Trunk, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, warnte vor dem diesjährigen Bauerntag in Linstow vor den teils drastischen Folgen internationaler Krisen für die heimische Landwirtschaft. „Die Lage ist ernst: Diesel und Dünger haben Preise erreicht, die wir uns vor wenigen Jahren nicht hätten vorstellen können“, sagte Trunk der Deutschen Presse-Agentur.
Besonders die Düngemittelpreise haben sich nach Angaben des Bauernpräsidenten dramatisch entwickelt. „Teilweise kostet er heute das Fünffache – und das genau dann, wenn wir ihn zur Frühjahrsbestellung am dringendsten brauchen. Für viele Betriebe steht das Wasser inzwischen spürbar bis zum Hals“, erklärte Trunk. Die Landwirtschaft arbeite mit langen Vorläufen, und die Landwirte finanzierten die Arbeit oft ein ganzes Jahr im Voraus. Wenn diese Kosten plötzlich ein Vielfaches betragen, gehe die Kalkulation für viele Höfe schlicht nicht mehr auf.
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Hintergrund der Preisexplosion ist unter anderem die Blockade der Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges. Über die strategisch zentrale Meerenge im Persischen Golf werden nicht nur Öl und Gas, sondern auch Düngemittel transportiert. Durch die Blockade fehlen diese Rohstoffe auf den Weltmärkten, was die Preise nach oben treibt. Die internationalen Harnstoffpreise sind laut Green-Markets-Daten bereits um rund 40 Prozent gestiegen. „Internationale Konflikte treiben die Energiepreise, Lieferketten geraten ins Wanken – und die Folgen spüren wir direkt auf unseren Äckern“, so Trunk.
Steigende Lebensmittelpreise absehbar
Die Lage wird nun zusätzlich durch Chinas Entscheidung verschärft, seine Düngemittel-Exporte nahezu vollständig zu stoppen. Wie Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, hat Peking Exporteure angewiesen, Lieferungen von Stickstoff-Kalium-Mischungen und bestimmten Phosphatdüngern einzustellen und bestehende Beschränkungen für Harnstoff zu bekräftigen. Laut Reuters sind damit zwischen der Hälfte und drei Vierteln der chinesischen Düngemittelausfuhren blockiert – potenziell bis zu 40 Millionen Tonnen.
Die gestiegenen Kosten für Dünger und Energie dürften sich mit Verzögerung auch auf die Lebensmittelpreise im Supermarkt auswirken. Denn Düngemittel sind eine Schlüsselkomponente im Ackerbau – ohne sie fallen die Erträge bei Getreide, Raps oder Zuckerrüben deutlich geringer aus. Steigen die Produktionskosten auf dem Feld, geben die Erzeuger diese in der Regel an Verarbeiter und Handel weiter. Betroffen wären nach Obst und Gemüse zunächst Grundnahrungsmittel wie Brot, Mehl und Nudeln, deren Herstellung unmittelbar von Getreidepreisen abhängt. Da Getreide zugleich als Tierfutter dient, ist in den kommenden Monaten auch mit steigenden Preisen bei Fleisch, Milchprodukten und Eiern zu rechnen. Auch Zucker und Pflanzenöle, deren Produktion energieintensiv ist, dürften teurer werden. Weniger stark betroffen dürften regional erzeugte, wenig verarbeitete Produkte sein – doch auch hier wirken die höheren Energiekosten langfristig preistreibend.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen gehören zu den zentralen Themen, die 133 Delegierte aus 15 Kreis- und Regionalverbänden beim Bauerntag in Linstow beschäftigen. Am Vormittag war zunächst eine interne Tagung vorgesehen, am Nachmittag stand das 35-jährige Jubiläum des Landesverbandes im Mittelpunkt. Zu den erwarteten Gästen zählten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sowie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Der 1991 gegründete Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern zählt 1.800 Mitgliedsbetriebe. Laut dem Statistischen Landesamt sind in den insgesamt 4.750 Agrarbetrieben des Bundeslandes rund 21.000 Personen beschäftigt.
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