In Ermstedt bei Erfurt drohen 1000 Tonnen Bio-Kartoffeln zu verrotten, weil die Nachfrage nach regionalen Produkten ausbleibt. Jürgen Fett, Betriebsleiter des Bergkreishofs, hat nun die Aktion „Erfurt rettet Erfurter Kartoffeln“ ins Leben gerufen, um seine Ernte zu verkaufen und die Bevölkerung für den Wert regionaler Waren zu sensibilisieren. Unterstützt wird die Initiative vom Landmarkt Erfurt in der Magdeburger Allee, wo die Kartoffeln der Sorte „Simonetta“ für 50 Cent pro Kilogramm angeboten werden.
Fett betonte, dass es ihm nicht um einen Verdrängungswettbewerb gehe. „Unser Anliegen ist es auch, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Jeder sollte sich die Frage stellen: Was will ich eigentlich essen? Jeder Einkauf ist eine Art Stimmzettel“, sagt Fett und ruft dazu auf, bewusster zu konsumieren. Die Kartoffeln, die in der dunklen Erde von Ermstedt gewachsen sind, haben eine dunklere Schale und stehen optisch im Schatten ihrer Konkurrenz aus anderen Regionen. Verbraucher bevorzugen laut Fett oft Kartoffeln mit heller Schale, obwohl sich die Qualität nicht unterscheidet.
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Die Aktion ist eine Reaktion auf die derzeitige Marktkrise. Im letzten Jahr gab es bundesweit eine Überproduktion von Kartoffeln, während die Nachfrage sank. Viele Landwirte mussten ihre überschüssige Ernte daher an Futtertröge oder Biogasanlagen abgeben. Fett will dies verhindern und setzt auf regionale Kooperationen, obwohl die Logistik große Herausforderungen birgt. So landen seine Kartoffeln häufig in Zentrallagern in Bayern oder Baden-Württemberg, bevor sie wieder zurück nach Erfurt kommen – ein „kurioser Kreislauf“, wie Fett gegenüber der Thüringer Allgemeinen erklärte.
Landmarkt Erfurt verzichtet auf Gewinne
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Um die Aktion zu unterstützen, verzichtet der Landmarkt Erfurt auf Gewinne: Die Kartoffeln werden ohne Händlermarge verkauft. „Wenn alle Erfurter in den nächsten Tagen mehr Kartoffeln essen, sind sie schnell weg“, sagt Fett optimistisch. Die Sorte „Simonetta“, eine festkochende Kartoffel, wird in Fünf-Kilo-Säcken angeboten. Insgesamt entsprechen die 1000 Tonnen 200.000 solchen Netzen.
Der Bergkreishof bewirtschaftet rund 600 Hektar Land und baut neben Kartoffeln auch andere Bio-Produkte wie Rot- und Weißkohl sowie Getreide und Speiselupinen an. Wie Fett betonte, gehe es ihm auch darum, die Bevölkerung für regionale Produkte zu sensibilisieren und gleichzeitig den Wert nachhaltiger Landwirtschaft hervorzuheben.
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