Bergbau

Kaliprojekt im Eichsfeld vor dem Aus? Unternehmen äußert sich

Die Eröffnung des Kalibergwerks im Südharz rückt in weite Ferne. Eine Bürgerinitiative sieht einen Rückzug. Das Unternehmen widerspricht.

OAZ
4 Min
Im Eichsfeld könnte der Kali-Bergbau erneut vor dem Aus stehen. (Symbolbild)

Im Eichsfeld könnte der Kali-Bergbau erneut vor dem Aus stehen. (Symbolbild)

© Paul-Philipp Braun/IMAGO

Die Zukunft des geplanten Kalibergwerks im thüringischen Eichsfeld scheint ungewisser denn je. Die Bürgerinitiative Eichsfeld-Wipperaue wertet jüngste Entwicklungen bei der Südharz Kali GmbH und deren australischer Muttergesellschaft South Harz Potash (SHP) als faktischen Rückzug aus Thüringen. Das Unternehmen selbst weist dies zurück – bleibt aber einen belastbaren Zeit- und Finanzierungsplan schuldig.

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die geplante Umbenennung von South Harz Potash in „Turnstone Resources Ltd.“ sowie eine strategische Neuausrichtung hin zu Kupfer-, Gold- und Seltene-Erden-Projekten in Schweden. Für die Bürgerinitiative ist das ein klares Signal. „Die geplante Umfirmierung bestätigt, dass Thüringen aufgegeben wurde“, erklärte BI-Sprecher Wolfgang Barthel in einer Mitteilung.

SHP-Geschäftsführer Len Jubber widersprach dieser Darstellung auf Nachfrage der Thüringer Allgemeinen deutlich. Die Namensänderung spiegle lediglich eine Wachstumsstrategie für kritische Mineralien in Europa wider, die das deutsche Kalivorhaben ergänzen solle. Eine Ressourcenverlagerung nach Schweden gebe es nicht: „Es gibt keine. Wie bereits in vorherigen Veröffentlichungen erwähnt, wurde unsere Büroinfrastruktur konsolidiert und befindet sich seit dem vierten Quartal 2025 in Bernterode“, so Jubber.

„Akut angespannte Liquidität“ beim Unternehmen

Doch die finanzielle Lage gibt der Bürgerinitiative zusätzliche Argumente. Die BI verweist auf eine „akut angespannte Liquidität“ bei South Harz Potash zum Stichtag 31. Dezember 2025 sowie auf eine bilanzielle Überschuldung der deutschen Tochtergesellschaft Südharz Kali GmbH. Das Unternehmen weise ein negatives Eigenkapital auf, was ein Risiko in Richtung Insolvenzreife darstelle, so Barthel. Zudem kritisierte die Initiative „umfangreiche Vergütungs- und Optionsprogramme für Führungspersonen“. In der Summe ergebe sich „das Bild einer Börsenstory ohne tragfähige Industrialisierungsbasis in Thüringen“.

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Jubber entgegnete, die Südharz Kali GmbH sei seit 2016 erfolgreich in Thüringen tätig. Das Unternehmen werde von der Muttergesellschaft finanziert, und dies werde auch weiterhin so bleiben. Man setze „alles daran, das Potenzial der Thüringer Kalivorkommen zu sichern und auszubauen“, trotz derzeit schwacher Marktpreise. Parallel suche man einen strategischen Entwicklungspartner und prüfe EU-Fördermöglichkeiten, etwa im Rahmen der europäischen Verordnung zu kritischen Rohstoffen (CRMA – Critical Raw Materials Act). Zudem habe Südharz Kali eine Steuervergünstigung über die Bescheinigungsstelle Forschungszulage beantragt – allerdings ausschließlich für in früheren Jahren angefallene Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Neue, konkret finanzierte Vorhaben nannte das Unternehmen nicht.

Die Bürgerinitiative äußerte zudem Bedenken mit Blick auf eine Förderung des Projekts durch die Politik: Öffentliche Fördermittel für das Vorhaben seien „haushaltsriskant“ und „fehlplatziert“, solange das Projekt in Deutschland ruhe und der Fokus nach Schweden wandere. Barthel forderte „klare politische Konsequenzen“ und „volle Transparenz über Risiken und Verantwortlichkeiten“.

Massive Proteste gegen oberirdische Anlagen

Die Initiative hatte bereits im Vorfeld kritisiert, dass Teile von Politik und Verwaltung den Projektversprechen zu viel Vertrauen entgegengebracht hätten. Alles hätte kritischer, transparenter und unabhängiger geprüft werden müssen. Darüber hinaus verlangt die Initiative, Bergbaulizenzen zugunsten des Landes zu sichern, um zu verhindern, dass Abbaurechte zur bloßen Handelsware werden. Ebenso müssten Rückbau- und Sicherungsleistungen geprüft werden, um „herrenlose Bergwerksrisiken“ zu vermeiden.

Die ursprünglichen Pläne von Südharz Kali sahen vor, im Ohmgebirge jährlich 4,5 Millionen Tonnen Rohsalz zu fördern. Das Vorhaben hatte in Bernterode und anderen Orten des nordthüringischen Eichsfelds massive Proteste ausgelöst. Insbesondere die geplanten oberirdischen Produktionsanlagen und deren mögliche Auswirkungen auf Umwelt und Lebensqualität stießen auf Widerstand. Bei Demonstrationen und öffentlichen Kundgebungen beteiligte sich ein Großteil der Dorfbewohner. Die Region hatte nach dem Ende des DDR-Kalibergbaus Anfang der 1990er-Jahre – besonders geprägt durch den Hungerstreik der Bergleute im benachbarten Bischofferode – einen schmerzhaften Strukturwandel durchlaufen und sich wirtschaftlich neu ausgerichtet. „Heute setzen wir auf Tourismus. Gruben hat hier niemand mehr auf dem Schirm“, sagte Barthel.

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