Die israelische Armee soll den weiterhin von ihr kontrollierten Süden des Libanon nach Inkrafttreten der Waffenruhe in drei Zonen aufgeteilt haben. Das berichtete die israelische Tageszeitung Jediot Achronot. Die Armee selbst habe sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Bericht geäußert, so die Nachrichtenagentur dpa.
Die sogenannte rote Linie umfasse dem Bericht zufolge die unmittelbar an der israelisch-libanesischen Grenze gelegenen Dörfer. Die meisten Gebäude dort seien bereits zerstört, Kämpfer der Hisbollah-Miliz hielten sich nach Angaben der Zeitung in diesem Gebiet nicht mehr auf. In einzelnen Ortschaften hätten israelische Bodentruppen feste Stellungen bezogen.
Die zweite, als gelbe Linie bezeichnete Zone, verlaufe sechs bis zehn Kilometer von der Grenze entfernt und soll laut Jediot Achronot dem im Gazastreifen angewandten Modell folgen. In diesem Abschnitt, der dutzende Dörfer einschließe, solle vor allem Raketenbeschuss auf Nordisrael unterbunden werden. Israelische Bodentruppen seien dort weiter im Einsatz, vereinzelt komme es im Bereich der Hisbollah-Hochburg Bint Dschubail noch zu Gefechten.
Die dritte Zone reiche bis zum rund 30 Kilometer entfernten Litani-Fluss. Dort wolle die Armee ihre Kontrolle nach Angaben der Zeitung vor allem durch „Feuerkraft und Beobachtungsposten“ sichern.
Netanjahu spricht von verstärkter Sicherheitszone
Bei der Verkündung der zehntägigen Waffenruhe am Donnerstag habe Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärt, die Armee solle in einer „verstärkten Sicherheitszone“ im Südlibanon bleiben, so die dpa. Diese erstrecke sich vom Mittelmeer bis zur syrischen Grenze und sei etwa zehn Kilometer breit. Sie solle dem Schutz der nordisraelischen Ortschaften vor Angriffen der Hisbollah dienen.
Wie das israelische Nachrichtenportal Ynet berichtet, sollen sich innerhalb der gelben Linie 55 libanesische Dörfer befinden, deren Bewohner nicht zurückkehren dürften. Während der Waffenruhe setze die Armee die Zerstörung mutmaßlicher Terror-Infrastruktur fort. Verbliebene Kämpfer würden zur Kapitulation aufgefordert – andernfalls sollten sie nach Angaben aus Armeekreisen getötet werden.
Ynet zufolge habe die Armee erstmals offiziell den Begriff gelbe Linie verwendet, als sie die Tötung einer Gruppe von Kämpfern meldete, die sich der Linie genähert hätten. Auch Artilleriefeuer sei zur Unterstützung der Bodentruppen eingesetzt worden. Aktionen zur Selbstverteidigung seien laut Armeesprecher von der Waffenruhe nicht eingeschränkt.
Sorge vor dauerhafter Besatzung
Im Libanon herrsche die Sorge vor einer dauerhaften Besetzung des Südens, berichtet die dpa. Bereits nach dem ersten Libanonkrieg 1982 habe Israel im Süden eine sogenannte Sicherheitszone eingerichtet. Erst im Jahr 2000 hätten sich die letzten israelischen Soldaten nach anhaltenden Verlusten zurückgezogen. Der damalige Einmarsch und die anschließende Besatzung, die ebenfalls Angriffe auf den Norden Israels unterbinden sollten, hätten wesentlich zur Entstehung der Hisbollah beigetragen.
Nach Informationen von Ynet sollen in den vergangenen Tagen zwei israelische Reservisten durch Sprengfallen ums Leben gekommen sein. Die Armee untersuche die Vorfälle; es werde vermutet, dass die Sprengsätze bereits vor der Waffenruhe platziert worden seien. Ziel der Armee sei es, in der Tiefe des Gebiets präsent zu bleiben, bis ein geregelter Kontroll- und Durchsetzungsmechanismus etabliert sei – idealerweise verbunden mit einer Entwaffnung der Hisbollah.
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