Der Schweizer Liebherr-Konzern bereitet einen Einstieg in das Rüstungsgeschäft in Mecklenburg-Vorpommern vor. In einer ehemaligen Produktionshalle des Windkraftanlagenbauers Nordex im Nordosten Rostocks sollen künftig Komponenten für Schützenpanzer gefertigt werden. Das berichtet die Ostsee-Zeitung (OZ) unter Berufung auf eigene Informationen.
Nordex-Sprecher Felix Losada bestätigte lediglich laufende Verkaufsverhandlungen, ohne den potenziellen Käufer zu benennen. Larissa Lunitz, Sprecherin der Liebherr International AG mit Sitz im schweizerischen Nussbaumen, bestätigte der OZ die Pläne in vorsichtigen Worten: „Liebherr schafft derzeit die Voraussetzungen für eine Systempartnerschaft mit der Verteidigungsindustrie und leitet den Aufbau von Fertigungskapazitäten in Mecklenburg-Vorpommern in die Wege.“
Nach Informationen der OZ soll die neu gegründete Tochtergesellschaft „Liebherr Defence Germany“ ihren Firmensitz nach Rostock verlegen. Insidern zufolge sei dies eine Bedingung von Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) gewesen, da der Konzern auch städtische Flächen nutzen wolle. Die Hansestadt erwartet sich von der Ansiedlung Gewerbesteuereinnahmen in sechsstelliger Höhe pro Jahr sowie bis zu 150 neue Arbeitsplätze. Zum Vergleich: Beim Aus der Rotorblattfertigung von Nordex vor vier Jahren waren in Rostock 600 Stellen weggefallen.
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Keine Begeisterungsstürme über Rüstungsproduktion
Dass sich die beteiligten Akteure mit öffentlichen Aussagen zurückhalten, hat dem Bericht zufolge auch politische Gründe. Rüstungsansiedlungen lösten bei der Bevölkerung des Nordostens „keine Begeisterungsstürme“ aus. Hinzu kommt die politische Konstellation in Schwerin: An der dortigen Landesregierung ist mit der Linken eine Partei beteiligt, die der Aufrüstung mindestens skeptisch gegenübersteht – während ausgerechnet eine Linken-Politikerin als Oberbürgermeisterin die Ansiedlung in Rostock mit auf den Weg bringt.
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Aus unternehmerischer Sicht sei der Schritt allerdings nachvollziehbar, heißt es in dem Bericht. Für Rostock entstünden gut bezahlte Arbeitsplätze, und die Gewerbesteuer komme angesichts der Haushaltslage gelegen.
Die geplante Ansiedlung fügt sich in eine längere Reihe militärischer Standortentscheidungen für den Nordosten ein, zu denen unter anderem der Bundeswehrstützpunkt Rostock-Laage und das in Rostock ansässige Marinekommando zählen, die im Kriegsfall ein potenzielles Ziel für gegnerische Kräfte wären.
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