Die ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett und Jair Lapid haben am Sonntag in Herzlia die Gründung eines gemeinsamen Wahlbündnisses bekannt gegeben. Unter dem Namen „Together – Led by Bennett“ (Zusammen – geführt von Bennett) wollen die beiden Politiker bei der spätestens Ende Oktober anstehenden Parlamentswahl in Israel Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ablösen. Dies berichten unter anderem die Times of Israel und die Jerusalem Post.
Bennetts Partei Bennett 2026 und Lapids Zentrumspartei Yesh Atid treten damit künftig auf einer gemeinsamen Liste an, ohne formell zu fusionieren. „Ich gehe den zionistischsten und patriotischsten Schritt, den wir je für unser Land getan haben“, sagte Bennett laut Jerusalem Post auf der gemeinsamen Pressekonferenz. Lapid erklärte laut Times of Israel: „Bennett ist ein Politiker der Rechten, aber ein ehrlicher, und zwischen uns gibt es Vertrauen.“
Bennett und Lapid hatten bereits von 2021 bis 2022 eine Koalitionsregierung geführt, der erstmals in Israels Geschichte auch eine arabische Partei – die islamistische Ra’am – angehörte. Die Regierung zerbrach nach rund einem Jahr, woraufhin Netanjahu Ende 2022 zurückkehrte. Beide Politiker betonten nun laut Jerusalem Post, eine künftige Koalition werde ausschließlich aus zionistischen Parteien bestehen – arabische und ultraorthodoxe Parteien wolle man nicht einbinden.
Bennett erklärt Wahlprogramm
Bennett kündigte für den Fall eines Wahlsiegs die Einsetzung einer staatlichen Untersuchungskommission zum Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 an. Zudem wolle er ein allgemeines Wehrdienstgesetz vorantreiben, die Finanzierung von Wehrdienstverweigerung beenden und die Amtszeit eines Regierungschefs auf acht Jahre begrenzen. Auch sprach er sich für gleichgeschlechtliche und zivile Eheschließungen aus.
Auf der Pressekonferenz lud Bennett zudem den Vorsitzenden der Partei Yashar!, den früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot, zum Beitritt ein: „Unsere Tür ist auch für dich offen, Gadi.“ Eisenkot, der im September 2025 seine eigene Partei gegründet hatte, sagte laut Jerusalem Post, er betrachte Bennett und Lapid als „Partner“. Ein Platz auf der gemeinsamen Liste werde für ihn frei gehalten, teilte Bennetts Büro der Zeitung mit.
Umfrage: So stehen die Chancen für das neue Bündnis
Eine Umfrage der Zeitung Maariv sieht Bennetts Partei mit 24 Sitzen gleichauf mit Netanjahus Likud, Yesh Atid kommt auf sieben, Yashar! auf zwölf Sitze. Laut Meinungsumfragen gilt Bennett als chancenreichster Herausforderer Netanjahus, der für den Likud erneut antreten will und insgesamt mehr als 18 Jahre lang Regierungschef war.
Oppositionspolitiker begrüßten den Zusammenschluss. Benny Gantz von Blau-Weiß forderte eine „breite zionistische Einheitsregierung“, während Yair Golan von den Demokraten und Avigdor Liberman von Yisrael Beytenu Erfolg wünschten.
Aus der Regierungskoalition kam dagegen scharfe Kritik: Der Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir veröffentlichte auf X ein KI-generiertes Bild, das den Ra’am-Chef Mansour Abbas bei einer Hochzeit zwischen Bennett und Lapid zeigt. Der Likud postete ein KI-Bild, in dem Abbas ein Auto mit Bennett und Lapid als Kindern auf dem Rücksitz steuert. Finanzminister Bezalel Smotrich sprach vom „Bündnis der Abbas-Diener“.
Bennett verwies laut Times of Israel auf das ungarische Vorbild, wo ein konservativer Ex-Verbündeter von Viktor Orbán mit einer breiten Oppositionskoalition die Macht übernahm: „Nur ein Mann der Rechten kann diese Regierung besiegen.“
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