Bundeswehr

Musterung ist zurück: Zahl der Kriegsdienstverweigerer deutlich gestiegen

Allein zwischen Januar und März 2026 haben mehr Menschen in Deutschland die Verweigerung des Kriegsdienstes beantragt als im gesamten Jahr 2024. Die Zahl könnte weiter steigen.

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Immer mehr Menschen stellen einen Antrag auf Kriegdienstverweigerung.

Immer mehr Menschen stellen einen Antrag auf Kriegdienstverweigerung.

© Kay Nietfeld/dpa

Im ersten Quartal 2026 haben in Deutschland 2656 Personen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Das sind bereits jetzt mehr Anträge als im gesamten Jahr 2024, in dem 2249 Anträge eingingen. Die Zahlen gehen aus einer Antwort des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) auf eine Anfrage der Redaktion des Berichterstatters hervor. Die Anfrage liegt der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) vor. 

Sollte sich die Entwicklung im laufenden Jahr fortsetzen, dürfte die Gesamtzahl auf über 10.000 Anträge steigen. Das wäre der höchste Wert seit Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011. Zum Vergleich: 2023 hatten lediglich 1079 Personen den Dienst an der Waffe verweigert, 2025 waren es 3879 Anträge.

781 Menschen rufen Kriegsdienstverweigerung zurück

Parallel zu den Verweigerungsanträgen steigt die Zahl der Widerrufe bereits anerkannter Verweigerungen. Im Jahr 2024 nahmen 781 Personen ihre Kriegsdienstverweigerung zurück, im ersten Quartal 2026 lag diese Zahl bereits bei 233. Im Jahr 2021 waren es noch 304 Rücknahmen.

Die Wehrpflicht ist in Deutschland seit 2011 ausgesetzt und gilt nur im Verteidigungsfall weiter. Unabhängig davon bleibt das Recht auf Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe aus Gewissensgründen nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes bestehen. Anträge werden von den Karrierecentern der Bundeswehr entgegengenommen und an das BAFzA weitergeleitet.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervorgeht, entfielen die 2998 im Jahr 2024 insgesamt erfassten Anträge auf 1811 Ungediente, einen freiwillig Wehrdienstleistenden, 153 Soldatinnen und Soldaten auf Zeit, vier Berufssoldatinnen und Berufssoldaten sowie 1029 Reservistinnen und Reservisten. Nicht erfasst werden Fälle, in denen Anträge nach festgestellter Untauglichkeit bei der Musterung zurückgenommen werden, bevor sie das BAFzA erreichen.

Im ersten Jahr des Ukraine-Krieges lag die Zahl der Verweigerungen noch bei 951. Während der Hochphase der Friedensbewegung in den 1980er-Jahren hatten in der Bundesrepublik jährlich Zehntausende junge Männer verweigert. Im wiedervereinigten Deutschland lag die Zahl regelmäßig über 100.000, mit einem Höchstwert von fast 190.000 Anträgen im Jahr 2002.

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