Nordamerika

25 Milliarden Dollar gegen US-Abhängigkeit? Kanada gründet Staatsfonds

Premierminister Carney kündigt den ersten Staatsfonds Kanadas an. Mit 25 Milliarden Dollar Startkapital soll er Großprojekte finanzieren und die Wirtschaft unabhängiger machen.

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Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte die Schaffung eines staatlichen Investitionsfonds an.

Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte die Schaffung eines staatlichen Investitionsfonds an.

© Justin Tang/imago

Kanadas Premierminister Mark Carney hat die Gründung des ersten staatlichen Investmentfonds des Landes angekündigt. Der „Canada Strong Fund“ soll mit einer Anfangsdotierung von 25 Milliarden kanadischen Dollar (rund 18 Milliarden US-Dollar) die Wirtschaft des Landes stärken und unabhängiger machen, wie aus einer Mitteilung der Regierung hervorgeht.

Carney verband die Gründung des Fonds bei seiner Ansprache am Montag (Ortszeit) mit dem Ziel, die kanadische Wirtschaft unabhängiger zu machen. Nach Einschätzung der New York Times sollen die Investitionen die Wirtschaft angesichts des Handelskriegs von US-Präsident Donald Trump mit Kanada stützen.

Carney selbst sprach von „Bedrohungen unserer Souveränität durch unseren südlichen Nachbarn“ – allerdings im historischen Rückblick auf die 1870er Jahre. Der Fonds solle in Großprojekte wie Pipelines, Häfen, neue Atomkraftwerke und eine Hochgeschwindigkeitsbahn investieren, um die Wirtschaft angesichts des Handelskriegs mit den USA zu stützen, berichtete die New York Times.

„Die Welt wird zunehmend gefährlicher, gespaltener und unsicherer“, heißt es in der offiziellen Erklärung der kanadischen Regierung. „Als Reaktion darauf konzentriert sich Kanadas neue Regierung auf das, was wir kontrollieren können: den Aufbau einer stärkeren, widerstandsfähigeren und unabhängigeren kanadischen Wirtschaft.“

Auch Kanadier sollen investieren

Bei der Pressekonferenz im kanadischen Wissenschafts- und Technologiemuseum in Ottawa sagte der Premierminister laut New York Times über Staatsfonds: „Viele Länder, die mit Bodenschätzen gesegnet sind, wie Norwegen, haben sie. Kanada bislang nicht.“ Es handle sich um „einen Fonds der Regierung Kanadas, aber wichtiger noch, einen Fonds des Volkes, Ihren Fonds“.

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„Zum ersten Mal in der Geschichte Kanadas werden Kanadier nicht nur zur Verwirklichung dieser Projekte beitragen, sondern auch direkt von ihren Erträgen profitieren“, sagte Carney weiter. Die Bevölkerung soll über ein eigens entwickeltes Anlageprodukt direkt in den Fonds investieren können.

Geleitet wird der Fond nach Regierungsangaben von einem CEO und einem unabhängigen Aufsichtsrat. Investiert werden soll in saubere und konventionelle Energie, kritische Mineralien, Landwirtschaft und Infrastruktur.

Carney: Kanada profitiert von gestiegenen Öl-Einnahmen

Im Unterschied zu Norwegens Staatsfonds, der mit zwei Billionen US-Dollar der weltgrößte ist und aus Öleinnahmen gespeist wird, kann Kanada nicht auf vergleichbare Quellen zurückgreifen: Bodenschätze gehören in Kanada den Provinzen, die auch die Förderabgaben einnehmen, wie die New York Times erläuterte. Die Provinz Alberta hatte bereits 1976 einen eigenen Fonds eingerichtet, der Ende vergangenen Jahres rund 32 Milliarden Dollar umfasste.

Auf die Frage nach der Herkunft der 25 Milliarden Dollar angesichts der angespannten Haushaltslage – die Regierung hatte zuletzt ein Defizit von 78,3 Milliarden Dollar prognostiziert – verwies Carney laut dem kanadischen Sender CBC News auf die für Dienstag geplante Wirtschaftsaktualisierung. Die Finanzlage sei besser als erwartet, auch wegen gestiegener Öleinnahmen infolge des Krieges zwischen Iran sowie den USA und Israel.

„Bedrohungen durch südlichen Nachbarn“: Carney vergleicht Fond mit Bau der Eisenbahn

Carney verglich das Vorhaben zudem mit dem Bau der Canadian Pacific Railway in den 1870er Jahren, die Kanada erstmals verkehrstechnisch verband. „Damals stand Kanada vor einer Wirtschaftsdepression und Bedrohungen seiner Souveränität durch unseren südlichen Nachbarn – und die Kanadier entschieden sich zu bauen“, sagte er laut New York Times.

Finanzminister François-Philippe Champagne erklärte: „Kanadas nächstes Wachstumskapitel beginnt mit Investitionen im eigenen Land.“ Der Fonds werde gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen und Kanada in einer sich rasch verändernden Welt wettbewerbsfähig halten.

Kritik kam vom konservativen Oppositionsführer Pierre Poilievre. Länder bräuchten Vermögen für einen Staatsfonds, doch Kanada habe nur Schulden, sagte er laut CBC News. „Weitere 25 Milliarden Dollar auf die nationale Kreditkarte zu setzen, um einen liberalen Schmiergeldfonds zu polstern, wird daran nichts ändern.“

Laut einem Bericht der Royal Bank of Canada erreichten ausländische Investitionen in Kanada im vergangenen Jahr 100 Milliarden kanadische Dollar – nach einem Jahrzehnt, in dem mehr als eine Billion Dollar an Investitionsgeldern das Land verlassen hatten.

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