Autofahrer in den Vereinigten Staaten zahlen derzeit deutlich mehr an den Zapfsäulen: Nach Angaben des Automobilclubs AAA stieg der landesweite Durchschnittspreis für Normalbenzin binnen einer Woche um 31 US-Cent je Gallone auf 4,48 US-Dollar; das entspricht rund 1,01 Euro je Liter. Seit Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran liegt der Preis damit rund 50 Prozent höher als zuvor, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.
Hauptursache ist die globale Energiekrise infolge des Konflikts. Die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls transportiert wird, ist faktisch blockiert. Tanker stecken fest und können kein Rohöl ausliefern. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) handelt es sich um die größte Versorgungsstörung in der Geschichte des Ölmarkts – die Rohölpreise stiegen Anfang April auf bis zu 112 Dollar pro Barrel.
Mitte April hatten viele Autofahrer auf Entspannung gehofft, nachdem eine erste Waffenruhe verkündet worden war. Die Preise sanken fast zwei Wochen lang täglich. „Nach der Ankündigung der ersten Feuerpause herrschte eine gewisse Zuversicht, dass dies wirklich der Anfang vom Ende des Konflikts sein könnte“, sagte Rob Smith, Direktor für globalen Kraftstoffhandel bei S&P Global Energy, gegenüber AP. Mit Andauern des Kriegs drehte sich der Trend jedoch wieder.
Wie sich der Spritpreis zusammensetzt
Den Endpreis legen zwar die Tankstellenbetreiber fest, doch laut der US-Energiebehörde EIA entfielen 2025 rund 51 Prozent des Preises für eine Gallone Benzin auf das Rohöl. Steuern trugen etwa 17 Prozent bei, Raffineriekosten und -gewinne rund 14 Prozent, Vertrieb und Marketing weitere 17 Prozent. Bob Kleinberg, Forscher am Center on Global Energy Policy der Columbia University, verglich den Verlauf der US-Benzinpreise laut AP mit dem der Referenzsorte WTI: „Hier gibt es kein großes Geheimnis. Die Kurven folgen demselben Muster, und das mit sehr geringer Verzögerung.“
Zusätzlich verschärft wurde die Lage im April, als die US-Regierung iranische Häfen blockierte, um Ölexporte zu unterbinden. „Iran hatte ungewöhnlich große Mengen Öl auf den Weltmarkt gebracht, das hat die Preise gedämpft“, sagte Jim Krane vom Baker Institute der Rice University, wie AP berichtet. Die Trump-Regierung habe Druck auf Teheran ausüben wollen – damit aber zugleich die globalen Ölpreise nach oben getrieben.
Trotz einer am 8. April erzielten Waffenruhe und einer von Präsident Donald Trump angeordneten Pause der Militäroperation „Project Freedom“ zur Öffnung der Straße von Hormus blieben die Preise auf hohem Niveau, wie Al Jazeera berichtet. Trumps Zustimmungswerte sind laut jüngsten Umfragen auf Tiefststände gefallen.
Smith warnt laut AP, dass selbst eine dauerhafte Beilegung des Konflikts keine schnelle Entlastung bringen werde: „Es wird Monate dauern, bis wir wieder beim Vorkriegsniveau ankommen, wenn nicht länger.“ Versicherer und Reedereien würden eine Risikoprämie für die Region einpreisen.
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