Umfrage

Pflege: Viele Angehörige verlieren Haus oder Großteil des Vermögens

Hausverlust und aufgebrauchte Ersparnisse sind für pflegende Angehörige oft bittere Realität. Eine neue Studie offenbart das Ausmaß und nennt klare Forderungen an die Politik.

2 Min
Angehörige zu pflegen kann arm machen.

Angehörige zu pflegen kann arm machen.

© Mascha Brichta/dpa-tmn

Die Pflege eines Angehörigen hat einer neuen Umfrage zufolge bei vielen Familien in Deutschland zu erheblichen materiellen Einbußen geführt. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit fordert eine umfassende Reform der Pflegeversicherung.

49 Prozent der befragten Pflegenden haben Pflegearmut bei sich selbst oder im näheren Umfeld erlebt – etwa bei Verwandten oder Bekannten. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit hervor. Als Pflegearmut wurde in der Erhebung der Verlust des Hauses oder eines Großteils der Ersparnisse definiert.

Zwei Drittel aller Befragten sprachen sich zudem für eine umfassende Pflegereform aus, die eine verlässliche Versorgung garantiert. Kürzungen beim Pflegegeld wurden klar abgelehnt.

DAK-Chef spricht von „sozialem Sprengstoff“

Die Umfrage zeige, dass Pflegearmut „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ sei, erklärte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Wenn jede zweite Pflegeperson bei sich oder im Umfeld durch Pflege das eigene Haus oder den Großteil der Ersparnisse verliert, dann ist das sozialer Sprengstoff.“

Bund und Länder müssten nun eine umfassende Pflegereform auf den Weg bringen, forderte Storm. „Ganz wichtig ist dabei eine Lösung zur Begrenzung der explodierenden Heimkosten, damit Pflege hier für Bewohner und Angehörige nicht weiter zur Armutsfalle wird.“ Der starke Anstieg der Ausgaben für die Hilfe zur Pflege verschärfe zudem die Finanzlage der kommunalen Haushalte.

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Mehrheit erwartet höhere Belastungen durch Reform

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte angekündigt, bis Mitte Mai einen ersten Entwurf für eine Reform der sozialen Pflegeversicherung vorzulegen. Die Mehrheit der in der Allensbach-Erhebung Befragten rechnet bei der Reform mit höheren finanziellen Belastungen: 61 Prozent halten Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen für unvermeidlich.

Die Hälfte der Bevölkerung erwartet laut Umfrage deutlich steigende Pflegebeiträge, weitere 36 Prozent immerhin moderat steigende Beiträge. 51 Prozent der Befragten halten höhere Beiträge für akzeptabel, sofern der Staat die Absicherung von Pflegebedürftigkeit komplett übernimmt. (mit AFP)

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