Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat den Weg für den Einsatz von US-Kerosin auf europäischen Flügen freigemacht. „Eine mögliche Einführung von Jet A in Europa oder anderen Teilen der Welt würde keine Sicherheitsbedenken aufwerfen, sofern die Einführung ordnungsgemäß abgewickelt wird“, erklärte die EASA am Freitag. Der Treibstoff wird bislang vor allem in den USA produziert und aus technischen Gründen in Europa nicht verwendet.
Auslöser sei die Lage im Nahen Osten und am Persischen Golf, die die Versorgung mit dem in Europa traditionell verwendeten Jet A-1 beeinträchtige, teilte die Behörde mit. Luftfahrt- und Treibstoffbranche prüften daher die Möglichkeit, Jet A aus anderen Weltregionen zu beziehen, um einem möglichen Engpass zu begegnen.
Nach Angaben der EASA will auch die EU-Kommission an diesem Freitag klarstellen, dass es keine regulatorischen Hürden für Import und Einsatz von Jet A im europäischen Luftraum gibt. Ein Wechsel der Treibstoffsorte innerhalb eines Logistiksystems könne jedoch die Zustimmung der Nutzer erfordern, hieß es laut Bloomberg aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen.
Branchenverband hatte Lockerung gefordert
Der Branchenverband Airlines for Europe, dem unter anderem die Deutsche Lufthansa, Air France-KLM sowie die British-Airways-Mutter IAG angehören, hatte die EU bereits im April um eine entsprechende Genehmigung gebeten. Hintergrund sind die stark gestiegenen Treibstoffkosten infolge des Iran-Krieges. Zahlreiche Fluggesellschaften mussten Bloomberg zufolge bereits Zehntausende Verbindungen streichen.
Die in Europa übliche Kerosinsorte Jet A-1 und das US-Pendant Jet A unterscheiden sich vor allem im Gefrierpunkt: Jet A-1 bleibt bis minus 47 Grad Celsius flüssig, Jet A nur bis minus 40 Grad. Großraumflugzeuge sind nach Angaben der EU-Kommission in der Regel für beide Treibstoffe zugelassen; auf Transatlantikflügen nach Europa wird Jet A bereits routinemäßig eingesetzt.
Versorgungslage angespannt
Durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus sind Hunderte Millionen Barrel Öl und Treibstoffe blockiert. Europa fehlt damit ein erheblicher Teil seiner üblichen Kerosin-Importe. Sollte die Meerenge weiter geschlossen bleiben, dürften die europäischen Bestände nach einer Schätzung der Beratungsfirma Energy Aspects in diesem Quartal um 230.000 Barrel pro Tag schrumpfen.
Die EU-Kommission will nach Bloomberg-Informationen zudem klarstellen, dass Fluggesellschaften nicht sanktioniert werden, wenn sie ihre Slots wegen kriegsbedingter Treibstoffengpässe nicht nutzen können. Zugleich werde an das Verbot nachträglicher Preiserhöhungen für bereits verkaufte Tickets erinnert. Versorgungsengpässe wurden den Angaben zufolge bisher nicht gemeldet.
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