Was wird der letzte Spieltag an diesem Wochenende alles bringen? Auf jeden Fall die Entscheidungen um Auf- und Abstiege von der Ersten Bundesliga bis hinunter in die Regionalligen. Es werden sich garantiert Dramen auf dem Platz abspielen und natürlich auf den Rängen bei den treuen Fans.
Es wird grenzenlosen Jubel geben, aber es werden auch bittere Tränen fließen. Es geht auch um die wirtschaftliche Zukunft vieler Vereine und um Trainer- und Spielerkarrieren. Die Geschichte hat gezeigt, dass dieser letzte Spieltag, an dem es oft um alles oder nichts geht, immer wieder kuriose Wendungen und oft von Minute zu Minute neue Tabellensituationen bringt. Vermeintliche Favoriten geraten ins Straucheln und krasse Außenseiter steigen zu strahlenden Siegern auf.
Mittendrin in diesem bevorstehenden Gefühlschaos befinden sich auch viele traditionsreiche Ostvereine. In der Zweiten Bundesliga haben der 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden den für beide greifbar nahen Klassenerhalt noch nicht sicher. Außer dem feststehenden Absteiger Preußen Münster sind ab Platz zwölf, den Magdeburg innehat, noch Dresden, Eintracht Braunschweig, Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld und Greuther Fürth in Gefahr.
Eine Etage tiefer, in Liga 3, steht – wenn alles gut geht – Energie Cottbus nach zwölf Jahren in der Dritten und gar Vierten Liga vor der heiß ersehnten Rückkehr in die Zweite Bundesliga. Hinter dem enteilten Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück (77 Punkte) drängeln sich Cottbus (69), der MSV Duisburg (67) und Rot-Weiss Essen (67) um die Aufstiegsränge. Hansa Rostock (64) könnte nur bei einem Sieg in Saarbrücken und gleichzeitigen Niederlagen von Duisburg (gegen Viktoria Köln) und Essen (in Ulm) noch auf Relegationsrang 3 springen.
Autor hat Dramen an letzten Spieltagen miterlebt
Und in der Regionalliga Nordost kommt es sogar zum Showdown um die Meisterschaft zwischen dem Dauer-Tabellenführer 1. FC Lok Leipzig (an 24 Spieltagen auf Platz 1) und dem FC Carl Zeiss Jena. Die Jenenser haben zuletzt eine erfolgreiche Aufholjagd hinter sich und sind nun punktgleich mit Lok (je 69 Zähler), haben aber das um vier Treffer schlechtere Torverhältnis. Leipzig empfängt den 1. FC Magdeburg II im Bruno-Plache-Stadion und will dort unbedingt den Titel feiern. Jena hat ausgerechnet den Erzrivalen FC Rot-Weiß Erfurt im stets brisanten Thüringenderby zu Gast. Mehr Spannung geht nicht.
Als Reporter habe ich einige Dramen an letzten Spieltagen miterlebt. Es begann in der DDR-Oberliga. Im Mai 1988 musste am letzten Spieltag der Saison 1987/88 der 1. FC Union Berlin zum FC Karl-Marx-Stadt reisen und unter allen Umständen gewinnen, um den Abstieg zu vermeiden, den das Gros der Unioner bereits dicht vor Augen hatte. Doch das Wunder geschah. Die rund 4000 mitgereisten Union-Anhänger (!) bejubelten nach zwischenzeitlichen 0:1- und 1:2-Rückständen ihrer Mannschaft in der 90. Minute den sensationellen 3:2-Siegtreffer durch Mario Maek. Für mich das dramatischste Spiel, das ich je von Union erlebt habe.
Im Mai 1992 berichtete ich aus Rostock, wo am letzten Spieltag der Ersten Bundesliga der abstiegsbedrohte FC Hansa den Spitzenreiter Eintracht Frankfurt empfing. Die Eintracht brauchte einen Sieg, um Meister zu werden. Jens Dowe brachte Hansa mit 1:0 in Führung, Axel Kruse (zuvor und später bei Hertha BSC) schaffte das 1:1 für Frankfurt, aber Stefan Böger traf für Rostock in der 89. Minute zum 2:1. Hansa stieg dennoch ab, die Eintracht fiel auf Platz drei zurück und Stuttgart wurde Meister. Trainer-Original Dragoslav Stepanovic kommentierte das tragische Aus seiner Mannschaft mit dem berühmten Spruch: „Lebbe geht weider!“
Lok Leipzig und Carl Zeiss Jena - Kritik nach Spiel beim Greifswalder FC
Klassenerhalt noch nicht sicher: Dynamo Dresden muss weiter zittern
Alle ostdeutschen Vereine haben es selbst in der Hand
Die „Mutter aller Dramen“ am letzten Spieltag, als im Mai 2001 Schalke 04 bereits vier Minuten die Meisterschaft feierte, aber danach den größten Schock aller Zeiten erlebte, sah ich gebannt im Fernsehen. Schalkes Spiel, ein 5:3-Sieg gegen Unterhaching, war zu Ende. Parallel kämpfte der FC Bayern beim Hamburger SV um den Titel, lag nach 90 Minuten 0:1 zurück. Premiere-Reporter Rolf Fuhrmann verkündete voreilig: „Es ist zu Ende in Hamburg. Schalke ist Meister!“ Auf Schalke brachen alle Dämme, doch in der 94. Minute gelang Bayern nach einem indirekten Freistoß das 1:1, die danach hemmungslos über den Titel jubelten. Auf Schalke liefen derweil im Parkstadion die Schlussminuten aus Hamburg auf der Videoleinwand! Unfassbar!
Zurück zur Gegenwart. Alle Vereine aus dem Fußball-Osten, die am Wochenende im Brennpunkt stehen, haben einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten: Sie haben es selbst in der Hand (oder besser in den Füßen), ihre großen Ziele zu erreichen. Der 1. FC Magdeburg empfängt den 1. FC Kaiserslautern, Dynamo Dresden vor heimischer Kulisse Holstein Kiel. Es müsste schon einiges schieflaufen, sollten sich beide Mannschaften nicht retten können. In Liga 3 muss Energie Cottbus zu Jahn Regensburg reisen. Rund 5000 Fans werden das Team von Trainer „Pele“ Wollitz begleiten. Bleibt zu hoffen, dass sie eine rauschende Aufstiegsparty feiern können.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]